RP Kassel holt sich beim Naturschutz Verstärkung

Carolin Bräuer ist neue Biodiversitätsbeauftragte

Carolin Bräuer ist die neue Biodiversitätsbeauftragte des Regierungspräsidiums Kassel und zuständig für den gesamten Landkreis Kassel.
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Carolin Bräuer ist die neue Biodiversitätsbeauftragte des Regierungspräsidiums Kassel und zuständig für den gesamten Landkreis Kassel.

Naturschutz hat viele Facetten, der Erhalt der Artenvielfalt ist eine davon. Mit Carolin Bräuer hat das Regierungspräsidium Kassel nun erstmals eine Biodiversitätsbeauftragte mit ins Boot genommen.

„Das Thema Artenvielfalt gewinnt immer mehr an Relevanz“, sagt die 28-Jährige aus Kassel. Seit einigen Monaten kümmert sich die studierte Landschaftsplanerin um besonders wertvolle Lebensräume im Kreis Kassel. Diese Habitate beherbergen besonders viele und vor allem gefährdete Arten. Diese Lebensräume sind nicht als Naturschutzgebiete ausgewiesen, „aber dennoch oft letzte Rückzugsräume und daher in jeder Hinsicht schützenswert“, sagt Bräuer. Meist liegen sie versteckt im Wald oder als Brache irgendwo unauffällig in der Landschaft. 20 Schutz-Projekte betreut Bräuer aktuell.

Um ihre Arbeit zu illustrieren, hat sie zum Pressetermin mitten in den Stiftswald bei Kaufungen eingeladen. Mit dabei sind Detlef Schmidt von der Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz (AGAR) sowie Carl Hellmold, Revierleiter beim Ritterschaftlichen Stift Kaufungen. Es geht um Amphibien- und Reptilienschutz in einer alten Braunkohlegrube.

„Im Laufe vieler Jahrzehnte hatte sich hier ein richtiger Arten-Hotspot entwickelt“, sagt Schmidt. Allein elf Amphibien-Arten seien vorgekommen – bis das Areal in den 80er-Jahren einfach mit Bauschutt zugekippt wurde. „Heute unvorstellbar.“ Immerhin sei die Verfüllung dann gestoppt worden. 2012 machte die AGAR den Vorschlag, den Bauschutt aus der Grube herauszuholen und das Gelände auf knapp einem Hektar als Tümpel-Biotop zu entwickeln. Das Projekt hatte Erfolg, von den einst elf Amphibien-Arten haben immerhin acht überlebt.

Besprechen das neue Tümpel-Projekt, das im Stiftswald entstehen soll: von links Carl Hellmold, Ritterschaftlicher Stift Kaufungen, Detlef Schmidt, Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz, und Biodiversitätsbeauftragte Carolin Bräuer.

„Aktuell geht es darum, den schützenswerten Bereich noch einmal zu vergrößern“, sagt Bräuer. Auch hier habe die AGAR die Initiative ergriffen und nach Absprache mit dem Ritterschaftlichen Stift Kaufungen beim RP angeklopft. Voraussichtlich im Herbst könnten hier angrenzende Bäume gefällt und Mulden in das Gelände gegraben werden, um eine Tümpel-Landschaft entstehen zu lassen. Auch Hellmold hält dieses Projekt für sinnvoll: „Der ökologische Nutzen überwiegt hier jede rein forstwirtschaftliche Erwägung.“ Das Besondere: „Das Ganze wird noch nicht einmal 10 000 Euro kosten“, sagt Bräuer. Das mache den Charme solcher Projekte aus, „man kann viel für den Naturschutz mit vergleichsweise wenigen Mitteln erreichen“.

Aktuell stehen ihr rund 800 000 Euro pro Jahr für die Umsetzung von Biodiversitäts-Projekten zur Verfügung. Seit 2013 gibt es die Biodiversitätsstrategie des Landes. In den Jahren 2015 bis 2020 wurden 2,8 Millionen Euro für über 500 Projekte im Regierungsbezirk Kassel ausgegeben. „Als Orientierung dient hier die Hessen-Liste“, sagt Bräuer. In ihr seien 259 gefährdete Arten und 38 Lebensraumtypen verzeichnet.

Wichtig sei die Niederschwelligkeit des Förderangebots. „Egal ob Naturschutzvereine, Forstämter oder Landschaftspflegeverbände – alle, die ein Projekt-Vorschlag haben, können an uns herantreten“, sagt Bräuer. Das Wissen, über das Vereine verfügten, sei enorm, weil Biotope oft Jahrzehnte lang gepflegt würden und daher eine genaue Vorstellung davon vorhanden sei, was in Sachen Artenvielfalt noch verbessert werden könne, sagt Bräuer.

Ihre Botschaft an alle aktiven Naturschützer: „Das RP hat durchaus noch Förderkapazitäten zu vergeben“. (Boris Naumann)

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