Das Ausbildungsjahr beginnt

Im Landkreis gibt es noch über 500 freie Ausbildungsstellen

Hier fliegen die Funkten: Eine Auszubildende zur Schweißerin arbeitet in einem Ausbildungszentrum an einem Stück Metall.
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Hier fliegen die Funkten: Eine Auszubildende zur Schweißerin arbeitet in einem Ausbildungszentrum an einem Stück Metall.

Bald beginnt das Ausbildungsjahr, doch im Kreis Kassel sind weder alle freien Ausbildungsplätze besetzt, noch haben alle Schulabgänger eine Stelle gefunden.

Kreis Kassel – Doch woran liegt es, dass noch über 500 freie Stellen verfügbar sind, gleichzeitig aber noch viele Jugendliche ohne Ausbildungsplatz dastehen? Gründe dafür seien unter anderem zu festgefahrene, konkrete Berufswünsche und Unsicherheit beim Bewerbungsverfahren während Corona.

„Wer noch keinen Ausbildungsplatz hat, kann sich auch jetzt noch mit dem Sommerzeugnis für eine Stelle im Landkreis mit Start in diesem Jahr bewerben“, versichert Thomas Fölsch, Bereichsleiter für Aus- und Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg. Es seien bei weitem nicht alle freien Ausbildungsplätze ausgeschrieben: „Die Jugendlichen sollten unbedingt proaktiv Bewerbungen schreiben“, empfiehlt er. Nur nach ausgeschriebenen Stellen suchen, reiche nicht aus.

Kreis Kassel: mehr als 500 freie Ausbildungsstellen

Die Bewerbungs- und Auswahlprozesse hätten sich im Vergleich zu den Jahren vor Corona um mehrere Monate nach hinten verschoben. „Es ist also noch nicht zu spät, eine Stelle für das aktuelle Ausbildungsjahr zu bekommen“, betont Fölsch. Besonders in Mint-Berufen (Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaft und Technik) gebe es noch zahlreiche freie Stellen.

Thomas Fölsch

Cornelia Harberg, Sprecherin der Agentur für Arbeit ergänzt: „In der Hotellerie sind die Bewerbungen im Vergleich zum Vorjahr um fast 60 Prozent zurückgegangen“, so kämen im Landkreis auf sieben ausgeschriebene Stellen nur drei Bewerber. Im Gegensatz dazu könnten Jobs wie beispielsweise im Sekretariat ein Plus von 4,2 Prozent mehr Bewerbern verzeichnen. „Zum Teil werden die freien Stellen wegen der aktuellen Situation gar nicht mehr so früh gemeldet. Es bestehen also gute Chancen, sich jetzt noch mit Erfolg zu bewerben.“

Nicht alle Schulabgänger haben einen Ausbildungsplatz

Bei vielen Jugendlichen herrsche Unsicherheit. „Es fehlen die Plattformen fürs persönliche Kennenlernen und zur Orientierung“, erklärt Harberg. Coronabedingt konnten Ausbildungsmessen und Berufsberatungstage an Schulen nicht wie gewohnt stattfinden und der persönliche Erstkontakt sei entfallen.

Zahlen bilden Markt nicht zu 100 Prozent ab

Stand Juni hat die Agentur für Arbeit noch 579 freie Ausbildungsplätze im Landkreis Kassel zu verzeichnen. Das sind 10,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf 984 gemeldete Ausbildungsstellen kämen 1009 gemeldete Bewerber. Das seien 15,6 Prozent weniger Bewerber auf etwa 2 Prozent weniger Ausbildungsplätze als im Jahr 2020.

Jedoch bilden diese Zahlen nicht 100 Prozent des Marktes ab, da Betriebe nicht dazu verpflichtet sind, Ausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit zu melden. Auch nicht jeder Bewerber melde sich bei der Agentur, um Hilfe bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu bekommen, erklärt Cornelia Harberg von der Agentur für Arbeit.

„Einige Betriebe im Landkreis suchen noch händeringend nach Auszubildenden“, sagt Sabine Aue, Leiterin der Abteilung Berufsbildung bei der Handwerkskammer. Das liege auch daran, dass wegen Corona die Schulpraktika ausgefallen seien. Dabei würden sich sonst häufig Kontakte zwischen Jugendlichen ud Betrieben ergeben.

Landkreis Kassel hat noch über 500 offene Ausbildungsplätze

Sie empfiehlt den Schulabgängern, sich nicht ausschließlich auf einen einzigen Traumjob zu bewerben. Wegen den ausgefallenen Messen fehlten teils die Ideen für Alternativen. Aue rät, sich vor allem online über weitere Optionen auf den einschlägigen Portalen zu informieren, denn auch wegen Corona eingeschränkte Betriebe bilden weiter aus. (Theresa Lippe)

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