Viele wollen auf den Campingplatz

Camping-Branche profitiert von der Corona-Pandemie – Anbieter zufrieden mit Saison

Sarah Becker, Geschäftsführerin von Wohnwagen Becker, sitzt in einem Wohnwagen.
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Wohnwagen boomen während Corona: Sarah Becker, Geschäftsführerin von Wohnwagen Becker, hat im vergangenen Jahr viele Wohnwagen verkauft und vermietet.

Das vergangene Jahr hat Campingplätze und Wohnwagenverkäufer im Kreis Kassel vor viele Herausforderungen gestellt.

Kreis Kassel – Während sie im ersten Lockdown große Verluste erzielten, konnten sich viele im Sommer kaum vor Anfragen retten. Geht der Trend zum Camping dieses Jahr weiter?

„Die Urlaubsform ist in der Gesellschaft angekommen“, erklärt Sarah Becker, Geschäftsführerin von Wohnwagen Becker in Fuldatal-Ihringshausen. Während Corona habe sie viele Wohnwagen verkauft und vermietet. „Es ging von einem Extrem ins andere“, beschreibt Becker die Situation. Denn im Frühjahr 2020 war wegen dem Lockdown nicht viel machbar. Doch zum Sommer hin boomte es ordentlich.

Auch aktuell laufe es trotz des Lockdowns gut, in der Vermietung jedoch noch etwas verhalten, denn die Leute würden auf Lockerungen warten. „Trotzdem haben schon einige einen Wohnwagen für den Sommer gemietet“, sagt Becker.

Beim Verkauf gebe es bereits gezielte Anfragen. Um sich auf die nächste große Welle vorzubereiten, werden momentan alle bestellten Wohnwagen für die Abholung startklar gemacht. „Sonst ist es im Frühjahr nicht zu schaffen“, sagt sie.

Vor allem die Sicherheit, die Individualität und die Flexibilität seien wesentliche Vorteile des Campings. „Früher haben die Leute auf das Wetter geschaut, heute gucken sie auf die Infektionszahlen, bevor sie in den Urlaub fahren“, so Becker.

Viele Erstcamper haben auf dem Campingplatz Am Bühl in Ahnatal in der vergangenen Saison das Campen für sich entdeckt, wie Pächter Dirk Bachmann erzählt.

Diese Vorteile sieht auch Dirk Bachmann, Pächter des Campingplatzes Am Bühl in Ahnatal. Draußen an der frischen Luft sei die Ansteckungsgefahr zudem nicht so hoch. Auch der Abstand könne auf dem Campingplatz gut eingehalten werden. „Das vergangene Jahr lief tatsächlich sehr gut“, resümiert der Pächter. Er hatte sogar eine Steigerung um 50 Prozent bei den Buchungen im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen, da viele wegen Corona auf Camping umgestiegen seien.

Momentan sind nur die Dauercamper, die auch ihren Wohnsitz dort angemeldet haben, auf dem Platz erlaubt. „Ich hoffe, dass wir im April, spätestens im Mai, wieder öffnen dürfen“, sagt Bachmann. Denn im Mai finde die BMX-Meisterschaft in Ahnatal statt. Das Event ist für Bachmann sehr wichtig, da dann viele nach Ahnatal reisten und auf seinem Campingplatz unterkämen.

„Ich bin zuversichtlich, dass es auch dieses Jahr wieder voll wird“, betont er. Für den Sommer hat Bachmann bereits sechs Buchungen. Und auch für das Wochenende am ersten Mai und Vatertag haben bereits Interessierte gebucht. Die ersten Anfragen für den Sommer kamen bereits im Dezember. Normalerweise würden sich die Leute erst im Februar oder März melden. „Die Leute merken, dass es nicht ohne Reservierung geht“, ergänzt er.

Auch in Kaufungen wurden die Campingstellplätze im vergangenen Jahr gut angenommen, wie Björn Schermund von der Gemeinde Kaufungen erklärt. Aber die Stellplätze dienen den Touristen hauptsächlich für einen Zwischenstopp, auf denen sie 72 Stunden halten dürfen.

Doch nicht alle Campingplätze haben von dem Boom profitiert, wie beispielsweise die Stellplätze in Dennhausen. Dort war eher weniger los, wie Anja Kessler vom dortigen Campingplatz berichtet. „Viele konnten nicht so reisen wie sonst“, fügt sie hinzu.

Auch auf dem Campingplatz Knickhagen in Fuldatal waren wegen der Baustelle auf der B 3 hauptsächlich Dauercamper vor Ort. Die Touristen fehlten. „Das war eine richtige Null-Nummer“, sagt Michael Patzke vom Campingplatz Knickhagen. So gebe es auch für Ostern oder Sommer bis jetzt noch keine Buchungen. Doch wenn es demnächst Lockerungen geben sollte, kann sich Patzke gut vorstellen, dass die Leute wieder raus wollen und campen gehen. (Samira Müller)

Juli war Rekordmonat

Trotz Corona konnten 2020 Campingrekorde in ganz Deutschland erreicht werden. Während die erste Hälfte des Jahres wegen des Lockdowns zunächst schleppend verlief, ließ sich im Sommer – vor allem im Juli – ein regelrechter Camping-Boom verzeichnen, wie der Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland (BVCD) mitteilt.

Mit 8,57 Millionen Übernachtungen auf deutschen Camping- und Wohnmobilstellplätzen erzielte der Monat Juli einen Rekord, denn im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg die Zahl der Übernachtungen um 0,5 Prozent an. Außerdem erwirtschafteten die Campingplätze in Deutschland im September 2020 insgesamt ein Übernachtungsplus von 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Aktuell liegen dem Verband nur Zahlen bis September 2020 vor, weswegen noch keine Gesamtbilanz vorliegt. Trotzdem liege 2020 voraussichtlich nur knapp hinter dem Rekordjahr 2019. Während von Januar bis September 2019 etwa 32,75 Millionen Übernachtungen gemessen wurden, waren es für denselben Zeitraum 2020 mit 31,21 Millionen. Der knappe Rückgang von 4,7 Prozent sei als verhältnismäßig gering zu bewerten, heißt vonseiten des BVCD.

Durch die Beherbergungsverbote ab November wird bei der Gesamtbilanz ein Ergebnis erwartet, das vermutlich leicht unter dem des Vorjahres liegt. „Wir rechnen für 2020 mit einem Branchenminus von unter fünf Prozent. Im europäischen Vergleich sowie in Gegenüberstellung zu anderen Beherbergungsformen ist dies ein Erfolg, der beweist, dass Camping in Deutschland eine attraktive und sichere Reiseform ist“, sagt Gunter Riechey, Präsident des BVCD.

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