Beschäftigte bekommen festen Arbeitsplatz im Getriebebau

VW-Werk Kassel hat 100 Mitarbeiter vom Standort Emden übernommen

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Von der Passat-Produktion in den Getriebebau: Maike Freese arbeitet im Werk Kassel in der Montage des DQ 381.

Das VW-Werk Kassel in Baunatal gibt 100 Mitarbeitern aus Emden einen festen Arbeitsplatz. Sie haben sich nach nur einer Woche Bedenkzeit für Nordhessen entschieden.

„Ein Arbeitsvertrag bei Volkswagen bedeutet gute, sichere Arbeit“, sagt Joachim Süssen und bringt damit seine Motivation für den Wechsel vom VW-Werk im ostfriesischen Emden ins Werk Kassel in Baunatal auf den Punkt. „Man ist finanziell abgesichert“, sagt Süssen noch und bekommt nickend Zustimmung von vier weiteren Kollegen aus Emden, die an diesem Gespräch teilnehmen.

Der 46-jährige gelernte Heizungsbauer montierte in Emden bislang den VW Passat, seit 2. Januar ist er Teil des 17.100-Mitarbeiter-Standortes an der Fulda. Insgesamt hat die nordhessische Fabrik 100 Beschäftigte aus der niedersächsischen Passat-Produktion übernommen – „und zwar von befristeten auf feste Arbeitsplätze“, wie Baunatals Personalleiter Dr. Stefan Kreher und Betriebsratschef Carsten Bätzold zu dem Personalwechsel erläuterten. „Es ist uns wichtig, dass das nicht zulasten derjenigen geht, die hier sind, betonte Bätzold weiter. „Wir haben Arbeit für alle.“ Die Verantwortlichen verweisen auf den immer noch boomenden Getriebebau, in dem auch die meisten Niedersachsen untergekommen sind.

Dieser Beitrag stammt von der Video-Plattform Glomex und wurde nicht von HNA.de erstellt.

VW in Kassel statt Porsche in Stuttgart

500 Emdener VW-Werker mussten sich im Herbst schnell für einen Wechsel, etwa nach Kassel oder zu Porsche in Stuttgart, entscheiden. Letztendlich habe es nur eine Woche Bedenkzeit gegeben, bestätigt Christine Kuhlmeyer, Sprecherin des Personalvorstandes in Wolfsburg.

Auch sie habe zunächst Stuttgart im Kopf gehabt, gibt die 29-jährige Maike Freese zu. Und Kollege Christian Pause (31) ergänzt: „Wir haben auch mit der Familie diskutiert, irgendwann haben wir gesagt, wir probieren es mit Kassel.“ Natürlich vermisse sie die Freunde aus der ostfriesischen Heimat, sagt Freese. „Das soziale Umfeld – das ist das Schlimmste, was man hinter sich lässt.“ Immer wieder fällt im Gespräch mit den Beschäftigten und den Verantwortlichen der Begriff „Mut“. „Dass sich 100 Menschen auf den Weg machen, ist sehr mutig“, sagte etwa Personalchef Kreher.

Der Start im neuen Arbeitsumfeld sei ihnen leicht gemacht worden, berichten die Emdener Kollegen einhellig. „Wir wurden von allen gut aufgenommen und integriert“, so Christian Pause. Bei der Wohnungssuche und der Freizeitgestaltung beispielsweise seien sie von den nordhessischen Mitarbeitern freundlich unterstützt worden. Freese hat sich hier schon im Fitnessstudio angemeldet. „Und beim Eishockey waren wir auch schon. Das haben wir ja bei uns in Emden nicht.“ Und überhaupt sei Kassel ja nicht unattraktiv.

Joachim Süssen will auf seine Heimat Ostfriesland allerdings noch nicht so schnell komplett verzichten. „Ich pendele jedes zweite Wochenende“, erläutert der Vater von drei Kindern. „Wenn man schnell ist, ist man in dreieinhalb Stunden da.“ In Schauenburg-Elgershausen habe er bereits eine Wohnung gefunden. „Da bin ich sogar schneller am Arbeitsplatz als in Emden“, sagt der 46-Jährige.

Und dann kommen die Neu-Baunataler doch noch mal auf ihre Heimat zu sprechen. Ob sie denn die Nordsee vermissen, lautet eine Frage an sie. Die Antwort kommt schnell und von allen gleichermaßen deutlich: „Ja, die vermissen wir sehr!“

Das VW-Werk in Emden

Das 1964 in Emden gegründete VW-Werk hat heute über 8000 Mitarbeiter. Zunächst wurde an dem ostfriesischen Standort auch der Käfer gebaut. Volkswagen nutzte den westlichsten Hafen Deutschlands zur Verschiffung des Erfolgsmodells nach Übersee. 1977 begann in Emden die Produktion des VW-Passats, der bis heute dort auch als Kombi gefertigt wird. 

Der letzte Emdener Käfer rollte 1978 vom Band. Zuletzt gesellte sich zur Emdener Produkt-Familie 2016 der VW Arteon als Nachfolger des VW CC hinzu. Die Belegschaft, die wegen Absatzschwierigkeiten beim Passat 2018 rund 20 Tage auf Kurzarbeit gesetzt war, hat zunehmend Sorgen, dass der steigende Verkauf von SUV-Modellen der Passat-Produktion das Wasser abgräbt.

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Kommentare

Ägäis
(1)(0)

Herzlich Willkommen Emdener.
Sie werden sich bedtimmt schon einleben.
Im Vergleich zu Emden ist Kassel eine Großstadt mit sehr vielen Möglichkeiten.
Diese Aktion gab es damals schon mit den Hannoveranern und die sind alle heimisch geworden.

Es wird Zeit dass die Volkswagen Kernmarke einen SUV im Passat Segment konstruiert und eventuell in Emden oder Hannover baut.
Wie zB der Q5 bei der Tochter Audi.
Ansonsten bluten die Fahrzeug bauemden Werke in Deutschland aus.

Leider macht sich Volkswagen selbst sehr viel unnötige Konkurenz durch die Skoda und Seat SUV.

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