Mehr Todesfälle in Pflegeheimen

Corona-Pandemie sorgt auch im Landkreis Kassel für höhere Sterblichkeit

Im Landkreis Kassel sind bis Ende Juni 226 Menschen an beziehungsweise mit Corona gestorben. Fast die Hälfte von ihnen (108) waren Bewohner von Pflegeheimen. Hier ist eine Frau am Rollator im Pflegeheim zu sehen.
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Im Landkreis Kassel sind bis Ende Juni 226 Menschen an beziehungsweise mit Corona gestorben. Fast die Hälfte von ihnen (108) waren Bewohner von Pflegeheimen

Im April 2020 lagen die Sterbefallzahlen laut dem Statistischen Bundesamt deutlich über dem Durchschnitt der Vorjahre. Auch im Landkreis Kassel sind seit Beginn der Corona-Pandemie mehr Menschen gestorben.

Kreis Kassel – Die Corona-Pandemie hat zu einer Übersterblichkeit in Deutschland geführt. Das zeigen Zahlen einer Sonderauswertung der vorläufigen Sterbefallzahlen, die das Statistische Bundesamt jetzt veröffentlichte. Im April 2020 lagen die Sterbefallzahlen demnach deutlich über dem Durchschnitt der Vorjahre. Auch im Landkreis Kassel sind seit Beginn der Corona-Pandemie mehr Menschen gestorben.

Ob dieser Anstieg aber ausschließlich mit Corona zusammenhängt oder mögliche andere Ursachen habe, lasse sich mit den vorhandenen Daten nicht feststellen, sagt Regine Bresler, Leiterin des Gesundheitsamts im Landkreis Kassel, auf Nachfrage unserer Zeitung. Im Zeitraum von März 2020 bis März 2021 sind im Landkreis Kassel laut Kreisverwaltung 3266 Menschen gestorben, davon 187 (5,7 Prozent) an beziehungsweise mit Covid-19.

In den vergangenen Jahren lagen die Zahlen im gleichen Zeitraum deutlich niedriger. So sind zwischen März 2019 und März 2020 3107 Menschen gestorben, zwischen März 2019 und März 2018 waren es 3059 Menschen, im Zeitraum von März 2018 und März 2017 gab es insgesamt 3029 Todesfälle. An Covid-19 sind bis Ende Juni im Landkreis Kassel insgesamt 226 Menschen gestorben, erklärt Gesundheitsamtleiterin Bresler. „Die verstorbenen Personen lebten in unterschiedlichen Kommunen über den gesamten Landkreis verteilt. Allerdings können unterschiedliche Altersstrukturen, eine dichtere Besiedelung und höhere Einwohnerzahl sowie größere Ausbrüche in einzelnen Gemeinden zu einer höheren Zahl an infizierten und verstorbenen Personen führen“, erläutert Bresler.

Im Vergleich sind im Landkreis Kassel mehr Menschen durch Corona gestorben, als in der Stadt Kassel, wo die Zahl bei 192 liegt. Auch in Pflegeheimen sind im Landkreis Kassel mehr Menschen mit Corona gestorben (108), als in der Stadt Kassel (67). Dabei müsse berücksichtigt werden, dass es im Landkreis mit 66 Einrichtungen deutlich mehr Pflege- und Altenheime gibt als in der Stadt Kassel, die über 25 solcher Einrichtungen verfüge. „Das könnte beim Unterschied in den absoluten Zahlen der Verstorbenen von Stadt und Landkreis eine Rolle spielen“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Damit entspricht der Landkreis Kassel dem Bundestrend. Nach Angaben des AOK-Bundesverbands lag die Sterblichkeit in Pflegeheimen in den ersten beiden Corona-Wellen im Frühjahr und Herbst 2020 deutlich über dem Mittel der Vorjahre. Demnach gab es im Frühjahr 20 Prozent mehr Todesfälle, von Oktober bis Dezember überstieg die Sterblichkeit das Niveau der Vorjahre um durchschnittlich 30 Prozent. Kurz vor dem Jahreswechsel, als gerade mit den ersten Impfungen begonnen wurde, gab es demnach sogar 80 Prozent mehr Sterbefälle in den Einrichtungen.(Von Daniel Göbel)

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