Stadt Baunatal will neuen Betreiber für städtische Infrastruktur

Baunatal: Grüne kritisieren Wirrwarr um Ladesäulen

Laden in der Stadt: In Baunatal wird dauerhaft über die öffentliche Ladeinfrastruktur diskutiert.
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Laden in der Stadt: In Baunatal wird dauerhaft über die öffentliche Ladeinfrastruktur diskutiert.

Die Zulassungszahlen bei Elektroautos und Hybridfahrzeugen steigen bundesweit: Immer mehr Stromer sind im öffentlichen Straßenbild zu sehen. Baunatals Grüne machen sich daher erneut Sorgen um den Zustand des öffentlichen Ladenetzes in der Stadt.

Baunatal – Fakt ist: Einige Säulen waren über Monate defekt. Beispielsweise an der Shell-Station in der Innenstadt, am Aqua-Park und an der Verwaltungsaußenstelle in Rengershausen. Für alle soll jetzt ein einheitliches Bezahlsystem und ein neuer Betreiber kommen. Das kündigt das Rathaus an.

Die Situation ist aktuell diffus. Offenbar ist das Zusammenspiel von Rathaus als Eigentümer und Betreiber der Säulen sowie dem Energieversorger EAM, der mit der Stadt einen Wartungsvertrag für die Anlagen hat, sowie dem Hersteller der meisten Säulen, dem Bad Emstaler Unternehmen Plug ’n Charge, sehr undurchsichtig. Die Beteiligten, so auch der Eindruck der Grünen, schieben sich die Verantwortung für die Misere in der öffentlichen Ladeinfrastruktur gegenseitig zu.

Grüne sind enttäuscht

Ladestationen an der Shell-Tankstelle in der City und an der Verwaltungsaußenstelle Rengershausen seien nach Defekten inzwischen abgeschaltet worden, kritisiert Grünen-Fraktionschef Edmund Borschel. Hier hatte Erster Stadtrat Daniel Jung (SPD) schon vor Monaten auf eine Frage Borschels im Parlament geantwortet, dass die Stadt auf Ersatz warte.

Borschel berichtet ferner, dass ebenfalls über Wochen zwei von drei Säulen am Aqua-Park nicht nutzbar gewesen seien. Immer mehr Elektroautofahrer stünden ratlos davor. Sein Fazit: „Ich bin bitter enttäuscht.“

Stadt inzwischen aktiv

Laut Stadtsprecherin Susanne Bräutigam ist jüngst Bewegung in die Angelegenheit gekommen. Zwei der drei Ladestationen am Aqua-Park seien nun repariert, sagt sie. Auch die dritte Säule werde noch instandgesetzt. „Was defekt ist, ist zur Reparatur.“ Außerdem kündigt Bräutigam für die zweite Jahreshälfte den Abschluss eines neuen Betreibervertrages an. „Das komplette Ladesystem soll unter einen Hut gestellt werden.“

EAM wartet Anlagen

Auch die EAM bestätigt auf Anfrage eine Verbesserung der Situation. „Im Falle der defekten Ladesäulen am Aqua-Park und am Cineplex in Baunatal wurde die EAM mit der Reparatur beauftragt“, sagt Sprecher Steffen Schulze. „Eine der Säulen am Aqua-Park konnte bereits in der vergangenen Woche repariert werden, bei den anderen Säulen warten wir derzeit noch auf die Lieferung der notwendigen Ersatzteile. Darauf haben wir zeitlich leider keinen Einfluss“, erläutert der Sprecher. Sobald die Teile geliefert werden, werde die EAM auch die übrigen Ladesäulen am Schwimmbad und am Kino reparieren.

Hersteller unzufrieden

Christian Kahl vom Hersteller der Ladesäulen „Plug ’n Charge“ in Bad Emstal sieht die Stadt Baunatal als Betreiber und Eigentümer besonders in der Pflicht. Schließlich habe diese mit der EAM einen Wartungsvertrag abgeschlossen und einen entsprechenden Vertrag mit dem Hersteller selbst abgelehnt. Beide – EAM und Rathaus – kümmerten sich aber nicht sonderlich um die Anlagen, sagt Kahl. „Sie brauchen einen Kümmerer“, betont er.

Seine Mitarbeiter hätten sich die Anlagen angeschaut und der EAM mitgeteilt, was zu reparieren sei, so Kahl. Seine Firma habe aber nicht die rechtliche Handhabe, eigenmächtig zu reparieren.

Wenn die Säulen längere Zeit defekt seien, „dann fällt das auf uns zurück“, so der Geschäftsführer weiter. „Für uns ist das unangenehm.“

Vorzeigekommune

Besonders unzufrieden ist die Grünen-Fraktion, weil Baunatal mal Vorzeigekommune in Nordhessen bei der Einrichtung kommunaler Ladeinfrastruktur war. Anfang 2017 gab es für die Zusammenarbeit der Kommunen Baunatal, Borken und Reinhardshagen im Bereich E-Mobilität sogar eine Bundesförderung über 80 000 Euro. Das in der Folge federführend von Baunatal erarbeitete Konzept zur Installation von öffentlichen Ladestationen sollte später von anderen Städten und Gemeinden in der Region kopiert werden können. Borschel sieht die Entwicklung in der VW-Stadt inzwischen unter dem Motto: „Vom Musterknaben zum Armenhaus.“

Und das Rathaus gibt mittlerweile offen zu, die öffentliche Ladeinfrastruktur nicht mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Bürgermeisterin Silke Engler (SPD) hatte das während der jüngsten Haushaltsberatungen angekündigt. Vielmehr finde das Laden von Fahrzeugen meistens am Arbeitsplatz und vor der Haustür der Fahrer statt. (Sven Kühling)

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