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VW in Baunatal: Ex-Leiharbeiter machen Druck

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Von: Sven Kühling

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Protest vor dem Werkstor: Kurz vor dem Auslaufen der Verträge Ende Februar machten die Leiharbeiter ihrem Ärger vor dem Baunataler VW-Werk Luft. Teilweise warten sie noch immer auf Anschlussverträge.
Protest vor dem Werkstor: Kurz vor dem Auslaufen der Verträge Ende Februar machten die Leiharbeiter ihrem Ärger vor dem Baunataler VW-Werk Luft. Teilweise warten sie noch immer auf Anschlussverträge. © Sven Kühling

Die Zukunft von ehemals 570 Leiharbeitern aus dem VW-Werk Kassel in Baunatal bleibt ungewiss. Im Februar waren 250 zumindest auf bis Ende August befristete Zeitarbeiter-Stellen übernommen worden. Die anderen warten zum Teil immer noch auf einen Anschlussvertrag. Sie fordern eine Perspektive. Doch Werkmanagement und Betriebsrat machen wenig Hoffnung.

Kassel/Baunatal – Üblicherweise lief es bisher anders: Die Verträge von Leiharbeitern sind meist auf 36 Monate verlängert worden. Anschließend hatte das Werk viele Leiharbeiter übernommen. Die im Februar gekündigten 570 VW-Kollegen sind die ersten Leiharbeiter seit langer Zeit, die nicht übernommen wurden.

Immerhin: Der Ausblick ins zweite Halbjahr zeige eine steigende Tendenz in der Produktion an, sagt Werksprecher Heiko Hillwig. „Das Management prüft derzeit gemeinsam mit dem Betriebsrat dementsprechend verschiedene Handlungsmöglichkeiten.“

Die Betroffenen hoffen auf eine Erholung der Situation nach weltweiten Halbleiter- und Kabelbaum-Engpässen für die zweite Jahreshälfte. Viele Kunden haben bei den Herstellern bereits Autos bestellt – auch bei VW. „Die Auftragsbücher sind voll“, sagt Betriebsratschef Carsten Bätzold im Gespräch mit der HNA.

Eine Verlängerung auf Zeitarbeiter-Stellen – so wie bei den ersten 250 geschehen – schließt Bätzold für den Rest aus. Er macht erneut deutlich, dass die Arbeitnehmervertretung Leiharbeiter-Jobs nicht mehr zustimmen wird. Vielmehr setze man auf befristete, echte VW-Verträge. Darauf könnten sich die Suchenden dann bewerben, sagt er. „Wenn es zu Personalbedarf kommt, werden wir darauf dringen, dass befristet eingestellt wird“, betont der Betriebsratschef. Man wolle eben „keinen Drehtüreffekt“, dass Zeitarbeiter an einer Stelle freigesetzt und an anderer Stelle neue eingestellt werden.

Genau so stellt sich die Situation im Werk Kassel nach den Worten der ehemaligen Leiharbeiter wohl im Moment dar. Der Personaldienstleister Autovision suche neue Zeitarbeitskräfte für den Standort Baunatal. Offiziell bestätigen will das Werksprecher Heiko Hillwig nicht. Im Internet findet man auf der Seite der Autovision aber die Ausschreibung für das Baunataler Werk. Darin heißt es: „Dieses Stellenangebot wird von der betreuenden Niederlassung Kassel ab voraussichtlich dem 1. Juli 2022 besetzt.“

Gewundert haben sich auch die Mitglieder eines neuen „Solidaritätskreises Leiharbeiter“, der regelmäßig in Kassel tagt. Für Juli seien von der Autovision Neueinstellungen angekündigt worden, heißt es jetzt auch in einer Mitteilung des Kreises. Es könne ja nicht der Ernst von VW sein, neue Leute einzustellen und die im Februar nicht verlängerten Kollegen nicht zu berücksichtigen. Die Forderung: Bei Neueinstellungen müssten diese gut eingearbeiteten Kollegen als erstes berücksichtigt werden.

Werksprecher Hillwig sagt allgemein: „Das Jahr 2022 bleibt aufgrund der weiterhin anhaltenden Rahmenbedingungen unbeständig.“ Infolge dessen passe der Konzern das Produktionsprogramm kontinuierlich an.

Laut Solidaritätskreis-Sprecherin Karin Puppel hat es bislang vier Treffen des Gremiums gegeben. Sie sagt: „Unser Anliegen ist die unbefristete Einstellung aller Kollegen der Autovision und derjenigen, die im Februar nicht verlängert wurden.“ (Sven Kühling)

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