"Ohne uns, würden hier keine Getriebe gebaut“

Ferientage im VW-Werk: Mitarbeiter der Werktechnik halten die Fabrik am Laufen

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Sie arbeiten an den Feiertagen: Frank Weißenborn (vorne), Mirko May (hinten von links), Michael Becker, Robert Weiß, Achim Krause, Helmut Gröschel und Julian Gottschalk. Vom Leitstand der Werktechnik haben sie alle technischen Anlagen im Blick.

Auch an Weihnachten herrscht im Baunataler VW-Werk kein Stillstand. Ein Blick hinter die Kulissen.

  • Während der Ferientage hält die VW-Werktechnik alles am Laufen.
  • 60 Mitarbeiter kümmern sich um die 3,4 Millionen Quadratmeter Fläche des VW Werks Kassel in Baunatal.
  • Gearbeitet wird in der Werktechnik 365 Tage im Jahr.

Allein die Gesamtlänge aller Heizungsrohre schätzen die Mitarbeiter der Werktechnik im Baunataler VW-Werk auf über 20 Kilometer. Dazu kommen noch viele Kilometer Leitungen etwa für Wasser und Druckluft.

Manche Rohre sind so alt wie das VW-Werk selbst - über 60 Jahre

Wie lang die zusammen sind, sagt Mitarbeiter Thomas Vaupel, „das weiß keiner so genau, weil wir verschiedene Systeme haben“. Und außerdem sind die Rohrstrecken teilweise über 60 Jahre alt – so alt wie die Fabrik selbst. Da gibt es nicht über jeden Meter Leitung Aufzeichnungen.

Die Mitarbeiter der Werktechnik kümmern sich um die Hauptschlagadern der Fabrik

Versorgungsleitungen unter der Decke: Meister Megdi Tafoski muss mit seinen Leuten die Versorgung des VW-Werks mit Trinkwasser, Kühlwasser, Druckluft und Heizungswärme im Blick haben. Hier steht er im Kellergeschoss der Halle 1. 

Meister Megdi Tafoski, der mit seinen 59 Kollegen den Überblick über die Rohre, Ventile, Kompressoren, Schaltkästen und Heizungsanlagen auf den 3,4 Millionen Quadratmetern Fläche der Fabrik behalten muss, hebt die Bedeutung der Arbeit seiner Truppe hervor: Ohne die drei Medien Trinkwasser, Kühlwasser und Druckluft laufe kaum etwas, sagt er. „Das sind die Hauptschlagadern der Fabrik.“ Das Team arbeite 365 Tage im Jahr rund um die Uhr, erläutert er. „Und natürlich jetzt auch an den Feiertagen.“

Wenn ein Fehler an den Versorgungsleitungen auftritt, dann rücken die Leute der Werktechnik zu der Schadenstelle aus. Heizungsbauer, Gas-Wasser-Installateure, Elektriker, Industriemechaniker, Mess- und Regeltechniker sowie Mechatroniker sind mit dabei, darunter auch drei Frauen.

Unterstützt werden die Mitarbeiter von modernster Technik

Unterstützt wird die Abteilung von der Instandhaltung im VW-Werk sowie von moderner Technik. Wenn etwa ein Kompressor ausfällt oder der Wasserdruck aus einem der sechs VW-eigenen Tiefbrunnen nachlässt, dann bekommen die Techniker das sofort auf Monitoren im Leitstand angezeigt. 

Auch wenn aus einem Tank mal eine Flüssigkeit in eine Sicherheitswanne auslaufe, werde das über Sensoren an den Leitstand gemeldet, erklärt Frank Weißenborn. „Das kann ich hier abrufen“, sagt er und deutet auf die Computer. Die Leitstelle sei rund um die Uhr mit mindestens einem Mitarbeiter besetzt. Und wie ist es, auch an Feiertagen – wenn andere Arbeitnehmer freihaben – Dienst zu schieben? „Es ist, wie es ist“, sagt Weißenborn knapp und verknüpft seine Worte mit einem freundlichen Lächeln. „Ein Feiertag ist ein Regelarbeitstag.“

Bei einer Fehlersuche müssen viele Daten analysiert werden

Immer wichtiger wird für die Abteilung das Sammeln und Auswerten von Daten. „Es fallen immer mehr Daten an“, sagt etwa Julian Gottschalk. Der gelernte Elektroniker aus Fuldabrück-Bergshausen hat die Analyse aus den Messwerten zu seinem Spezialgebiet gemacht. „Damit wollen wir die Fehlersuche verbessern“, sagt er. 

„Daraus können wir beispielsweise ablesen, ob neue Maschinen angeschafft werden müssen“, ergänzt Megdi Tafoski. Auch eine kleine Leckage verursache möglicherweise hohe Kosten. Seine Mitarbeiter seien mit kleinen Computern in den Hallen unterwegs um die Daten der Maschinen einzusammeln. 

Wie wichtig die Werktechnik für den Standort ist, beschreibt Julian Gottschalk so: „Wenn es uns nicht gäbe, würden hier keine Getriebe gebaut“, sagt der 39-Jährige. „Das Wichtigste ist, dass wir die Anlagen am Laufen halten.“ 

Im VW-Werk Kassel in Baunatal werden auch die E-Motoren sowie wichtige Bau- und Karosserieteile für den neuen ID.3 produziert, der seit Anfang November im Werk zwickau gefertigt wird.

VW-Mitarbeiter ohne Handy-Empfang: Seine kranken Eltern können ihn nicht erreichen.

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