Nach Urlaub in Risikogebiet

Corona in Nordhessen: Mann aus Vellmar lebt freiwillig in Quarantäne

Hans Georg Trust lebt wegen Corona freiwillig in Quarantäne.
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Hans Georg Trust lebt wegen Corona freiwillig in Quarantäne.

Das Coronavirus breitet sich in Nordhessen aus. Hans Georg Trust aus Vellmar (Kreis Kassel) lebt deswegen freiwillig in Quarantäne.

  • Das Coronavirus breitet sich in Nordhessen aus.
  • Rückkehrer aus Risikogebieten sind besonders gefährdet.
  • Deshalb lebt ein Mann aus Vellmar (Kreis Kassel) freiwillig in Quarantäne.

In Stadt und Kreis Kassel gibt es derzeit mehr als 30 Menschen, die in Quarantäne leben – manche davon freiwillig, weil sie aus einem Corona-Risikogebiet zurückgekehrt sind. Einer von ihnen ist Hans Georg Trust aus Vellmar.

Anfang vergangener Woche sah die Welt noch anders aus: Hans Georg Trust und seine Frau Ursula genossen den Skiurlaub in Südtirol, Luttach im Ahrntal, Zillertaler Alpen. Da lässt es sich aushalten. Doch alles entwickelte sich nicht so wie gedacht. Mittlerweile befindet sich das Ehepaar aus Vellmar in häuslicher Quarantäne – freiwillig. Eine Vorsichtsmaßnahme nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt.

Corona Nordhessen: Mann kehrt aus Risikogebiet zurück - und lebt jetzt in Quarantäne

Das Ganze hat mit dem Coronavirus zu tun – wie so vieles in diesen Tagen. Mitte vergangener Woche gab es erste Anzeichen für diese Entwicklung. Da lief der Skibetrieb zwar noch im Ahrntal, aber es gab in der Gegend erste Nachrichten von abgesagten Reisen einzelner Gruppen aus Deutschland, wie Trust berichtet.

Das Unverständnis der örtlichen Hotelbetreiber und Gastronomen wich bald einer allgemeinen Einsicht. Schließlich spitzte sich die Lage in Norditalien zu, die Zahl der am Coronavirus Erkrankten stieg mit jedem Tag. „Das Bewusstsein dort hat sich schlagartig geändert“, sagt Trust. Als er und seine Frau am Sonntag ganz regulär die Heimreise antraten, zeichnete sich schon ab, dass in Bälde nichts mehr laufen würde in ihrem Urlaubsort. Mittlerweile stehen die Skilifte dort still, die Touristen sind verschwunden.

Coronavirus: Nicht leicht, beim Gesundheitsamt durchzukommen

Auch die Trusts sind wieder zu Hause. Sie zeigen keinerlei Symptome einer Erkrankung. Weil sie aus einem Corona-Risikogebiet gekommen sind, meldeten sie sich am Montag aber gleich beim Gesundheitsamt. „Es war gar nicht so leicht, dort durchzukommen“, sagt Trust. Er war offenbar nicht der einzige Anrufer. Das Gesundheitsamt riet ihm und seiner Frau, vorerst Kontakte zu anderen Menschen zu vermeiden.

Trust hat dann entschieden, alle Termine abzusagen. Der 67-Jährige ist Erster Stadtrat in Vellmar (Kreis Kassel), für die Woche standen diverse Termine im Rathaus an. Stattdessen sitzen er und seine Frau nun zu Hause. Die Tochter erledigt die Einkäufe und kommt ab und zu vorbei, wobei alle darauf achten, sich nicht zu nahe zu kommen.

Quarantäne wegen Coronavirus: Mann aus Kreis Kassel isoliert Zuhause

Was aber tun isoliert zu Hause? Langeweile kommt zumindest nicht auf. Trust engagiert sich ehrenamtlich in einem Verein, der Hilfe zur Selbsthilfe in Gambia organisiert. Dafür kann er Schreibarbeit leisten. Und vormittags liest er ausgiebig die HNA.

Außerdem bekommen er und seine Frau viele Anrufe – unter anderem von seiner Schwester. Die wohnt in Marburg und war kürzlich auch in Italien. Sie wurde nach ihrer Rückkehr von den Behörden aufgefordert, einen Coronatest zu machen, weil sie Erkältungssymptome zeigte. Der Test verlief negativ.

Corona in Nordhessen: Quarantäne als Vorsichtsmaßnahme

Trust unterstützt die Vorsichtsmaßnahmen. Auch deshalb ist er freiwillig in Quarantäne gegangen. Allerdings versteht er nicht, warum es keine bundeseinheitlichen Regelungen beim Umgang mit dem Virus gibt – etwa, was die Absagen von Großveranstaltungen betrifft.

Trust geht davon aus, dass er und seine Frau noch ein paar Tage zu Hause verbringen werden, ehe sie wieder – im wahrsten Sinne des Wortes – unter Leute gehen. Eine an sich vorgesehene Reise für nächste Woche ist schon abgesagt. Eigentlich wollte der pensionierte Lehrer erneut zum Skifahren – als Skilehrer mit seiner ehemaligen Schule in Hofgeismar. Doch die Freizeit findet nicht statt. Es sollte nach Südtirol gehen - ein Corona-Risikogebiet.

Coronavirus: das sollten Rückkehrer aus Risikogebieten beachten 

Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt Personen, die sich in einem vom Institut ausgewiesenen Corona-Risikogebiet aufgehalten haben, unnötige Kontakte zu vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben. Das gelte laut Mitteilung des RKI ebenso für Personen, die sich in einem besonders betroffenen Gebiet in Deutschland aufgehalten haben. 

Beim Auftreten von Symptomen sollten Betroffene nach telefonischer Voranmeldung einen Arzt aufsuchen. Auch Reisenden aus Regionen, die kein Risikogebiet sind, in denen aber Infektionen nachgewiesen wurden, sollten nach Möglichkeit unnötigen Kontakt vermeiden. Für sie gilt ebenso: Bei Symptomen sofort einen Arzt kontaktieren.

Von Florian Hagemann

Die Stadt Kassel hat wegen des Coronavirus zahlreiche Großveranstaltungen abgesagt. Auch Kinos und Diskotheken wurden geschlossen.

Inzwischen wurde wegen des Coronavirus die erste Schule im Kreis Kassel geschlossen.

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