Fragen und Antworten

„Wir brauchen Hoffnungsschimmer“ -KSV-Baunatal will Teilöffnung ab Mitte März

So könnte es nach dem Wunsch des KSV Baunatal bald wieder aussehen: Der Verein hofft auf einen Neustart des Sportprogramms in Teilen ab Mitte März. Das Bild an der KSV Sportwelt in Altenbauna entstand beim Yoga-Sommer 2017.
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So könnte es nach dem Wunsch des KSV Baunatal bald wieder aussehen: Der Verein hofft auf einen Neustart des Sportprogramms in Teilen ab Mitte März. Das Bild an der KSV Sportwelt in Altenbauna entstand beim Yoga-Sommer 2017.

Corona setzt den Sportvereinen heftig zu. Wegen der Pandemie ist der Breitensport nahezu zum Erliegen gekommen.

Baunatal - Auch soziale Komponenten wie Inklusionssport, Rehasport und Gesundheitssport sind massiv eingeschränkt. Der KSV Baunatal als größter Sportverein der Region mit über 7000 Mitgliedern hat mit einem drastischen Mitgliederrückgang zu kämpfen. In diesem Fragen und Antworten äußert sich KSV-Vorstandschef Timo Gerhold.

Warum ringen vor allem die großen Sportvereine mit den Folgen von Corona?
Die großen Sportvereine leiden am meisten unter der Pandemie und dem Lockdown. Sie bieten ihren Mitgliedern beispielsweise neben den traditionellen Sportarten auch Fitnesskurse und ein Fitnessstudio an – wie der KSV Baunatal in seiner KSV Sportwelt in Altenbauna. „Wir werden eher als Dienstleister wahrgenommen“, sagt Timo Gerhold. Teilweise fehle deshalb die ganz enge Verbundenheit wie bei kleineren Dorfvereinen. Er könne die Mitglieder, die austreten, sogar teilweise verstehen, sagt Gerhold. Schließlich seien die Beiträge im Fitnessbereich nicht gerade günstig. Und das Angebot sei schließlich schon seit Monaten dicht.
Wie viele Mitglieder haben gekündigt?
Laut Gerhold verzeichnete der KSV Baunatal von Januar 2020 bis Januar 2021 insgesamt 700 Austritte. Besonders betroffen seien Fitness--, Reha- und Gesundheitssport.
Wer noch?
Auch die Schwimmabteilung des KSV Baunatal ist geschrumpft. Nach Angaben des Vorstandes ist das eng verbunden mit der Schließung des Sportbades ab Herbst.
Wer sind die Leidtragenden?
Betroffen seien vor allem Kinder und Jugendliche, betont Gerhold. Normalerweise schwimmen allein 300 Jungen und Mädchen in der Aqua-Kinder-Sportschule (KISS). Auch die Wassergewöhnung für Babys sei weggefallen. „Und die Seepferdchen-Kurse und Inklusionsgruppen fallen aus.“ Laut Vorstand hat der Verein allein 200 Kinder auf einer Warteliste stehen. Man wisse nicht, wenn die Bäder wieder geöffnet würden, wie man den jetzt anfallenden Stau und die jetzt entstehenden Ausfälle überhaupt einmal wieder ausgleichen könne. Insgesamt betroffen von nicht-stattfindenen Schwimmkursen seien 500 Kinder im Vorschulalter, sagt Gerhold.
Gibt es einen Hoffnungsschimmer?
„Wir sind relativ schlagkräftig bei einem Neustart“, sagt der Vorstandsvorsitzende des KSV. „Wir planen jetzt schon die Wiedereröffnung des Rehasports ab dem 15. März.“ Diese Sparte dürfte nach den Verordnungen sogar jetzt schon trainieren. „Das haben wir aber bisher aus Vernunftsgründen gelassen.“
Und wann geht es wieder so richtig los?
Gerhold: „Wir hoffen darauf, ab Mitte März mit einem eingeschränkten Angebot wieder mit dem Sport starten zu dürfen.“ Die Menschen bräuchten diese Perspektive, sagt er weiter. „Wir brauchen diesen Hoffnungsschimmer.“ Viele Bereiche könne der Verein in wenigen Tagen wieder hochfahren, erläutert der Vorstand. Den Lockdown habe man zumindest für Renovierung und Reinigung in großem Stil genutzt. „Die Hygienekonzepte liegen in der Schublade.“ Auf jeden Fall wolle man in der ersten Zeit mit vielen Angeboten erstmal nach draußen gehen.
Zurück zu den Kindern und Jugendlichen. Es werden immer mehr Stimmen laut, dass diese durch die lange Lockdown-Zeit bleibende Schäden erleiden. Sieht das der KSV auch so?
„Ja, die psychosozialen Auswirkung machen uns Sorgen“, betont Gerhold. Der Nachwuchs sei besonders betroffen, aber Ältere auch. Professor Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln habe kürzlich einen treffenden Satz gesagt, so Gerhold: „Wir produzieren jetzt die Kranken der Zukunft.“
Wie reagiert der KSV auf diese Befürchtungen?
Der Verein habe zumindest das Online-Angebot für Kinder und Jugendliche deutlich ausgebaut – immer mehr auch in den Fachabteilungen. „Die Videos stellen wir zugleich Kitas und Schulen zur Verfügung.“ Ob gleich wieder Wettkampfbetrieb nach Lockerungen stattfinden müsse, „das sei dahingestellt“, betont Gerhold. „Es geht in erster Linie um den Verein als soziale Heimat.“
Was sind die langfristigen Folgen für den KSV Baunatal?
Schon aus wirtschaftlichen Aspekten heraus müsse der Verein derzeit alle Angebote auf den Prüfstand stellen, sagt der Vorstandschef. Alle fest angestellten Mitarbeiter der Zentrale seien weiterhin in Kurzarbeit. Und: Bisher habe der KSV noch keinen einzigen Cent aus irgend einem Fördertopf bekommen. „Wir laufen Gefahr, dass viel kaputt geht“, so Gerhold weiter. Als Beispiel nennt der Vereinschef den Inklusionssport, den vom KSV und der Baunataler Diakonie Kassel (bdks) initiierten Sportcampus. „Da bieten wir allein 200 Stunden Sport pro Woche an. Unser Mietvertrag im Sportcampus endet am 30. Juni. Das droht wegzubrechen.“ (Sven Kühling)

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