So arbeiten die mobilen Impfteams

Corona-Impfung im Kreis Kassel: So läuft die Immunisierung in den Altenheimen ab

Kurz innehalten, bevor es pikst: Melanie Ochs setzt die Spritze bei Heinz Steiger. Der Vellmarer ist Gast der Tagespflege im Haus und hat die Chance genutzt, sich dort impfen zu lassen.
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Kurz innehalten, bevor es pikst: Melanie Ochs setzt die Spritze bei Heinz Steiger. Der Vellmarer ist Gast der Tagespflege im Haus und hat die Chance genutzt, sich dort impfen zu lassen.

Der Landkreis Kassel organisiert die Immunisierungen in den Altenpflegeeinrichtungen im Kreis Kassel. Wir haben die mobilen Impfteams einen Tag lang begleitet.

Fuldatal/Calden – Der Tag beginnt früh für die mobilen Impfteams des Landkreises Kassel. Kurz vor 7 Uhr treffen sie sich am Impfzentrum Calden. Von dort geht es später in das Pflegezentrum Märchenmühle in Fuldatal. 121 Menschen sollen heute geimpft werden. „Wir könnten noch mehr an einem Tag impfen. Wir waren auch schon in einer Einrichtung mit 700 Leuten. Dann sind aber auch mehr Teams im Einsatz“, sagt der Ärztliche Leiter Peter Stahl.

Diesmal sind es nur zwei Teams, elf Menschen sorgen für den reibungslosen Einsatz. Zwei Ärzte, zwei medizinische Fachangestellte (MFA), eine pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA), ein Apotheker, ein Rettungssanitäter und vier Verwaltungsmitarbeiter.

Corona-Impfungen im Kreis Kassel: So läuft ein Tag im Altenheim ab

7.47 Uhr: Für alle beginnt der Tag ziemlich unangenehm. Denn jeder muss sich einem Corona-Schnelltest unterziehen. Das passiert im Impfzentrum. Das ist komplett einsatzbereit, erklärt Vize-Landrat Andreas Siebert. Was aber fehlt, ist Grünes Licht vom Land und genügend Impfstoff. Während die Teams getestet werden, wird der Lkw beladen, der den Impfstoff und weitere Materialien transportiert.

8.06 Uhr: Jetzt heißt es Warten auf das Testergebnis. Für einige Anwesende ist das Routine, andere sind nach einer Schulung zum ersten Mal dabei. Dazu zählen die Fuldataler Ärzte Gunter Lehmann und Raphaela Lehmann. Wie viele andere, haben sie sich freiwillig gemeldet. „Wir wollen helfen, der Pandemie ein Ende zu setzen, um zum Alltag zurückkehren zu können“, sagt Raphaela Lehmann.

Kreis Kassel: Vor Beginn der Impfungen müssen die Corona-Tests negativ ausfallen

8.40 Uhr: Die Testergebnisse sind negativ. Also geht es los in Richtung Pflegeheim. Dort stehen schon die ersten Impfwilligen bereit. Die Heimleitung hatte mit einer früheren Ankunft gerechnet. Bevor es aber losgehen kann, müssen die beiden Räume vorbereitet werden. Ärztin Raphaela Lehmann, MFA Melanie Ochs und Verwaltungsmitarbeiter Michael Rothenberg haben in einem Aufenthaltsraum Platz genommen. Das andere Team impft in einem umgerüsteten Bad.

9.21 Uhr: Die Unterlagen der Patienten und die Dokumentationsbögen liegen bereit, der Drucker und der Scanner für die Krankenkassenkarten sind angeschlossen. Die erste Seniorin nimmt Platz. Lehmann begrüßt sie, fragt nach Allergien und Blutverdünnern. Auf ihr „Haben Sie Fragen?“, erntet sie nur ein Kopfschütteln. Das ist oft so an diesem Morgen. Die häufigste Frage ist mit Abstand, ob man den Impfpass braucht. Antwort: Nein, man bekommt eine Impfbescheinigung und kann die vom Hausarzt nachttragen lassen. Ochs desinfiziert derweil den Oberarm – ein Piks, und dann ist es schon wieder vorbei.

