Theodor-Heuss-Schule in Sorge

Berufspraktikum in Gefahr: Viele Firmen haben Angebote abgesagt

Wollen für jeden Schüler der Jahrgänge acht und neun einen Praktikumsplatz anbieten: Die Lehrerinnen der Baunataler Theodor-Heuss-Schule Jutta Lenz (links) und Julia Sperber.
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Wollen für jeden Schüler der Jahrgänge acht und neun einen Praktikumsplatz anbieten: Die Lehrerinnen der Baunataler Theodor-Heuss-Schule Jutta Lenz (links) und Julia Sperber.

Wenn die Neuntklässler der Baunataler Theodor-Heuss-Schule (THS) in diesem Frühjahr wegen Corona kein Berufspraktikum antreten können, werden sie die Schule im nächsten Jahr vermutlich ohne Praktikumserfahrung verlassen. Wegen der Pandemie ist nämlich schon 2020 dieser vom Kultusministerium fest verankerte Praxisbaustein in Betrieben der Region ausgefallen.

Kreis Kassel - Weil es in diesem Jahr mit dem Praktikum klappen soll, suchen Lehrer und Schüler der Gesamtschule noch händeringend nach Plätzen.

30 von insgesamt 180 Schülerinnen und Schülern hätten noch keinen Betrieb für das Praktikum gefunden, sagen Jutta Lenz und Julia Sperber für Realschul-, Gymnasial- und Hauptschulzweig der THS. Nach den Osterferien sollen die Jugendlichen in ihr zwei- beziehungsweise dreiwöchiges Praktikum gehen. Dabei sollen sie Orientierung bei der Berufswahl bekommen. Häufig, sagen die Lehrerinnen, könnten die Jungen und Mädchen in den Firmen schon den Weg ebnen für eine spätere Ausbildung.

Doch das ist auch in diesem Jahr schwierig. „Es sind viele Plätze abgesagt worden“, berichtet Jutta Lenz. Beispielsweise habe VW in Baunatal wegen der verschärften Corona-Bestimmungen in der Fabrik diesmal überhaupt keine Praktikanten genommen. „Aus meiner Klasse waren allein fünf betroffen“, erläutert die Pädagogin, äußert aber Verständnis. „Die lassen wegen der Pandemie keinen ins Werk – und das ist auch richtig so.“ Genauso die Polizei und Pflegeheime hätten ihre Plätze wegen der Ansteckungsgefahr zurückgezogen, so Lenz weiter. „Die Schüler versuchen verzweifelt, andere Stellen zu finden.“

Überhaupt schwebt über allem noch die Unsicherheit der weiteren Entwicklung im pandemiegeschüttelten Schulbetrieb. Nach aktuellem Stand dürften die Praktika laut Erlass des Kultusministeriums ab 1. April stattfinden, sagt Lenz. „Es kann aber sein, dass das wieder zurückgenommen wird.“

In der benachbarten Erich-Kästner-Schule (EKS) hat die Schulleitung deshalb bereits Konsequenzen gezogen. Laut Chef Jörg Hapke hat die Schule den geplanten Praktikumsstart nach den Osterferien für die 120 Schüler der achten Klassen abgesagt. Grund: Vor allem die Großbetriebe hätten zugesagte Plätze wegen Corona zurückgezogen.

Und: Die Schüler der betroffenen Jahrgänge seien seit Dezember nicht mehr im Präsenzunterricht in der Schule gewesen. Wenn dieser nach den Erlassen des Landes nach Ostern wieder möglich sei, wolle man die Jungen und Mädchen nicht gleich wieder weg in die Betriebe schicken, sondern erstmal ein Miteinander in der Schule aufbauen. Das Praktikum, so Hapke, werde zum Schuljahresende nachgeholt, beziehungsweise werde ein Alternativangebot in der Schule organisiert. „Wir sind vom Kultusministerium aufgefordert worden, ein Alternativprogramm bereitzuhalten.“

Auf der Suche nach letzten Praktikumsplätzen sind die Pädagogen der Heuss-Schule jedenfalls selber aktiv geworden, berichten Lenz und Sperber. Kurzfristig habe man etwa bei einer Tierarztpraxis sowie einem Heizungsbauer in Fuldabrück-Dörnhagen Plätze bekommen.

Die Pädagoginnen rufen deshalb alle Betriebe auf, weitere Praktikumsplätze für die Zeit nach den Osterferien anzubieten. Diese benötige sie ebenfalls für das zweite Halbjahr für ihre Push-Klassen im Hauptschulzweig, so Julia Sperber. Da müssten die Schüler Praktikumsplätze für zwei Tage pro Woche ergattern. (Sven Kühling)

Kontakt: Betriebe wenden sich an die THS unter: E-Mail: j.lenz@ths-baunatal.de oder j.sperber@ths-baunatal.de

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