Kontrollen übernimmt der Arbeitsschutz des Regierungspräsidiums

Bemühen um Coronaschutz am Bau im Landkreis Kassel

Auf Baustellen kann der Abstand unter den Mitarbeitern nicht immer eingehalten werden. In solchen Fällen ist die Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter gefragt. Das Foto ist ein Symbolbild.
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Auf Baustellen kann der Abstand unter den Mitarbeitern nicht immer eingehalten werden. In solchen Fällen ist die Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter gefragt. Das Foto ist ein Symbolbild.

In den vergangenen Wochen gehörten Baustellen zum Alltag dazu. Doch halten sich die Baustellenmitarbeiter in der Region immer an die Abstands- und Hygieneregeln?

Kreis Kassel - Einige HNA-Leser berichten, dass sie Gegenteiliges beobachtet haben. Ist Abstand halten auf der Baustelle überhaupt möglich? Das Dezernat Arbeitsschutz des Regierungspräsidiums Kassel (RP) kontrolliert in der Region, ob die Vorschriften eingehalten werden, berichtet Sprecherin Katrin Walmanns. Baustellen würden ausschließlich anlassbezogen, das heißt nach Beschwerden, besichtigt. Derzeit gebe es etwa ein bis zwei Außendiensttage pro Woche und Baukontrolleur. „Außendienste aufgrund coronabedingter Beschwerden waren noch nicht erforderlich“, sagt Walmanns.

Viele Baufirmen hätten ein Hygienekonzept aufgestellt. Für die Umsetzung sei der Unternehmer verantwortlich. „Die Umsetzung erfolgt jedoch nicht in allen Fällen konsequent“, berichtet Walmanns. Wenn solche Zustände bei Kontrollen auffallen, werde vonseiten der RP-Mitarbeiter eingegriffen. Grundsätzlich sei es möglich, Anordnungen gegen Arbeitnehmer zu treffen – das sei noch nicht passiert. Ob die Gefahr, sich als Baustellenmitarbeiter bei der Arbeit anzustecken, größer oder kleiner ist als anderswo, ist laut Walmanns nur schwer einschätzbar.

Anfangs sei die Umsetzung der Coronaregeln schwierig gewesen, vor allem auf Kleinbaustellen, da nicht überall fließendes Wasser, Desinfektionmittel und Masken vorhanden waren, so Andreas Lieberknecht, Geschäftsführer des Verbandes baugewerblicher Unternehmer Hessen: „Inzwischen konnten die Vorgaben der Berufsgenossenschaft und des Arbeitsschutzes weitgehend umgesetzt werden.“

Der Gesundheitsschutz bei den Mitgliedsbetrieben des Verbandes baugewerblicher Unternehmer sei kein Problem – „natürlich gibt es auch schwarze Schafe in der Branche“, fügt Lieberknecht hinzu. Außerdem komme es wie überall vor, dass sich Mitarbeiter nicht an die Regeln halten wollen. Allerdings habe es bei den 350 nordhessischen Betrieben des Verbandes nur vereinzelt Infektionsfälle am Anfang gegeben, zu einem Ausfall ganzer Baustellen oder Betriebe sei es nicht gekommen. Auch nach der Ferienzeit seien lediglich vereinzelt Fälle aufgetreten.

Ein Vorteil ist laut Lieberknecht, dass im Freien gearbeitet wird. Mitarbeiter arbeiteten in festen Kolonnen, mobile Sanitäreinrichtungen würden häufiger gereinigt, ebenso wie Baustellenbüros, und Besprechungen würden teilweise online geführt. Bei bestimmten Arbeitsvorgängen sind Kontakte laut Lieberknecht unvermeidlich – „hier sind die Mitarbeiter aus eigenem Schutz gehalten, eine Maske zu tragen.“

Dass auf Baustellen nicht immer der Mindestabstand eingehalten werden kann, bestätigt Helena Götte vom Bauindustrieverband Hessen-Thürigen. Die Regelung des Bundesarbeitsministeriums besage, dass der Abstand „soweit möglich“ eingehalten werden soll – wenn das nicht der Fall ist, sei es nicht automatisch ein Verstoß.

Auf Außenbaustellen sei es einfacher als etwa beim Innenausbau von Gebäuden oder bei Kanalarbeiten. Um die Mitarbeiter zu schützen, seien in Sammelunterkünften kleine, feste Teams gebildet worden, die zusammenarbeiten und gemeinsam Pause machen, außerdem seien die Fahrzeuge zusätzlich ausgestattet worden für die Handhygiene.

Weniger Mängel laut Berufgenossenschaft Bau

Die Berufsgenossenschaft Bau berichtet, dass im April auf 33 Prozent der Baustellen in Deutschland weniger gravierende Mängel hinsichtlich des Coronaschutzes verzeichnet wurden. Im Juni sei der Wert auf 27 Prozent gesunken und nun, im August, liege er bei rund 17 Prozent. Mit gravierenden Mängeln seien beispielsweise nicht ausreichende Sanitäreinrichtungen gemeint. Die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) in Nordhessen hingegen spricht davon, dass die Corona-Disziplin auf Baustellen sinke und auch im Landkreis Kassel immer häufiger gegen Abstands- und Hygieneregeln verstoßen werde. 

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