Ziel: Ausfallzeiten in Gießerei mindern

VW-Azubi aus Baunataler Werk hat digitales Konzept zur Pumpenwartung entwickelt

Setzen sich für eine Fortbildung ihrer Kollegen ein: Henrik Reiße (links) und Ausbilder Martin Köhler mit einer Dosierpumpe an einer Druckgussmaschine. Ein digitales Programm Reißes soll Ausfälle derartiger Anlagen in der VW-Gießerei künftig verhindern helfen.
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Setzen sich für eine Fortbildung ihrer Kollegen ein: Henrik Reiße (links) und Ausbilder Martin Köhler mit einer Dosierpumpe an einer Druckgussmaschine. Ein digitales Programm Reißes soll Ausfälle derartiger Anlagen in der VW-Gießerei künftig verhindern helfen.

Häufig liefern Auszubildende in Betrieben Konzepte nur zur Probe ab. Sie werden in der echten Produktion selten verwendet. Bei Henrik Reiße ist das anders.

Kassel/Baunatal – Mit seiner Abschlussarbeit im VW-Werk Kassel in Baunatal könnten noch Generationen von Beschäftigten in der Gießerei zu tun haben. Der Bundesbeste bei den Gießereimechanikern von 2020 hat eine digitale Fortbildung für Mitarbeiter und Azubis entwickelt. Das digitale Training hilft dem Werk dabei, Kosten zu sparen und außerdem die Arbeit mit dem 700 Grad heißen flüssigen Aluminium zu erleichtern.

Genau gesagt, geht es um eine Dosierpumpe. Die pumpt das flüssige Metall aus einem Behälter in die Füllkammer einer Druckgussmaschine. Etwa 80 Druckgussmaschinen gibt es im Baunataler Werk. Darin entstehen dann zum Beispiel Zylinderkurbelgehäuse, Zwischengehäuse für Elektroautos und Strukturteile zur Versteifung von Fahrzeugkarosserien.

Ausbilder Martin Köhler ist ganz begeistert von der Arbeit seines Schützlings. Henrik Reiße habe die Anleitung für das digitale Training (Web-based-Training) bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, sagt Köhler. Neben Versionen für den Laptop und auf Papier gebe es noch einen praktischen Versuchsaufbau zum Üben vor Ort. Mit der Lernunterlage könnten die Mitarbeiter die Funktionsweise der Pumpe verstehen, ergänzt Reiße. „Es ist eine Anweisung für Reinigung und Wartung.“

Und genau hier lag in der Vergangenheit das Problem. Weil die Pumpen nicht einheitlich gewartet wurden, sagen die Experten, sei es immer wieder zu Ausfällen in der Fertigung gekommen. Die Maschinen blieben aufgrund von nicht vorgenommener Wartung stehen. Im normalen Betrieb habe einfach die Zeit gefehlt, die Mitarbeiter ausreichend zu qualifizieren, erläutert Ausbilder Köhler. Mit dem Programm von Henrik Reiße könnten nun alle Betroffenen einzeln geschult werden. „Bisher gab es nur wenige Experten, die sich damit auskennen.“

Und was treibt einen Azubi zu so einer aufwendigen Abschlussarbeit? „Ich bin ein Freund von der Kombination von Theorie und Praxis“, sagt der Ex-Azubi aus Neuental-Bischhausen, der mittlerweile als Anlagenführer in der Gießerei arbeitet.

An dieser Stelle will der engagierte VWler auch nicht bleiben. Er warte auf die Zusage für ein Stipendium, sagt Henrik Reiße. An der Uni Kassel will er Maschinenbau mit der Fachrichtung Gießereitechnik studieren. Und zum Abschluss hält er noch einen Tipp für alle Azubis bereit: „Wenn man Spaß an der Sachen hat, dann sollte man dem einfach nachgehen.“ (Sven Kühling)

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