1. Startseite
  2. Lokales
  3. Kreis Kassel

Betriebe im Landkreis: „Es herrscht Unsicherheit“

Erstellt:

Von: Moritz Gorny

Kommentare

Firmen und Einrichtungen versuchen, die Produktion trotz steigender Preise aufrecht zu erhalten: Unser Foto wurde in der Breunaer Produktionshalle von Vitaqua aufgenommen und zeigt die Produktion von Einwegflaschen.
Firmen und Einrichtungen versuchen, die Produktion trotz steigender Preise aufrecht zu erhalten: Unser Foto wurde in der Breunaer Produktionshalle von Vitaqua aufgenommen und zeigt die Produktion von Einwegflaschen. © Ursula Neubauer

Gasknappheit, steigende Stromkosten, Rohstoffengpässe: Es herrscht große Unsicherheit, wie der Winter wird. Das spüren auch Firmen im Landkreis, die wirtschaftlich abhängig sind von diesen Faktoren.

Kunststoffhersteller

„Es ist und bleibt spannend“, sagt Holger Freyaldenhoven. Der Geschäftsführer der Kemper System Verwaltungs GmbH mit Sitz in Vellmar bezeichnet die Produktion des Kunststoffherstellers als „relativ energiearm“. Dennoch könne es zu Problemen kommen, wenn Gas knapper und Strom teurer wird.

Strom treibt die Produktionsmaschinen für Flüssigkunststoffe an, wie Rührer, Pumpen und Sensoren. Gas hingegen nutze man bei Kemper vor allem zum Heizen. Das, so Freyaldenhoven, ist nicht zu unterschätzen. „Es muss im Bereich der Produktion warm genug sein, sonst könnte das die Prozesse unterbrechen.“ Gas benötigten die Mitarbeiter auch für das Blockheizkraftwerk. Mit der Abwärme schmelze man Rohstoffe und könne Lösemittel aufbereiten. Falle das Gas aus, könne mit Strom geheizt werden. Wird auch der Strom knapp, „müssen wir uns sowieso warm anziehen“, sagt Freyaldenhoven.

Denn dann stehe das Geschäftsmodell auf der Kippe: Es sei fragwürdig, ob die Firma in so einem Fall an notwendige Rohstoffe und Materialien komme. „Wir brauchen beispielsweise Polymere für unsere Produktion, die wir einkaufen.“ Um diese herzustellen, benötigten große Chemiekonzerne Gas als Rohstoff. „Und wenn Gas und Strom teuer oder nicht erhältlich sind, werden wir unser Produkt wahrscheinlich auch nicht los.“

Maschinenbauer

Dass die Energiekosten gestiegen sind, merkt man auch bei Maschinenbau Koch in Baunatal. Die Gaspreise schlügen weniger zu Buche, da die Maschinen Wärme produzierten, wodurch nicht viel geheizt werden müsse.

Aber beim Strom sei der Anstieg spürbar, sagt Geschäftsführerin Pauline Koch. Denn die Firma nutzt Fräß- und Drehmaschinen für ihre Produktion, „die viel Strom benötigen“. Das bringe den Betrieb in eine Sandwich-Position. Der Wettbewerb sei stark, sodass sich die Kosten nicht an Kunden weitergeben ließen. „Bedrohlich für unsere Existenz ist das nicht, aber eine Mehrbelastung.“

Wichtig sei, die Mitarbeiter zu sensibilisieren, „damit sie zum Beispiel das Licht nicht mehr anlassen“, sagt Koch. Gleichzeitig nehme die Firma Energieberatung in Anspruch und prüfe, wo sich Strom und Gas sparen ließen.

Diakonie

Die Baunataler Diakonie (BDKS) betreibt eigentlich ein eigenes Schwimmbecken. Wie Sprecherin Claudia Lieberknecht auf Anfrage bestätigt, ist das acht mal zwölf Meter große Becken allerdings wegen eines technischen Defektes außer Betrieb. „Und wegen der hohen Energiekosten werden wir es vorerst nicht wieder in Betrieb nehmen“, sagt Lieberknecht. Der Energiebedarf sei wegen der benötigten hohen Raum- und Beckentemperatur immens. Wann hier wieder geschwommen werden kann, sei derzeit noch offen.

Altenpflege

„Bei uns herrscht genauso eine Unsicherheit, wie in Privathaushalten“, sagt Christiane Gahr, Sprecherin der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen. Für die vier Pflegeeinrichtungen im Landkreis mit Hauptsitz in Hofgeismar, in denen Senioren betreut werden, bestünden feste Verträge mit Energielieferanten. „Bis Ende des Jahres ändert sich an den Preisen also nichts.“

So blieben auch die Preise für die Senioren und ihre Angehörigen gleich. Gahr betont das, „denn die Menschen mussten in den vergangenen Jahren schon empfindliche Preiserhöhungen hinnehmen“. Sollten die Energiekosten zum Jahreswechsel in die Höhe klettern, hofft man bei der Altenhilfe auf Unterstützung durch Kostenträger wie Krankenkassen.

Lebensmittelfabrikant

Ersatzteile horten, das ist eine Devise von Andreas Thöne. Nur so ließe sich derzeit die Produktion am Laufen halten, sagt der Leiter des Vitaqua-Standortes in Breuna. In Sachen Energie sei die Getränkeproduktionsstätte auf hohem Niveau. „Wir haben das modernste Abfüllwerk Europas.“ Thöne blickt also zuversichtlich in die Zukunft, zumindest in Sachen Energie. Abwärme von Maschinen helfe beim Heizen, Öl für das Granulat der Flaschen sei bislang auch nicht allzu problematisch.

Die größte Abhängigkeit bestehe beim Strom, beispielsweise um die Plastikverpackungen bei Sechserträgern für 1,5-Liter-Wasserflaschen auf Größe zu schrumpfen. „Aber wenn der Strom abgestellt wird, kann keiner irgendetwas produzieren.“ Nun sei das Ziel, selbst Energie zu erzeugen. „Windkraft klappt an unserem Standort leider nicht, das haben wir prüfen lassen.“ Derzeit lasse er untersuchen, ob das Dach Fotovoltaikanlagen statisch zulasse. „Wenn dem so ist, müssen die Teile noch verfügbar sein.“

Von Moritz Gorny

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion