Corona im Kreis Kassel

Familie erleichtert, dass Schule nicht  für Viertklässler öffnet: „Gesundheit ist viel wichtiger“

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Die ganze Familie bleibt auch weiterhin zu Hause: (von links) Tochter Leyla Aylin Rode, Mutter Pervin Rode, Vater Björn Rode und Sohn Malik Can Rode.

Durch den Verwaltungsgerichtshof in Kassel wurde die Schulpflicht für Viertklässler ausgesetzt. Die Familien zeigen sich erleichtert. 

Baunatal – Ab Montag werden einige Kinder und Jugendliche in Hessen wieder zur Schule gehen – auch die Viertklässler sollten eigentlich wieder in den Unterricht. Die Schulpflicht für diesen Jahrgang wurde am Freitag vom Verwaltungsgerichtshof in Kassel aufgehoben. Björn Rode aus Baunatal-Großenritte hält das für eine gute Entscheidung – er hat selbst einen Sohn, der die vierte Klasse besucht. Der ursprüngliche Plan, die Viertklässler wieder in den Unterricht zu schicken, war für ihn völlig unverständlich.

Corona in Kassel: Eltern zeigen sich erleichtert

„Die Bundeskanzlerin hat ja gesagt, dass es bisher nur ein sehr zerbrechlicher Erfolg ist“, sagt Rode. Sein Sohn besucht die Friedrich-Ebert-Grundschule und hätte ab Montag wieder zum Unterricht gehen müssen. In Absprache mit der Schulleitung hatte Rode aber bereits Anfang vergangener Woche dafür gesorgt, dass er gemeinsam mit seiner Frau den Sohn weiterhin zu Hause unterrichten kann, weil beide Eltern Vorerkrankungen haben: Rode selbst leidet an rheumatischem Asthma und an Heuschnupfen, seine Frau an einer Herz-Rhythmus-Störung. 

Würde sein Sohn sich in der Schule infizieren und das Virus mit nach Hause bringen, könnte das für die Familie fatal werden – der Arzt habe ihn davor gewarnt und empfohlen, Kontakt zu Menschen bestmöglich zu vermeiden. Dass Schüler der Abschlussklassen den Unterricht wieder besuchen, kann Rode nachvollziehen – auch, dass es einen Notbetrieb gibt, sei unerlässlich und wichtig. Warum jedoch der Plan vorsah, Viertklässler wieder zur Schule zu schicken, ist für ihn unverständlich: „Immerhin reden wir hier über Kinder im Alter von neun und zehn Jahren, denen man es nicht abverlangen kann, sich so strikt an Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen zu halten“, sagt der 39-jährige Baunataler. Ob alle Grundschulen die strengen Hygienevorschriften einhalten könnten, bezweifelt er ebenfalls.

Corona in Kassel: Unterricht zu Hause funktioniert gut

Bislang hätten er und seine Frau ihren Sohn zu Hause unterrichtet, das habe gut funktioniert. Außerdem betreuen sie die zweijährige Tochter zu Hause. Rode wurde, auch aufgrund seiner Vorerkrankungen, von seinem Arbeitgeber freigestellt und ist dankbar, dass die Friedrich-Ebert-Schule Verständnis für die Situation der Familie gezeigt hatte. Pia Jensch, Leiterin der Friedrich-Ebert-Schule, sagt, es sei ihr ein großes Anliegen, dass sich Eltern an die Schulleitung wenden. Sie habe die Bedenken der Familie Rode gut nachvollziehen können. Die Angst, dass die Kinder nun zu viel Stoff verpassen, sei unbegründet: Auch die weiterführenden Schulen seien in der aktuellen Situation darüber informiert. Außerdem würde der Heimunterricht dank der Homepage der Schule und mithilfe von Apps fortgeführt.

Rode hätte sich schon von Beginn an individuelle Konzepte, vorgegeben durch das Kultusministerium, gewünscht. Für seine Familie gab es bereits vergangene Woche eine Lösung, aber er vermutet, dass manche Eltern sich nicht getraut haben, sich gegen die ursprünglich getroffene Regelung zu äußern – auch, weil das Kind Stoff verpassen könnte.

„Allerdings ist uns die Gesundheit unserer Kinder und auch anderer Mitmenschen einfach viel viel wichtiger“, sagt Rode, und denkt, dass das vielen Eltern auch so sehen.

VON LARA THIELE

Weitere Neuigkeiten zum Thema Corona in der Region Kassel sind im News-Ticker zu finden. 

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