Für Vellmars Annodazumal zeichnet sich Lösung ab

Fachkräftemangel in Gastronomie

Seit gut einem Jahr geschlossen: Es gibt Hoffnung, dass für die Vellmarer Gaststätte Annodazumal in Vellmar bis zum Herbst ein neuer Pächter gefunden wird.
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Seit gut einem Jahr geschlossen: Es gibt Hoffnung, dass für die Vellmarer Gaststätte Annodazumal in Vellmar bis zum Herbst ein neuer Pächter gefunden wird.

Fachkräftemangel in der Branche, hoher Investitionsbedarf, Banken, die mit Krediten zurückhaltender geworden sind und die Sorge, trotz harter Arbeit in eine möglicherweise unsichere wirtschaftliche Zukunft zu steuern – das sind wesentliche Gründe dafür, dass es in Zeiten der Pandemie für Gastronomen häufig schwieriger geworden ist, einen Nachfolger zu finden.

Kreis Kassel – Im ländlichen Raum erfordere das oft schon Geduld und mehrere Jahre Zeit der Suche, sagt Carsten Heustock von der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg.

Ein Lichtblick und eine positive Ausnahme in dieser Hinsicht bildet wahrscheinlich die bekannte Vellmarer Traditionsgaststätte Annodazumal, die seit dem plötzlichen Tod ihres langjährigen Pächters Dirk Marx seit einem guten Jahr geschlossen ist: Nach Informationen der HNA könnte das Lokal in Obervellmar mit seiner langen Historie schon im Herbst wieder Gästen offen stehen. „Die Vertragsverhandlungen mit einem Interessenten sind auf einem guten Weg“, bestätigt Markus Braband von Eichholz Immobilien. Die Eigentümerin des Hauses, Friederike Erichsen-Wendt vertröstet bei der Frage nach konkreteren Informationen auf den Herbst. Die Kasseler Maklerfirma sucht nach eigenen Angaben auch einen Nachfolger für die seit vergangenem Jahr geschlossene Gaststätte Brauhaus Knallhütte und hat in Vellmar für die frühere Gaststätte AK Junior vor fünf Jahren erfolgreich einen neuen Inhaber gefunden. Die Gaststätte heißt jetzt „Kleine Bleibe“.

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Nordhessen beobachtet, dass die Pandemie erhebliche Auswirkungen auf den Betrieb und die Übergabe von gastronomischen Betrieben auf dem Land hat. Es gebe mehr Gastwirte, die mit dem Verkauf ihres Lokals nicht mehr warteten, bis sie das Rentenalter erreichen. „Das ist durch die Pandemie getrieben“, sagt Geschäftsführer Oliver Kasties. Aktuelle Zahlen lägen der Dehoga noch nicht vor.

Die Banken seien vorsichtiger mit der Kreditvergabe geworden. „Sie schauen auf die Umsätze der letzten Jahre“, berichtet er. Gleichzeitig scheuten Quereinsteiger in das Gastgewerbe zunehmend das wirtschaftliche Risiko. „Newcomer geben nicht mehr so leicht ihren festen Job auf“, sagt Kasties. Die besseren Karten hätten diejenigen Gaststätten die „ihr Konzept marktgerecht halten und regelmäßig investiert haben“, erklärt der Dehoga-Geschäftsführer.

Braband von Eichholz Immobilien schätzt die Lage ebenfalls als schwierig ein. Es gebe im dörflichen Bereich kaum eine Chance, Gaststätten, die noch den verblassten Charme früherer Jahrzehnte ausstrahlen, schon länger geschlossen seien, ein überholtes Geschäftskonzept hätten und zudem noch über einen ungünstigen Standort verfügten, an den Mann zu bringen. Im Gegensatz dazu stehe die Stadt Kassel, wo es viele Neueröffnungen gebe.

Und selbst wenn alle diese Hürden bewältigt seien, bleibe ein weiteres Problem. „Es fehlt an Man-Power“, sagt Braband. Viele Gastronomie-Mitarbeiter hätten sich wegen der Lockdowns einen anderen, sichereren Job gesucht und die Vorzüge geregelter Arbeitszeiten und eines ordentlichen Gehalts schätzen gelernt. „Da kann die Geschäftsübernahme daran scheitern, dass sich kein Koch findet“, so der Immobilien-Makler. Früher hätten Studenten gern in der Gastronomie gejobbt. Diese hätten festgestellt, dass ein Job in einem Corona-Testzentrum angenehmer und lukrativer ist.

Von Peter Dilling

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