Volle Straßenbahn-Linie 5

Trams sind zu Stoßzeiten rappelvoll: Stadt Baunatal hofft auf Anhänger-Betrieb

Eine Straßenbahn fährt durch eine Allee mit Bäumen ohne Blätter.
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Mittlerweile gewohntes Bild in Kassel: Die Linien 1 und 6 der KVG fahren seit 2016 teilweise mit Anhänger. Die Stadt Baunatal will eine solche Variante auch zur Entlastung der Linie 5 prüfen lassen.

Die Straßenbahnen der Linie 5 von Baunatal nach Kassel sind vor allem morgens rappelvoll. Mehr Bahnen mit Anhängern könnten helfen. Doch diese Idee ist schwer zu verwirklichen.

Kassel/Baunatal – Die Stadt Baunatal sucht seit einiger Zeit gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen KVG und RBK nach einer Lösung zur Entlastung.

Entweder sollen jeweils zwei Trams aneinander gehängt werden oder – wie bereits bei der Linie 6 von Kassel Richtung Brückenhof und der Linie 1 von Kassel nach Vellmar – mit einem zusätzlichen Anhänger rollen. Beide Ideen wurden am Mittwochabend im Haupt- und Finanzausschuss in Baunatal diskutiert. Auslöser war ein Antrag der CDU-Fraktion.

Fahrten mit Doppeltraktion schon beim Hessentag, aber...

Spätestens ab der Haltestelle „Stadtmitte“ der Linie 5 drängten sich die Menschen zu den Stoßzeiten „in übervollen Bahnen“, heißt es in dem Antrag. „In Zeiten von Corona ist dies, wenn kein Lockdown besteht, auch für die Gesundheit der Fahrgäste ein erhebliches Problem.“

Fahrten mit Doppeltraktion, also mit zwei aneinandergehängten Bahnen, hat es laut Andreas Mock (CDU) bereits während des Hessentages in Kassel gegeben. Allerdings konnten aufgrund der Länge der Züge die Haltestellen „Hünstein“ und „Albert-Einstein-Straße“ in Baunatal nicht bedient werden.

Zwei Bahnsteige müssten für Doppeltraktion verlängert werden.

Die Problematik bestätigte auch Bürgermeisterin Silke Engler (SPD). Die Variante sei nach Auskunft der KVG bereits Anfang der 2000er-Jahre geprüft worden.

Haltestellen sollen modernisiert werden – mit Verlängerung?

Die Topologie der Strecke und die Einrichtung von Signalen und Bahnübergängen ließen Fahrten mit 60-Meter-Zügen nicht zu, berichtete Engler von einem Gespräch mit der KVG. Es seien für die Doppeltraktion erhebliche Umbaumaßnahmen notwendig. Das käme einem Neubau der Strecke gleich habe die KVG in einem Gespräch mitgeteilt.

Immerhin, so Engler, habe die RBK als Betreiberin der Linie eine baldige Modernisierung der Haltestellen in Baunatal angekündigt. Diese sei notwendig, weil moderne Straßenbahnen sowieso größer seien als frühere Modelle.

Die Bürgermeisterin rät von einer Verlängerung der zu kurzen Bahnsteige „Hünstein“ und „Albert-Einstein-Straße“ in Eigenregie durch die Stadt Baunatal ab. „Der Umbau von Haltestellen ist keine städtische Aufgabe“, sagte sie. Vielmehr seien KVG und RBK gefragt.

Thema wird in zusätzlicher Ausschuss-Sitzung besprochen

Auf Anregung der CDU will das Rathaus schnell prüfen, ob als ein erster Schritt die Bahnen nicht auch mit einem angekoppelten Anhänger rollen können. „Das wäre eine Entlastung“, so Andreas Mock.

Im Jahr 2016 hatte die KVG von der Stadt Rostock 15 gebrauchte Anhänger zur Kapazitätserweiterung auf einigen Linien angekauft und umgerüstet, weil die Strecken in Kassel bergiger sind. Engler versprach, gleich am Donnerstag das Gespräch mit der KVG zu suchen.

Verhüllt: Lange Zeit standen diese beiden von der KVG in Rostock gebraucht gekauften Anhänger vor dem Betriebshof Wilhelmshöhe. (Archivfoto)

Eine Abstimmung zu dem CDU-Antrag fand noch nicht statt. Die Parlamentarier einigten sich auf eine zusätzliche Ausschusssitzung vor der Stadtverordnetenversammlung am 5. Juli (18 Uhr, Stadthalle). Da soll das Straßenbahn-Thema dann erneut auf den Tisch kommen. (Sven Kühling)

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