Damit der Raps im Frühjahr goldgelb blüht

Mit dem Landwirt durchs Jahr: Die Aussaat steht im September im Mittelpunkt

Das Bild zeigt Landwirt Jochen Deichmann mit den von einem Fungizid ummantelten winzigen Rapssamen vor der Sämaschine.
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Landwirt Jochen Deichmann mit den von einem Fungizid ummantelten winzigen Rapssamen vor der Sämaschine.

Mit jedem Jahr gibt es weniger landwirtschaftliche Betriebe. Was früher in der Region zum Alltag gehörte, ist heute nur noch für wenige Hauptberuf. Ein Jahr begleiten wir Landwirte bei ihrer Arbeit.

Kassel – Goldgelb wiegen sich die Blüten des Raps im Frühling im Wind – ein beliebtes Fotomotiv. Auch Landwirt Jochen Deichmann aus Harleshausen freut dieser Anblick: „Das zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht“. Bevor es aber so weit ist, gilt es aber erst einmal das Korn aufs Feld zu bringen.

Die Rapsausaat beginnt meist schon in der zweiten Augusthälfte. Allerdings hat das Wetter ein Wörtchen mitzureden. Daher war Deichmann in diesem Jahr Anfang September noch mit der Saat beschäftigt. Bevor die Körner aus der Sämaschine rieseln, muss er aber den Boden vorbereiten. Damit wird schon im Vorjahr begonnen, wenn die Stoppeln des Getreides mit dem Grubber flach in den Boden gearbeitet werden.

Im Anschluss wird mit Gülle-Überresten aus der Biogasanlage gedüngt. Dann heißt es warten. Denn bei der Ernte verlorene Körner und Unkraut sollen keimen. Auch diese Pflänzchen werden wieder in den Boden eingearbeitet, dasselbe gilt für angebaute Zwischenfrüchte wie Ölrettich oder Senf, sagt Deichmann.

Auch kurz vor der Saat wird gegrubbert und mitunter gepflügt. „Wie oft, das hängt vom Wetter ab. Ziel ist, wie in jedem Garten, ein krümeliger, lockerer Boden“, sagt Deichmann. 50 Samen sind es pro Quadratmeter, deutlich weniger als bei Getreide wie Weizen. „Aber die Pflanzen werden auch wesentlich größer und breiter“, sagt Deichmann. Natürlich schaffe es längst nicht jeder Samen bis zur ausgewachsenen Pflanze. Raps ist empfindlich.

„Er wächst in seiner Jugendphase sehr langsam und hat wenig Kraft“, sagt er. Besonders gefährlich kann ihm die Schnecke werden, die bei feuchtem Wetter oft unterwegs ist. Dann kommt Schneckenkorn zusätzlich zu anderen Pflanzenschutzmitteln zum Einsatz. Zu sehr dürfen die Pflanzen vor dem Winter aber auch nicht wachsen „Hebt die Knospe vom Boden ab und es gibt Frost, dann friert sie ab und gibt keinen Ertrag.“

Fast ein ganzes Jahr steht der Raps auf dem Feld, bis er, meist im Juli, geerntet wird. Deichmann bringt seine Ernte dann in den Landhandel. Wichtig ist die Masse pro Hektar und der Ölgehalt, um damit gut zu verdienen, erklärt er. Die Möglichkeit, den Raps auf seinem Hof in Harleshausen zu lagern hat der Ein-Mann-Betrieb nicht. „Raps ist sehr aufwendig in der Lagerung, er schimmelt leicht.“ Der Raps könnte aber wieder auf dem Hof landen, als Diesel im Tank, Öl in der Speisekammer oder Futter im Trog. Raps ist trotzdem längst nicht die beliebteste Ackerfrucht im Landkreis.

Sie wird nur auf einem Drittel der Fläche des Spitzenreiters Winterweizen angebaut. Und sogar noch 2018 war es deutlich mehr, sagt Stefanie Wittich-Vogel vom Kreisbauernverband. Trockenheit und Krankheiten hätten den Rapsanbau teuer gemacht. „Aber aktuell sind die Preise gut“, sagt Deichmann, der auf 16 seiner 80 Hektar Ackerbaufläche Raps anbaut. Außerdem schätzt er an der Ölfrucht, dass sie für einen lockeren, fruchtbaren Boden sorgt und so gute Voraussetzung für die Folgekultur schafft.

Etwa für Gerste, Roggen und Weizen, deren Aussaat als Nächstes ansteht. Immer wieder heißt es in diesen Wochen grubbern, düngen, säen. „Der Herbst ist mitunter schon eine extrem arbeitsintensive Zeit“, sagt Deichmann. Da freue er sich fast auf den Winter mit der Büroarbeit. Dabei schätzt er es in seinem Beruf eigentlich besonders, so oft draußen und in der Natur zu sein. „Da kriegt man den Kopf frei.“ (Michaela Pflug)

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