Corona-Demos im Landkreis

Baunatal setzt Zeichen gegen Versammlungen: „Kein Platz für Querdenker“

Um die Rathaustreppe den Impfgegnern nicht unkommentiert zu überlassen, läuft im Fenster der Stadtbücherei eine Präsentation und in den Fenstern hängen Plakate mit dem Hashtag Baunatal impft weiter.
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Um die Rathaustreppe den Impfgegnern nicht unkommentiert zu überlassen, läuft im Fenster der Stadtbücherei eine Präsentation und in den Fenstern hängen Plakate mit dem Hashtag Baunatal impft weiter.

In der Region Kassel kommt es immer häufiger zu sogenannten „Spaziergängen“ von „Querdenkern“ und Corona-Leugnern. Doch die Stadt Baunatal wehrt sich.

Kreis Kassel – Bislang waren Corona-„Spaziergänge“ ein Großstadtphänomen. Seit Dezember versammeln sich Impfgegner und „Querdenker“ auch in kleineren Kommunen im Landkreis - wie am Donnerstag (06.01.022) in Baunatal.

Um 18.15 Uhr wird es dunkel auf dem Baunataler Marktplatz. Die Weihnachtsbeleuchtung ist abgeschaltet. In einem Fenster der Stadtbücherei im Rathaus läuft eine Präsentation. „Was wirklich hilft: Geradeaus denken. Solidarisch sein“, ist dort zu lesen. Und: „61 800 000 Einwohner sind freiwillig geimpft. Das sind die vielen.“ In die Rathausfenster sind Banner gespannt und Plakate geklebt. Darauf steht die Botschaft #Baunatalimpftweiter. Der stille Protest ist eine gemeinsame Initiative der Stadtverwaltung und des Stadtmarketings.

Corona-Demo-Tourismus in Baunatal: Teilnehmer kommen aus Thüringen und Niedersachsen

„Wir beobachten das schon eine ganze Weile, aber jetzt haben wir einen regelrechten Demo-Tourismus“, sagt Bürgermeisterin Manuela Strube (SPD), die das Treiben auf dem Marktplatz aus der Ferne beobachtet. Die wenigsten seien Baunataler. Laut Strube kommen die Teilnehmer aus Kassel, angrenzenden Landkreisen und sogar vereinzelt aus Thüringen und Niedersachsen. Nach HNA-Informationen sind AfD-Politiker und Rechte unter den Demonstranten. In der vergangenen Woche soll unter anderem der umstrittene AfD-Landtagsabgeordnete Gerhard Schenk aus Hersfeld-Rotenburg in Baunatal gewesen sein. Schenk gilt als Impfgegner und Maskenverweigerer, der bundesweit an Versammlungen teilnimmt.

Baunatal: Mehr Zulauf bei Corona-„Spaziergängen“ seit Dezember

Obwohl es Zusammenkünfte von „Querdenkern“ in Baunatal schon seit dem Sommer gibt, hatte die Stadtverwaltung dem Geschehen zunächst wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Gruppe war lange Zeit überschaubar. „Ich habe mit vier Leuten angefangen“, sagt Organisator Toni Abduvaliev, der sich als Toni Steiger vorstellt. Der Niedensteiner meldet seit Juli „Donnerstags-Spaziergänge“ an und steht in Verbindung zu Philipp Kolodziej, dem Organisator vieler Corona-Demos in Kassel.

Kolodziej ist an diesem Abend auch in Baunatal. Er filmt. Großen Zulauf erlebt Toni Abduvaliev erstmalig am Donnerstag vor Weihnachten, als 200 Impfgegner und „Querdenker“ ihm über den Marktplatz und durch die Einkaufspassage folgen. Eine Woche später sind es 300 und an diesem Donnerstag 370 Teilnehmer, die sich vor dem Rathaus versammeln – einige tragen ein Grablicht vor sich her.

Laut Polizei stehen 370 Teilnehmer des „Spaziergangs“ auf dem Baunataler Marktplatz vor dem Rathaus.

Protest mit Corona-Impfaktionen in Baunatal

Eine Gegendemonstration will die Bürgermeisterin nicht organisieren – das sei mit Blick auf die aktuelle Lage und die steigenden Infektionszahlen nicht vertretbar. „Aber wir organisieren weiterhin Impfaktionen zum Beispiel mit den Rotariern und mit der evangelischen Kirche“, sagt Strube und ergänzt: „Wir bleiben sichtbar. In Baunatal ist kein Platz für Querdenker.“

Um 19.35 Uhr ist die Veranstaltung vorbei, früher als angekündigt. Vielleicht liegt es an den eisigen Temperaturen, vielleicht aber auch an der hohen Polizeipräsenz. (Alia Shuhaiber)

Auch im Raum Göttingen kam es zuletzt vermehrt zu Corona-„Spaziergängen“. Ein Verein ruft zur Gegendemonstration auf. Weitere Nachrichten aus der Region erhalten Sie mit unserem Kreis-Kassel-Newsletter.

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