Nicht nur Produktion ändert sich

Nachdenken über neue Arbeitszeit-Variante: VW-Schichtmodell auf dem Abstellgleis?

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Sie sind mit dabei: Niklas Kühne (links) und Michael Frey testen neue Arbeitszeit-Modelle. Sie produzieren in der Halle 1 den neuen Elektroantrieb für den VW ID.3. 

Mit dem Umbruch vom Verbrennungsmotor hin zum E-Antrieb verändert sich im VW-Werk Kassel in Baunatal nicht nur die Produktion. Auch die Arbeit selbst ändert sich.

Das Werkmanagement denkt parallel zu dem Wandel über neue Arbeitszeitmodelle nach. Die starren Schichtmodelle von der Früh- bis zur Nachtschicht könnten schon bald der Vergangenheit angehören.

Ziel ist es, dass die Beschäftigten künftig nicht mehr an feste Schichten gebunden sind, sondern ihre Arbeitszeiten nach eigenen Wünschen und Bedürfnissen gestalten können. Denkbar sei, so erläutert Personalchef Dr. Stefan Kreher, „dass man sich über eine App in eine Schicht einwählt“.

Variante wird pilothaft ausprobiert

„Wir werden das pilothaft probieren“, ergänzt Werner Seitz, der als Projektleiter den Aufbau der Produktionslinien für die Fertigung der neuen E-Antriebe verantwortet. Untersucht werde auch, ob Mitarbeiter in den Randbereichen der Produktion nicht von Zuhause aus arbeiten können. „Das gab es bisher noch nicht“, betont Kreher.

Das, was bislang nicht denkbar war, soll zunächst in der Fertigung der neuen E-Antriebe getestet werden. Von Anfang an, berichtet Werner Seitz, habe man ältere und jüngere Mitarbeiter mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen und Vorstellungen in den Prozess eingebunden.

„Wie können wir die Nachtarbeit so gestalten, dass die Belastung geringer wird?“, nennt der Projektleiter eine der wichtigen Fragen. So könnte es beispielsweise möglich werden, „dass ein Kollege die Nachtschicht von einem anderen auch mal übernehme. „Wir müssen die Menschen fragen, die betroffen sind“, ergänzt Michaela Schneider, die im Werk Baunatal für das Thema Diversity (Vielfalt) zuständig ist.

"Elektromobiliät ist ein Riesenschritt"

Für manchen Mitarbeiter ist das Gefragtwerden in diesen Bereichen eine neue Erfahrung. „Es ist anders als sonst die Jahre“, sagt etwa Michael Frey, der vom Getriebebau in die Produktion der E-Antriebe wechselt. Seit 1997 hatte Frey in der Fertigung von Handschaltgetrieben gearbeitet. „Ich möchte nicht abgehängt werden“, nennt der 52-Jährige seine Motivation für den freiwilligen Wechsel.

„Die Elektromobilität ist ein Riesenschritt“, sagt Kollege Niklas Kühne, der während seines Mechatronik-Studiums im VW-Werk arbeitet. Drei Tage Arbeit in der Halle 1, den Rest der Woche an der Uni – so lautet das Arbeitszeitmodell des 30-Jährigen. Frey und Kühne stehen mit ihrem Altersunterschied für einen weiteren Baustein des Projektes. „Jung und Alt lernen voneinander“, so formuliert es Michaela Schneider.

Letztendlich werden rund 200 Frauen und Männer in der neuen Antriebstechnik bei VW in Baunatal arbeiten. „Es ist bunt gemischt“, sagt Michael Frey. Der 52-Jährige berichtet ferner, dass die Möglichkeit, sich die Arbeitszeit selbst zu gestalten, für Motivation unter den Beschäftigten sorgt. „Die Menschen sind zufrieden, wenn man wertschätzend mit ihnen umgeht“, sagt er.

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