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Ulrike Jakob verlässt Betriebsrat in Baunatal und Aufsichtsrat in Wolfsburg

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Von: Sven Kühling

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Entspannt: Ulrike Jakob lehnt an einer Baunataler Käfer-Miniatur, die vor einem Betriebsratsbüro steht. Ihr eigenes Büro hat sie seit Tagen leer geräumt.
Entspannt: Ulrike Jakob lehnt an einer Baunataler Käfer-Miniatur, die vor einem Betriebsratsbüro steht. Ihr eigenes Büro hat sie seit Tagen leer geräumt. © Sven Kühling

Vor genau fünf Jahren, an ihrem 57. Geburtstag, begann Ulrike Jakob den wohl wichtigsten Abschnitt ihres Berufslebens. Zumindest war es der mit der größten Verantwortung. Sie wurde an diesem Tag im Aufsichtsrat von Volkswagen in Wolfsburg vom Vorsitzenden Hans Dieter Pötsch als neues Mitglied begrüßt.

Kassel/Baunatal – Genau fünf Jahre später, am 11. Mai 2022, einen Tag nach ihrem 62. Geburtstag, verlässt sie nicht nur das mächtige Kontrollgremium von Europas größtem Autokonzern, sondern sie verabschiedet sich auch in der Heimat, im Baunataler VW-Werk, in den Ruhestand. 46 Jahre war die Edermünderin dort aktiv: von der Auszubildenden zur Bürofachangestellten bis zur stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden.

Und das bleibt in Erinnerung: Es sei ungewöhnlich gewesen, dass eine Stellvertreterin eines Konzernstandortes in den Aufsichtsrat rückte, so Jakob. Gemeinsam mit anderen frisch berufenen Frauen habe sie so etwas wie Pionierarbeit geleistet.

„Fünf Jahre waren geplant, und so kommt es jetzt“, sagt Ulrike Jakob etwas nüchtern. Doch so emotionslos ist sie natürlich nicht. Über vier Jahrzehnte war Ulrike Jakob Ansprechpartnerin für die großen und kleinen Probleme der Beschäftigten – für ihr offenes Ohr ist sie an der Bauna bekannt. Dann kommt sie selbst noch mal auf die Verantwortung zu sprechen, die sie mit der Position im Aufsichtsrat 2017 übernommen hat. Die Bedeutung helfe schon dabei, mit den Spitzen von Vorstand und sogar Mitgliedern der Eigentümer-Familien von VW mal in Kontakt zu kommen. Und so auch etwas für den Heimatstandort zu erreichen. „Das macht schon einen Unterschied“, sagt sie. Die Arbeit, die dahinter stecke, sei aber vielen nicht bewusst. „Die sieht keiner.“

„Ich bin und bleibe Gewerkschafterin“, sagt die IG-Metallerin über ihre Tätigkeit und auch die Zeit danach. Ihr Anliegen sei immer gewesen, „dass die Interessen der Belegschaft nicht zu kurz kommen“. Ehrenamtlich wolle sie sich weiter im Ortsfrauenausschuss der IG Metall engagieren. „Ein politisches Amt werde ich aber auf keinen Fall mehr übernehmen.“

Dennoch lobt Ulrike Jakob bei ihrem eigenen Fazit auch Mitglieder des Managements, wie etwa Technik-Vorstand Thomas Schmall, der den Komponentenwerken, wie Baunatal eines ist, zu neuem Schwung verholfen habe.

Die jüngsten Investitionen von 1,2 Milliarden Euro in die E-Mobilität nennt die Edermünderin als ein positives Beispiel auf dem Weg in die Zukunft der Baunataler Fabrik.

Natürlich werde es durch den Wandel langfristig weniger Arbeitsplätze geben in der Autoindustrie, sagt die 61-Jährige. „Wir müssen sehen, dass wir Anschlussregelungen für die nachfolgenden Generationen hinbekommen.“

Für eine gute Entwicklung beim größten Arbeitgeber der Region sieht Ulrike Jakob jedoch keine Schwierigkeiten. „Es gibt so viele gute Voraussetzungen hier, das ins Ziel zu bringen“, sagt sie.

Bevor Ulrike Jakob ihr seit Tagen leer geräumtes Büro im Betriebsrat verlässt, hält sie einen Moment inne, wieder eher nüchtern sagt sie beim Blick in die leeren Aktenschränke: „Das muss ja alles so sein.“ Und dann hängt sie später noch dran. „Ich werde dem Unternehmen verbunden bleiben.“

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