Projekt des Landkreises feiert Zehnjähriges

Berufspaten gesucht: Auf Lebenserfahrung kommt es an

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Paten (von links): Jutta Viehmann aus Espenau, Simon Halberstadt aus Kassel und Martina Mlody aus Bad Karlshafen. 

Kreis Kassel. Pünktlich zum Zehnjährigen suchen die Berufspaten neue Freiwillige, die junge Menschen von der Schulbank ins Berufsleben begleiten.

Im Jahr 2008 hatten die Arbeitsförderungsgesellschaft im Landkreis Kassel (AGiL) und die Stadt Kassel das Projekt gemeinsam ins Leben gerufen.

Projektkoordinatorin Brigitte Vogler

Die Anforderungen an die Berufspaten hätten sich in den vergangenen Jahren im Kern zwar nicht verändert, sie seien aber intensiver geworden, sagt Projektkoordinatorin Brigitte Vogler. Von Anfang an hätten die meisten Jugendlichen, die im Projekt betreut wurden, einen Migrationshintergrund gehabt. Inzwischen seien über 90 Prozent Geflüchtete. Dauerten die meisten Patenschaften anfangs zwischen sechs und zwölf Monaten, gäbe es inzwischen Patenschaften im dritten Jahr.

Ein „Flüchtlingsprojekt“ seien die Berufspaten dadurch jedoch ausdrücklich nicht, sagt Vogler. Das Angebot stehe jedem jungen Menschen offen, der Unterstützung benötige, um sich beim Erwachsenwerden und Zurechtfinden in der Gesellschaft zu orientieren.

Um den gestiegenen Unterstützungsbedarf abdecken zu können, suche man derzeit nach bis zu 15 weiteren Paten. Einer, der sich bereits seit 2011 ehrenamtlich im Projekt engagiert, ist Simon Halberstadt. Der 39-Jährige ist einer von derzeit 50 Paten, die junge Menschen zwischen 17 und Ende 20 bei der Berufswahl, beim Schreiben von Bewerbungen, bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle oder einem Praktikumsplatz und bei der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche unterstützen. Dafür müsse man aber kein Bewerbungsprofi sein und auch keine besondere Ausbildung mitbringen, sagt Halberstadt. Es komme vor allem auf Geduld, Einfühlungsvermögen und Lebenserfahrung an. 

Außerdem bietet die AGiL Schulungen und Fortbildungen für die Berufspaten an, um ihnen Wissen zu vermitteln, dass sie dann wiederum an ihre Schützlinge weitergeben. „Wenn man sich plötzlich mit Dingen wie einem ungeklärten Aufenthaltsstatus auseinandersetzen muss, sind wir durch die Fortbildungen im Projekt gut aufgehoben“, sagt Berufspatin Jutta Viehmann (59) aus Espenau. Auch altersbedingt gäbe es viele Hürden für junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, sagt Martina Mlody aus Bad Karlshafen. Die 59-Jährige arbeitet derzeit mit einer 27-jährigen Somalierin, die gerne Hebamme werden möchte.

Kontakt und Informationen bei Projektkoordinatorin Brigitte Vogler unter Tel.: 0561/100 312 75.

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