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Carsten Rövenstrunk: Der talentierte Mr. BMX

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Carsten Rövenstrunk aus Vellmar hat die Rennstrecke des RSC Weimar-Ahnatal geplant und sich dafür eingesetzt. Jetzt ist er mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet worden.
Carsten Rövenstrunk aus Vellmar hat die Rennstrecke des RSC Weimar-Ahnatal geplant und sich dafür eingesetzt. Jetzt ist er mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet worden. © Alexander Röder

Ohne Carsten Rövenstrunk aus Vellmar wäre die Rennstrecke des RSC Weimar-Ahnatal wohl nie gebaut worden. Für sein langjähriges Engagement wurde er jetzt ausgezeichnet.

Vellmar/Ahnatal – Als im Kinoklassiker „E.T.“ eine Bande Kinder auf bis dahin unbekannten Crossrädern in halsbrecherischen Manövern über die Leinwand jagte, war das der Beginn eines bis heute anhaltenden Fahrradtrends: BMX. Auch ein damals 14-jähriger Vellmarer Junge war davon gleich infiziert.

„Früher hätte ich es ziemlich spießig und antiquiert gefunden, mir irgendeine Ehrennadel anzustecken“, sagt Rövenstrunk lachend: „Heute bin ich aber wirklich stolz darauf.“ Der Ehrenbrief des Landes Hessen wird für langjährige ehrenamtliche Tätigkeit verliehen.

Während der Schirm seiner Kappe sein Gesicht beschattet, weist er hinter sich auf das schmucke BMX-Areal. 370 Meter misst die von zwei Tribünen eingefasste Strecke, die von einer hydraulisch bedienbaren Startrampe über zahlreiche Hindernisse auf vier Geraden und drei Kurven führt. Rövenstrunk hat die Strecke nach dem Vorbild einer Bahn in Weiterstadt selbst geplant. Der gelernte Dreher, der im Achsenwerk bei Daimler Trucks als Sachbearbeiter beschäftigt ist, nutzt eine vorübergehende Kurzarbeit während der Automobilkrise 2008, um erste Skizzen zu zeichnen, Fördergeld aufzutreiben, Sponsoren zu kontaktieren sowie um Bikes, Trikots und Schutzkleidung zu kaufen.

2012 wird die Rennstrecke auf einem ehemaligen Acker nahe des Sportplatzes eröffnet. Die 2004 gegründete BMX-Sektion des RSC Weimar-Ahnatal mit seinen 130 Mitgliedern hat endlich ein Zuhause. Und was für eines: Mehrfach haben dort bereits große Wettkämpfe stattgefunden: Bundesliga, Nordcup, Deutsche Meisterschaften und vor allem der prestigeträchtige Drei-Nationen-Cup. Der internationale Wettbewerb mit Startern aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland ist längst nicht mehr ohne Ahnatal denkbar. „Die Starter fühlen sich hier pudelwohl“, sagt Rövenstrunk. „Was die Vereinsmitglieder da jedes Jahr auf die Beine stellen, ist einfach fantastisch.“

Von solchen Bedingungen konnte Carsten Rövenstrunk nur träumen, als er sich mit 14 vom Konfirmationsgeld sein erstes BMX gekauft hatte. In den Anfangsjahren rasten er und seine Kumpels durchs Gelände. Nach einiger Zeit hatte ihnen der Vater eines Freundes eine Brache an der Holländischen Straße in Vellmar zur Verfügung gestellt, nebst Bagger. Dort bauten sie notdürftig Rampen für Sprünge und eine Strecke für Rennfahrten. Das Areal wurde rasch Anlaufstelle für die wachsende BMX-Szene – und für ein paar Schaulustige, zumeist Mädchen, die ein Auge auf die Fahrer geworfen hatten. „Das war echt saucool“, erinnert sich Rövenstrunk.

Mit Heike, einem der Mädchen, kam der 15-Jährige zusammen. Sie sind es bis heute. Und bis heute ist Heike Rövenstrunk immer an der Strecke. Als Zuschauerin oder als Commissaire, die den Ablauf der Rennen überwacht. „Ohne die Unterstützung meiner Familie, die mein Hobby über all die Jahre mitgetragen hat, wäre das alles nicht möglich gewesen“, sagt Rövenstrunk.

Lange hat er selbst an Rennen teilgenommen und sich wagemutig die Rampen heruntergestürzt. Wenn er heute fährt, habe er immer zwei Finger an den Bremsen, sagt der 54-Jährige, dessen neuestes Lieblingshobby seine 20 Monate alte Enkelin ist. Auch vom Trainingsalltag hat er sich weitgehend zurückgezogen. „Die organisatorische Arbeit und der Verwaltungsaufwand für den Vereinsbetrieb ist zu groß“, erklärt er. Inzwischen steht er dem RSC Weimar-Ahnatal als Vorsitzender vor und begleitet als Fachwart der BMX-Sektion Woche für Woche die Rennen. Er führt damit auch den familiären Weg fort, den schon sein Vater beschritten hatte. Jürgen Rövenstrunk hatte beim früheren „RSV Solidarität“ den Radsport in Vellmar maßgeblich geprägt.

Im Urlaub geht es für Carsten Rövenstrunk wieder selbst aufs Rad. Mit Ehefrau Elke befährt er zunächst drei Tage lang den Fuldaradweg, ehe es nach Winterberg geht. Dort gibt es einen erstklassigen Bikepark.

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