Sie arbeiten jetzt in der „neuen Welt“

Der neue ID.3 von VW: Bis zu 500.000 E-Antriebe kommen jährlich aus Baunatal

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Mechanik trifft auf Elektronik: Bianca Pohl verbindet den E-Motor mit dem Getriebe an einer Station in der Fertigung in der Halle 1. Die 30-Jährige aus Fritzlar wird an drei Stationen eingesetzt. Sie ist seit 2005 bei Volkswagen in Baunatal. Das alles sei spannend, sagt sie, „wenn das jetzt so ins Rollen kommt“.

Der neue ID.3 von Volkswagen - Mitarbeiter im VW-Werk Kassel in Baunatal zeigen, was sie für das Elektroauto bauen. Vom E-Motor über Karosserieteile bis zum Eingang-Getriebe.

Zur Betriebsversammlung am 3. Dezember werden die rund 17.000 Mitarbeiter im VW-Werk Kassel in Baunatal vielleicht zum ersten Mal die Möglichkeit haben, den neuen Elektro-Star von Volkswagen, den ID.3, anzufassen und aus nächster Nähe zu erleben. Nach Informationen der HNA bemühen sich Betriebsrat und Werkmanagement gleichermaßen um eines der Modelle, das seit zwei Wochen in Zwickau in Serie vom Band läuft.

Das Interesse an einem Ausstellungsstück dürfte besonders groß sein. Schließlich bauen die Baunataler maßgebliche Teile für das Auto – allem voran den 205 PS-starken Elektromotor. Auch das Eingang-Getriebe und tragende Karosserieteile kommen aus Nordhessen. Wir zeigen an dieser Stelle Beschäftigte und ihren Anteil am ID.3.

1000 VW-Mitarbeiter in Baunatal arbeiten für den neuen  ID.3

1000 Frauen und Männer arbeiten bei voller Auslastung an der Plattform für die ID-Modelle, zu der auch der Antrieb gehört. Der ist laut VW so kompakt, dass er „in eine Sporttasche“ passt. Bis zu 500.000 Einheiten sollen pro Jahr hergestellt und per Bahn und Lastwagen zur Montage nach Zwickau geschickt werden. 

Noch vor einem Jahr war die Fläche in der Halle 1 für die ID-Produktion nahezu leer und einfach weiß. Durch von der Decke hängende weiße Planen konnte man im Vorbeigehen mal einen Blick erhaschen auf „die neue Welt“. So bezeichneten Mitarbeiter den Bereich nämlich gerne.

VW: Halle für die ID.3-Produktion - "Eine neue Welt" in Baunatal

Heute ist dort moderne Technik zu finden. Viel laufe automatisiert, sagen die Beschäftigten. "Wir fassen einige Bauteile gar nicht mehr an", erklärt ein Meister. Unter anderem wird ein völlig neues System selbstfahrender Transporter vorbereitet. Teile für die Produktion des E-Motors werden automatisch bei der Logistik nachbestellt und von den Mini-Fahrzeugen computergesteuert angeliefert. Die suchen sich die Wege in den langen Gängen selbst, brauchen noch nicht mal mehr Magnetstreifen im Boden, an denen sie entlangrollen. Es scheint so: VW Kassel in Baunatal hat jetzt wirklich ein Stück neue Welt.

VW in Baunatal: Diese Teile für den ID.3 werden hier gebaut:

  • E-Motor: Bis zu 1800 Motoren für den ID.3 sollen laut Meister Patrick Kaminski bei voller Auslastung die Halle 1 täglich verlassen. Jeder E-Motor wird nach dem Zusammenbau auf Prüfständen auf alle Funktionen getestet – etwa auf Elektronität und auf Geräusche. „Alle Wicklungen und alle Widerstände werden überprüft“, sagt der Experte. 
  • Einganggetriebe: Christopher Weber (30, links) aus Rengershausen und Edgar Schubert (58) aus Besse fertigen die Zahnräder für das Einganggetriebe des Antriebes. Weber hat zunächst eine Lehre als Industriemechaniker im Baunataler Werk absolviert. Dann hat er studiert und ist jetzt fertiger Ingenieur. Edgar Schubert (58) ist seit 1981 bei VW. Das Getriebe müsse sehr viel aushalten, sagen sie. Schließlich wirke bei dem Motor ein Drehmoment von 310 Newtonmetern. 16.000 Umdrehungen pro Minute sind möglich.
  • Zwischengehäuse aus der Gießerei: Grigoriy Anastasiu (35) verpackt den kompletten Antrieb nach der Montage. Zu der Einheit gehört auch ein Zwischengehäuse, das aus der Gießerei im Werk Kassel kommt. An der Antriebstechnik sind mehrere Standorte des VW-Konzerns beteiligt. Rotor und Stator werden beispielsweise in Salzgitter gefertigt. Zusammengebaut wird schließlich alles in Nordhessen. Von hier aus geht es dann per Bahn und Lkw ins Fahrzeugwerk nach Zwickau.
  • Pressteile: Eine ganze Reihe von Pressteilen für den ID werden im Karosseriebau in Baunatal geformt. Nicole Halberstadt hält hier beispielsweise einen Tunnel in den Händen. Darunter werden im Fahrzeug Leitungen versteckt. Oben drauf – im Innenraum des ID – gibt es dann einen Kaffeebecherhalter, eine Handy-Ladestation und ein Ablagefach. Die 38-Jährige aus Habichtswald arbeitet als Elektroinstandhalterin an den Maschinen. Im Hintergrund sind einige der Roboter zu sehen, die zum Bau der Karosserieteile für den ID.3 eingesetzt werden.

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