Entscheidung fällt im Herbst

Zittern um über 500 Leiharbeiter-Stellen bei VW in Baunatal

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Wie geht es für die Leiharbeiter weiter? Bereits während der jüngsten Betriebsversammlung im Juni wurde über die Zukunft der Jobs diskutiert. Damals war noch von 563 Jobs die Rede, die in Gefahr seien. 

Für über 500 Leiharbeiter im VW-Werk Kassel in Baunatal wird der Herbst zur Zitterpartie. Die Verträge laufen nach Angaben von Betriebsratschef Carsten Bätzold zum 31. Januar aus.

Wie es für die Zeitarbeiter möglicherweise doch ab Februar 2020 bei Volkswagen weitergeht, das werde sich im Herbst entscheiden, sagt Bätzold auf Anfrage der HNA. Die Gespräche zwischen Betriebsrat und Volkswagen-Management liefen.

Das bestätigt auch Werksprecher Heiko Hillwig. Hillwig spricht von insgesamt 547 Zeitarbeitsplätzen. „Im vierten Quartal wird anhand der aktuellen Programmplanung sowie in Abstimmung mit anderen Werken der Konzern Komponente und von Volkswagen Pkw über das weitere personelle Vorgehen beraten“, sagt Hillwig.

Der Werksprecher hält es für möglich, dass Mitarbeiter von schwächer ausgelasteten VW-Standorten zu stärker ausgelasteten verschoben werden. Er spricht von dem „Emdener Modell“. Anfang 2019 hatte das Baunataler Werk nämlich 100 Kollegen mit befristeten Verträgen vom Werk Emden auf feste Stellen übernommen. Hillwig: Bei weiteren Überlegungen sei das „Emdener Modell“ eine vorrangige Lösung für Personalverschiebungen. „Hierbei können Mitarbeiter – teilweise auch aus befristeten Arbeitsverhältnissen kommend – an anderen Standorten mit erhöhtem Personalbedarf unbefristet eingesetzt werden.“

Ein Teilerfolg

Der Betriebsrat in Baunatal verbuchte bei Verhandlungen zur Zukunft von Leiharbeitern noch vor der Sommerpause einen Teilerfolg. 100 Leiharbeiterverträge, die schon zum 31. August ausgelaufen wären, seien ebenfalls bis 31. Januar verlängert worden, berichtet Carsten Bätzold. Für diese Kollegen habe man sich damit etwas Zeit erkauft. Das Vorhaben des Vorstandes zum Abmelden der 100 Mitarbeiter habe sich nicht durchgesetzt.

Betriebsratschef in Baunatal: Carsten Bätzold

Dem Vernehmen nach ist es insgesamt ein zähes Ringen zwischen VW-Vorstand und Betriebsrat um die Zukunft der Leiharbeiter-Jobs. In die Gespräche eingebunden ist offenbar ein alter Bekannter aus Baunatal – der ehemalige Leiter des Standortes, Thorsten Jablonski. Dieser verantwortet seit November 2018 das neu geschaffene Konzern-Geschäftsfeld „Getriebe und E-Antrieb“. Jablonski war seit Januar 2015 Chef in Baunatal. Die Geschäftsfeldleiter agieren auf einer Ebene unterhalb des VW-Vorstandes. Die Frage ist, ob das den Baunatalern eher nützt? Oder muss Jablonski, der natürlich alle Zahlen und Entwicklungen seiner ehemaligen Wirkungsstätte kennt, in seiner neuen Funktion der Vorstandslinie zum Abbau von Leiharbeiterstellen folgen?

Geschäftsfeldleiter E-Antrieb: Thorsten Jablonski

Betriebsratsvorsitzender Bätzold: „Es wird schwer“

Betriebsratsvorsitzender Carsten Bätzold will jedenfalls keine Prognose zu einem Ergebnis der Gespräche abgeben. Möglicherweise erreiche man zunächst nur die Verlängerung von einem Teil der Zeitarbeitsplätze. „Es wird schwer“, sagt er. Das vermutet auch dessen Stellvertreterin Ulrike Jakob, die auch im Aufsichtsrat des VW-Konzerns vertreten ist. „2020 wird ein schwieriges Jahr werden“, sagt sie.

Bätzold erinnert zudem an zahlreiche Unwägbarkeiten in der Verhandlungsphase. Wie etwa das Kundeninteresse an den neuen, rein elektrischen ID-Modellen und den Start des Golf 8.

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