Kurzarbeit und Schließtage

VW-Werk in Baunatal baut 13.000 E-Motoren pro Woche trotz Halbleitermangels

Produktion in der Halle 1 in Baunatal: Hier werden die Elektromotoren für die ID-Modelle gefertigt. Das zeigten kürzlich für das Foto Unterabteilungsleiterin Mahsuma Mohssemi und Meister Patrick Kaminski.
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Produktion in der Halle 1 in Baunatal: Hier werden die Elektromotoren für die ID-Modelle gefertigt. Das zeigten kürzlich für das Foto Unterabteilungsleiterin Mahsuma Mohssemi und Meister Patrick Kaminski.

Volkswagen leidet weiter unter dem weltweiten Mangel an Halbleitern in der Autoindustrie. Die Einschränkungen haben massive Auswirkungen auf das VW-Werk Kassel in Baunatal.

Kassel/Baunatal – In Baunatal befindet sich die größte Komponentenfabrik von VW. Kurzarbeit und Schließtage führen dazu, dass laut Betriebsrat ein Großteil der Belegschaft eine Woche arbeitet, danach eine Woche zu Hause bleibt. Zumindest läuft der Zukunftsbereich der Elektromotorenfertigung in Baunatal auf gutem Niveau weiter. Das wurde jetzt auf Nachfrage der HNA bekannt. Laut Werkleiter Jörg Fenstermann verlassen pro Woche immerhin 13.000 Elektro- und Hybridantriebe den nordhessischen Standort.

Wie deutlich die Auswirkungen des Chipmangels auf VW sind, zeigte die Marke VW gestern mit der Bekanntgabe der Absatzzahlen für 2021. Demnach lieferte VW 2021 weltweit über alle Antriebsarten hinweg rund 4,897 Millionen Fahrzeuge an Kunden aus. „Dies entspricht einem Minus von rund 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr“, hieß es. „Maßgeblichen Einfluss auf die Absatzzahlen hatte die strukturelle Unterversorgung mit Halbleitern, die im Jahresverlauf zu Produktionseinschränkungen führte.“

Laut der Mitteilung hat der Autobauer allerdings die Auslieferungszahl der rein elektrischen Fahrzeuge verdoppelt. Jedes vierte 2021 von VW ausgelieferte Auto hatte einen Stecker, hieß es aus Wolfsburg weiter. Und das ist gleichzeitig ein Hoffnungsschimmer für die Mannschaft in Baunatal, wo weite Teile der Elektroplattform MEB produziert werden.

Die Fertigung von E-Motoren für die ID- und Hybrid-Modelle läuft trotz Chip-Engpasses auf gutem Niveau weiter. „Insgesamt produzieren wir aktuell etwa 13 000 elektrische Antriebe und Hybrid-Antriebe pro Woche“, so Werkleiter Fenstermann.

Woher die Chip-Kontingente für die Elektromotoren kommen, verrät das Werkmanagement in Baunatal auf Anfrage nicht. Werksprecher Heiko Hillwig sagt lediglich: Volkswagen sei in direktem Kontakt mit seinen Lieferanten und auch mit Chip-Herstellern, um den Austausch zu intensivieren und um den Bedarf direkter und frühzeitiger abstimmen zu können. „Wir wollen zudem mit der Chipindustrie eigene Halbleiter-Kompetenz aufbauen. Wir überlegen dabei auch, in die Entwicklung von Automotive-Chips einzusteigen.“

Und wann rechnet das Werkmanagement mit einer Erholung der Situation? „Die Entspannung der Versorgungssituation hängt maßgeblich von der Halbleiterindustrie ab“, sagt Werkleiter Fenstermann. „Der Volkswagen Konzern rechnet im Jahr 2022 mit einer leichten Verbesserung der Halbleiterversorgung gegenüber 2021.“ Aufgrund der anhaltenden Lieferengpässe der Chipindustrie bleibe das Jahr 2022 allerdings sehr unbeständig und anspruchsvoll. (Sven Kühling)

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