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Baunataler Feuerwehr kritisiert: Türöffner statt Brandschützer

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Von: Sven Kühling

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Feuerwehr im Einsatz: Immer häufiger werden die Brandschützer für Türöffnungen angefordert. Auf dem Bild sind Einsatzkräfte aus Melsungen zu sehen.
Feuerwehr im Einsatz: Immer häufiger werden die Brandschützer für Türöffnungen angefordert. Auf dem Bild sind Einsatzkräfte aus Melsungen zu sehen. © Helmut Wenderodt

Wenn etwa die Mitarbeiterin eines Pflegedienstes einen Notfall hinter verschlossener Tür vermutet, dann ruft sie bei der Leitstelle der Feuerwehr an oder bei der Polizei. Beide informieren dann die Feuerwehren vor Ort. Es sei denn, der Pflegedienst hat irgendwo einen Schlüssel. Die Männer und Frauen, die sonst Brände löschen und Menschen aus Autowracks auf Autobahnen holen, haben Gerät und Ausbildung zur Türöffnung.

Kreis Kassel – Doch diese Fälle nehmen überhand, kritisiert Baunatals Stadtbrandinspektor Ralf Seitz. Allein 2021 haben die ehrenamtlichen Wehrleute aus der VW-Stadt 42 Türöffnungen vorgenommen.

„Das mit den Türöffnungen ist extrem angestiegen“, sagt Seitz. 2020 habe die Zahl noch bei 22 für die Baunataler gelegen. In diesem Jahr seien die Brandschützer bereits zu sieben solcher Einsätze gerufen worden. Für jede Türöffnung müssen sie ihre Leute alarmieren, sagen Seitz und sein Stellvertreter Philipp Wagner. Die Frauen und Männer müssten dann ihre Arbeitsplätze verlassen und zur Feuerwehr fahren. Denn schließlich geschehe das alles ehrenamtlich.

Seitz zeigt Verständnis für die Situation. „Hinter jeder Tür verbirgt sich ein Schicksal“, sagt er. Oft sei aber in den Wohnungen nichts Spektakuläres passiert. Die Feuerwehr werde dennoch zur Türöffnung gerufen. „Oft handelt es sich um etwas ganz Banales“, betont Seitz. Aber natürlich komme es auch vor, „dass eine Person mit Herz-Kreislauf-Stillstand in einer Wohnung liegt“.

Rein rechtlich gesehen, werde die Feuerwehr in Amtshilfe für die Polizei tätig. Die Beamten hätten nicht das Gerät und die Ausbildung dafür, sagt der Stadtbrandinspektor und stellt aber sofort klar, dass auch der Polizei kein Vorwurf gelte. Mit dem Revier Süd-West in Baunatal arbeite man hervorragend zusammen, sagt Seitz.

Oft komme man an den Einsatzort und öffne die Tür, „aber keiner ist da“, so der Feuerwehrchef. Nachbarn, Verwandte oder der Pflegedienst hätten wohl nicht mitbekommen, dass die betroffene Person einfach einen Weg erledige. „Wir Feuerwehrleute fahren aber dahin.“

Absolut positiv sieht Ralf Seitz deshalb die Installation eines Hausnotrufes bei zu pflegebedürftigen Menschen. „Das ist absolut top“, sagt er. Die örtlichen Anbieter hätten dann Schlüssel für die Wohnungen und könnten diese notfalls auch betreten. Seitz: „Der Anbieter fährt dann selber hin. Dann kommt die Freiwillige Feuerwehr nicht ins Spiel. Das wäre ideal.“

Eine andere Lösung hat Baunatals Stadtbrandinspektor nicht parat. Immerhin, so sagt er, könnten auch Schlüsseldienste oder eben auch Polizeibeamte mit entsprechender Ausbildung Türen öffnen.

In diesem Zusammenhang lobt Seitz Baunatals neue Bürgermeisterin Manuela Strube. Diese habe noch vor Amtsantritt einen runden Tisch mit allen Beteiligten organisiert. Und: Laut Landkreissprecher Harald Kühlborn verzeichneten alle Feuewehren im Kreis ab 9. Februar 2021 über ein Jahr insgesamt 300 Türöffnungen – zum Teil als Hilfeleistung auch für den Rettungsdienst.

Ralf Seitz hoff zunächst darauf, dass wieder mehr Nachbarn und Verwandte sensibilisiert werden und nach den Älteren schauen. „Das müssen wir in die Menschheit wieder reinkriegen.“ (Sven Kühling)

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