Corona-Impfungen gehen im Kreis Kassel meist Gespräche mit der Familie voraus

9.52 Uhr: „Ich habe gar nichts gemerkt“, sagt die 85-jährige Helga Firneisen über die Spritze. Sie habe Bedenken gehabt, aber nach einem Gespräch mit der Familie entschieden, sie mache das. Auch Anna Kyas hat sich mit ihrer Familie ausgetauscht und war im Vorfeld etwas aufgeregt. „Aber es war gut. Und ich freue mich, wenn ich dann wieder Besuch bekommen kann“, sagt die 86-Jährige. Vor ein paar Tagen hatte sie Geburtstag, und so ganz ohne Feier sei das nicht so schön gewesen.

10.31 Uhr: Heinz Steiger knöpft sein Hemd auf. Er habe sich impfen lassen wollen, „schließlich will man auf der sicheren Seite sein“. So denken fast alle der 63 Bewohner und Gäste der Tagespflege, sagt Heimleiterin Melanie Kern. „Da haben wir 100 Prozent Impfbereitschaft. Beim Pflegepersonal sind es 90 Prozent.“ Letzteres ist überdurchschnittlich, bestätigt Stahl. Allerdings steige die Impfwilligkeit auch bei den Angestellten deutlich, nachdem sich die positiven Erfahrungen anderer herumgesprochen habe. Kern erklärt, sie habe das Gespräch gesucht, Informationen verbreitet und so die Impfbereitschaft verbessern können.

Corona-Impfung: Apotheker im Kreis Kassel arbeiten nach Vier-Augen-Prinzip

10.43 Uhr: Es ist mal wieder Pause. Denn der empfindliche Impfstoff wird erst vor Ort in der mobilen Apotheke zum Spritzen vorbereitet. Das übernehmen Apotheker Christian Heckmann und PTA Eva-Maria Holten. Der Impfstoff lagert in einem Kühlschrank, der konstant die Temperatur misst und dokumentiert. Während Holten den Impfstoff mit Kochsalzlösung versetzt und die Spritze unter aseptischen Bedingungen aufzieht, schaut Heckmann über ihre Schulter.

„Wir arbeiten nach dem Vier-Augen-Prinzip“, erklärt er. Sanft wird das Fläschen dann erneut geschwenkt und in eine gut gepolsterte Kiste gepackt. Eine Stunde bleibt, um den Impfstoff zu verwerten. Kein Problem im Fuldataler Pflegezentrum. Ein Verwaltungsmitarbeiter bringt die Box ins Untergeschoss und weiter geht es.

Jetzt sind Mitarbeiter dran. Nun hat Lehmann mehr zu tun: „Die jungen Leute haben mehr Fragen, etwa zu Nebenwirkungen.“ Aber letztlich habe sie bei jedem diese Zweifel ausräumen können. Gegen 13 Uhr schließlich verlässt der letzte Impfwillige dann den Raum.

Kreis Kassel: Nicht genügend Corona-Impfstoff verfügbar

25 von 44 Heimen im Landkreis hatten inzwischen Besuch vom mobilen Impfteam, erklärt Kreissprecher Harald Kühlborn. Genug Personal gebe es, um zügig – bis Ende Januar – alle Einrichtungen mit der ersten Runde Impfstoff zu versorgen, sagt Vize-Landrat Andreas Siebert. Allerdings fehle es aktuell an eben diesem, so Siebert.

Die zweite Impfung, vier Wochen nach dem ersten Termin, sei aber gesichert. Die Reihenfolge der Heime sei zufällig, erklärt Siebert. Alle seien kontaktiert worden. Wer sich zuerst gemeldet habe und bereit war, sei zuerst dran gekommen. Natürlich verschieben sich auch Termine, ergänzt Kühlborn, etwa, wenn es einen größeren Corona-Ausbruch in einem Heim gibt. Weitere Informationen zu Corona in Stadt und Kreis Kassel gibt es im News-Ticker. (Michaela Pflug)

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