Unternehmen spricht von guter Auftragslage – 600 Leiharbeiter eingestellt

VW-Werk Kassel trotzt der Krise

Die E-Motorenfertigung läuft inzwischen auf Hochtouren: Hier prüft Instandhalterin Dorothea Schwalm eine Produktionsanlage in der Halle 1 des Kasseler VW-Werkes.
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Die E-Motorenfertigung läuft inzwischen auf Hochtouren: Hier prüft Instandhalterin Dorothea Schwalm eine Produktionsanlage in der Halle 1 des Kasseler VW-Werkes.

Das VW-Werk Kassel in Baunatal steckt mitten im Umbruch von der Verbrennungstechnik hin zum Elektroantrieb. Der Kraftakt der Transformation gelingt gut – trotz Corona-Pandemie. Die Fabrik ist voll ausgelastet. Das ist das Fazit von Betriebsrat und Werkleitung bei einem Pressegespräch am Dienstag zur Situation des Standortes.

Kassel/Baunatal - Die Auftragslage im Baunataler Werk sei so gut, dass in diesem Jahr 600 neue Leiharbeiter eingestellt worden seien, berichteten Betriebsratsvorsitzender Carsten Bätzold und Werkleiter Olaf Korzinovski. Die Verantwortlichen informierten mit diesem Termin als Ausgleich für die übliche Gesprächsrunde zur Betriebsversammlung im Winter.

„Trotzdem wird es mittelfristig durch die Digitalisierung, durch weitere Automatisierung und nicht zuletzt durch sinkende Aufträge an klassischen Verbrennern zu einem Rückgang der Beschäftigung kommen“, sagte Bätzold, der mit seinen Betriebsratskollegen die 17 000 Beschäftigten aufgrund von Corona schon in den vergangenen Wochen über Videobotschaften auf dem Laufenden gehalten hatte.

Das Werk sei bislang positiv durch die Coronakrise gekommen, unterstrich Olaf Korzinovski. „Das haben wir schon gut gemacht.“ Und: „Gestärkt aus dieser Zeit zu kommen, das ist unser Ziel.“

Die Produktionszahlen bewegen sich laut Werkleiter mittlerweile fast wieder auf dem Niveau von 2019. Für 2021 solle das Vorjahresniveau dann überschritten werden. Gefragt sind derzeit nicht nur die modernen Produkte aus dem Werk in Baunatal wie die Elektromotoren für die Modelle ID.3 und ID.4, sondern genauso die für zahlreiche Konzernmodelle gefertigten Direktschaltgetriebe. „Da haben wir eine höhere Nachfrage als gedacht“, erläuterte Personalchef Stefan Kreher. „Das läuft wie geschnitten Brot“, so Bätzold.

Und nimmt das Werk etwas aus der Coronazeit mit für die Zukunft? Man nehme die Coronakrise als Chance, als einen Push, betonte Korzinovski.

Betriebsratsvorsitzender Bätzold mahnte an, dass die Zeit nach Corona „neue Regeln“ brauche. So gebe es durchaus Nachteile des mobilen Arbeitens. Es dürfe nicht dazu kommen, „dass Büroflächen eingespart werden“, sagte er. Unter anderem habe sich aus der Lage ergeben, dass die Menschen nicht nur ihre Bildschirme mit nach Hause nähmen, „sondern damit auch ständig erreichbar sein müssen“.

Außerdem drohe eine Zweiklassengesellschaft, so Bätzold. „Die Menschen, die Getriebe bauen, können ihre Arbeit nicht mit nach Hause nehmen.“ Bätzolds Fazit: Es gibt einen deutlichen Regelungsbedarf.“ Aktuell, so Bätzold, gebe es am Standort Baunatal aber keinen Grund, Angst um den Job zu haben. Fragen danach müsse man eindeutig mit „Nein“ beantworten.“ (Sven Kühling)

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