Bürgermeisterwahl in Baunatal

„Bin kein Parteisoldat“ - Sebastian Stüssel geht für die CDU ins Rennen

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Vor seinem Zuhause in Großenritte: Bürgermeisterkandidat Sebastian Stüssel von der CDU. 

Baunatal. Im Wahlkampf appelliert er an das Heimatgefühl der Baunataler. Sebastian Stüssel von der CDU will am 28. Oktober das Erbe Manfred Schaubs antreten und neuer Bürgermeister werden.

Hellblaues Hemd unter dunkelblauem Anzug. Schmal geschnitten. Rote Krawatte. An den Füßen vegane Kunstlederschuhe. „Die sind aus dem Laden von meinem Bruder in Berlin“, sagt Sebastian Stüssel. Die Besuche in der Hauptstadt genieße er, dort leben wolle er aber nicht. „Baunatal ist mein Zuhause, hier bin ich aufgewachsen.“

Dazu passt, dass der Großenritter mit dem Slogan „Wähl einen von euch! – Damit Baunatal stark bleibt“ in den Wahlkampf gezogen ist. Und natürlich mit Manfred Schaub – der Baunataler Identifikationsfigur schlechthin. Wenn Stüssel dieser Tage über Baunatal und die Politik spricht, für die er ab dem 28. Oktober als neuer Bürgermeister der Stadt stehen möchte, führt kein Weg vorbei an dem großen Namen des Sozialdemokraten, in dessen Fußstapfen er treten will. Schaub sei eine Galionsfigur, deren Erbe weitergeführt werden müsse, sagt Stüssel.

Dass sich ausgerechnet der Kandidat der CDU diesem Erbe verschrieben hat, sorgte nach Bekanntgabe seiner Kandidatur im Spätsommer für die eine oder andere hochgezogene Augenbraue. Taktik und Kalkül wurden dem 39-jährigen Unternehmensberater vorgeworfen. „Das war keine Taktik, das war Überzeugung“, sagt Stüssel knapp zwei Wochen vor der Wahl. Er halte die Projekte, die Schaub angestoßen hat, schlicht für richtig.

Welche er damit meint? Die Entwicklung von Baunatal als Sportstadt zum Beispiel. Sein Bekenntnis zum VW-Werk. Vor allem aber, dass Schaub die Interessen der Stadt nach außen sehr stark vertreten habe.

Parteizugehörigkeit, sagt Stüssel, spiele gar keine so große Rolle für den Job des Bürgermeisters. „Man ist ja Bürgermeister aller Baunataler.“ Wichtig sei nur, ob eine Idee gut ist, und nicht, von welcher Partei sie komme. Warum er dann überhaupt in der CDU sei? „Weil ich meine eigenen Werte in den Kernpunkten der Partei am besten wiedergefunden habe“, sagt Stüssel. Er sei Anhänger der sozialen Marktwirtschaft und geprägt von einem christlichen Menschenbild. Aber: „Ich bin kein Parteisoldat.“

Sollte er gewählt werden, wolle er die Bürger stärker in politische Entscheidungen einbeziehen. Dafür wolle er Diskussionsforen etablieren. „Wer nur fertige Lösungen präsentiert, sorgt für Politikverdrossenheit.“ Weitere Ziele: Die Ortskerne durch die Sanierung von Altbauten, den Ausbau der Nahversorgung und die Optimierung des ÖPNV stärken, den Tourismus ankurbeln, ehrenamtliche Arbeit durch Rabatte belohnen und die Betreuung in Kindergärten verbessern. „Mehr Erzieher und kleinere Gruppen“ solle es geben.

Um die Bürger einzubeziehen, sucht Stüssel schon jetzt den Dialog. Bei Facebook etwa diskutiert er mit den Nutzern zu aktuellen Themen. „Man muss jeden einzelnen Bürger ernst nehmen.“ Auch die direkte Debatte scheut er nicht. Wie andere Kandidaten auch steht Stüssel jeden Samstagvormittag auf dem Baunataler Marktplatz – in veganen Schuhen zum Vieraugengespräch.

Zur Person: Sebastian Stüssel

Sebastian Stüssel (39) wurde in Kassel geboren und wuchs in Baunatal-Großenritte auf, wo er seither lebt. Nach seinem Abitur an der Jacob-Grimm-Schule in Kassel leistete er Zivildienst im Jugendzentrum „Second Home“ in Baunatal. Es folgten ein Praktikum bei einem Immobilienmakler und ein BWL-Studium an der Uni Göttingen, das Stüssel mit Diplom abschloss. 

Während des Studiums begann Stüssel, in der Unternehmensberatung seiner Mutter zu arbeiten, die er 2009 übernahm und bis heute führt. Seit April 2011 ist er Fraktionsvorsitzender der CDU Baunatal. 

In seiner Freizeit fährt Stüssel gerne Motorrad und Ski. Er lebt mit seiner Freundin Katrin Dippel, Berner Sennenhund Leopold (1), Kater Filou (15) und dem „Familienerbstück“ Graupapagei Biene (30) in seinem Elternhaus in Großenritte.

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