Die Pandemie lockt Wähler ins Netz

Briefwahl im Landkreis Kassel ist beliebter als je zuvor

Briefwahl: Listenkreuz oder einzelne Kandidaten wählen – bei der Kommunalwahl haben die Wähler viele Stimmen zu vergeben. Viele nutzen die Möglichkeit der Briefwahl – und vermeiden so auch einen Ansturm auf die Wahllokale am 14. März.
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Briefwahl: Listenkreuz oder einzelne Kandidaten wählen – bei der Kommunalwahl haben die Wähler viele Stimmen zu vergeben. Viele nutzen die Möglichkeit der Briefwahl – und vermeiden so auch einen Ansturm auf die Wahllokale am 14. März.

Der Briefwahl kommt in Zeiten der Pandemie eine besondere Bedeutung zu. Das zeigt sich bereits jetzt an der Menge der Breifwahlanträge.

Kreis Kassel – Schon jetzt – mehr als zwei Wochen vor dem Wahltag 14. März – haben in vielen Kommunen mehr Menschen Briefwahl beantragt, als das bei der Kommunalwahl 2016 insgesamt der Fall war. Die Kommunen hatten einen Anstieg erwartet, ergab eine stichprobenartige Umfrage der HNA, waren aber doch teils von dessen Deutlichkeit erstaunt.

„Es war uns allen klar, dass die Briefwahl mehr nachgefragt werden wird. Dass es jetzt aber so extrem ist, war dann doch überraschend“, sagt Christoph Jäger. Er ist Wahlleiter in Fuldabrück – Spitzenreiter im Landkreis. Dort hat bereits mehr als ein Drittel der 7500 Wahlberechtigten Briefwahl beantragt.

Das heißt aber nicht, dass der Gemeinde die Unterlagen ausgehen. „Mit 5000 hatte ich kalkuliert, die Hälfte ist jetzt weg“, erklärt Jäger. Das Interesse sei riesig, auch im Vergleich zur letzten Kommunalwahl 2016: Damals hatten sich insgesamt nur etwas über 1200 Menschen für Briefwahl entschieden. „Die meisten beantragen ihren Wahlschein online über Oliwa“, erklärt Jäger.

Diesen Online-Service nutzen auch viele Baunataler gerne, sagt Sprecherin Susanne Bräutigam. Rund 3000 Anträge seien über Oliwa schon eingegangen. „Die Zahl der Briefwähler geht insgesamt deutlich nach oben, der Arbeitsaufwand ist enorm“, sagt sie. Von 22 234 Wahlberechtigten hätten mit Stand Montag 4327 Briefwahl beantragt, drei Mal so viele wie 2016 insgesamt.

Während in Baunatal schon fast 20 Prozent der Wahlberechtigten entschieden haben, am 14. März kein Wahllokal aufzusuchen, steht in Lohfelden der Wert erst bei gut 16 Prozent. „Wir haben bisher 1796 Anträge erhalten“, sagt Wahlleiter Kai Hast. 10 971 Wahlberechtigte, ohne die für den Ausländerbeirat, gibt es in Lohfelden. Man habe mit einem Anstieg gerechnet.

„Wir sind gewappnet und haben Unterlagen für 6000 Briefwähler vorrätig“, sagt Hast. Auch bei den Briefwahlbezirken habe man aufgestockt, um die Helfer bei der Auszählung zu entlasten. In Lohfelden wächst der Anteil derer, die online ihre Wahlscheine beantragen, aber auch die anderen Antragswege per Post, E-Mail oder Rathausbesuch würden gut genutzt. „Trotz Pandemie sind hier schon einige vorstellig geworden“, sagt Hast.

Dann kann der Wahlberechtigte auch gleich sein Kreuzchen machen. „475 Wählerinnen und Wähler haben bisher direkt bei uns vor Ort gewählt“, erklärt Vellmars Gemeindewahlleiter Thomas Raffler. Von den insgesamt 15 619 Wahlberechtigten hätten 2370 bereits einen Wahlschein beantragt – die Mehrheit davon online, also kontaktlos.

In Fuldatal haben sich bereits über 22 Prozent der Wahlberechtigten, also 2322 Menschen, für die Briefwahl entschieden. Die Gemeinde habe zuerst nur für 4000 Menschen Unterlagen vorrätig gehabt, sagt Fachbereichsleiterin Heike Möller. „Wir haben aber noch einmal 2000 nachbestellt.“ Schließlich wolle man auf der sicheren Seite sein. In Fuldatal sei die Möglichkeit, seinen Antrag elektronisch zu stellen, ebenfalls beliebt. Einige waren besonders engagiert und hätten schon vor Erhalt der Wahlbenachrichtigung einen formlosen Antrag gestellt.

So funktioniert die Briefwahl

Die Kommunalwahl findet am Sonntag, 14. März, statt. Wer nicht ins Wahllokal gehen möchte, kann Briefwahl beantragen. Das geht auf verschiedenen Wegen. Auf der Internetseite zu.hna.de/wahlschein kann man seine Kommune eingeben und wird dann durch die Eingabe geleitet. Einen Wahlscheinantrag finden Wahlberechtigte auch auf der Rückseite ihrer Wahlbenachrichtigung und können diesen per Post versenden.

Der Antrag kann auch formlos, entweder postalisch oder per E-Mail, gestellt werden. Dann muss man den vollständigen gemäß Ausweis, Geburtsdatum und Anschrift angeben. Die Briefwahlunterlagen können im Rathaus beantragt werden – mit schriftlicher Vollmacht auch für andere Wahlberechtigte. Wer das tut, kann auch direkt vor Ort wählen. Eine telefonische Beantragung dagegen ist nicht möglich.

Grundsätzlich letzter Tag für die Beantragung von Wahlscheinen und Briefwahlunterlagen ist der 12. März, 13 Uhr. In Ausnahmefällen, wie einer plötzlichen Erkrankung, kann die Briefwahl bis 15 Uhr am Wahltag beantragt werden. Die ausgefüllten Unterlagen müssen bis 18 Uhr eingegangen sein. Am Wahlabend finden Sie bei uns übrigens einen Ergebnis-Ticker zur Kommunalwahl im Kreis Kassel. (Michaela Pflug)

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