Volks- und Raiffeisenbank überlässt Sparkasse das Feld

Das Filialsterben im Landkreis Kassel geht weiter

Standorte der Banken und Sparkassen im Landkreis Kassel
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Standorte der Banken und Sparkassen im Landkreis Kassel

Die Volks- und Raiffeisenbanken in der Region stampfen weitere Filialen ein. Sie überlassen der Sparkasse vor allem im Kasseler Osten zunehmend das Feld.

Kreis Kassel – Anfang 2020 wurde die Filiale der Raiffeisenbank Baunatal in Fuldabrück-Bergshausen geschlossen, dann die Filiale der Volksbank Kassel Göttingen in Denn-/Dittershausen. Nun hat Niederkaufungen keine Raiffeisenbank mehr: Die Filiale an der Leipziger Straße gibt es nicht mehr.

Darauf hatte uns ein Leser aufmerksam gemacht: Zuerst sei der Kontoauszug-Drucker einer Zimmerpflanze gewichen, dann sei zu gemacht worden. Es gibt zwar noch das Servicecenter in Oberkaufungen. Der Leser fragt jedoch: „Wie sollen ältere Menschen, die nicht mobil sind und wenig mit Computern am Hut haben, an Bargeld kommen?“

Peter Hammerschmidt von der RB Baunatal bestätigt die Schließung in Niederkaufungen. Laut dem Marketingleiter prüft die Bank regelmäßig, wie Kunden die Servicestellen nutzen. Die Selbstbedienungs-Stelle im Handelshof habe sich nicht mehr gelohnt, und Kunden hätten sich für die Oberkaufunger Filiale SB-Geräte gewünscht.

Die Bank unterzieht sich einer Sparkur und hat in den vergangenen fünf Jahren 11 der 16 Filialen geschlossen. Hammerschmidt begründet das auch mit dem Kundenverhalten. Kontaktloses Zahlen löse Bargeld ab. Alles wandere ins Netz – und Filialen werden weniger genutzt.

Hammerschmidt kennt die Bargeldproblematik älterer Menschen. Dem ließe sich vorbeugen, indem Betroffene frühzeitig planten und Familienmitglieder oder Vertraute mit Vollmachten ausstatten. Dazu berate die Bank.

Auch die Volksbank Kassel Göttingen spart. Sie hat vier Filialen in fünf Jahren geschlossen. Wie Peter Mühlhaus mitteilt, betreibt sie noch 14, vor allem in Kassel und in Kommunen nördlich der Stadt. Laut dem Sprecher gilt auch hier: Kleine Filialen lohnen sich immer seltener.

Als Genossenschaftsbank müsse man wirtschaftlich handeln. Gleichzeitig hätten Kunden andere Anforderungen. Kleinere Geldgeschäfte erledigten sie online, größere im persönlichen Kontakt. „Man trifft sich seltener, aber wenn, gibt es intensiveren Beratungsbedarf bei den Kunden“, sagt Mühlhaus.

„Die Nutzung unserer Online-Angebote steigt stetig. Dieser Trend ist in allen Altersgruppen zu verzeichnen“, sagt Michael Feiler von der RB Hessen-Nord. Für weniger internetaffine Kunden biete man die Telefonfiliale an. Für Einkäufe müssten Kunden oft eh in größere Orte fahren, die auch Banken und so die Möglichkeit der Bargeldabhebung bieten. In den vergangenen fünf Jahren habe die Bank im Kreis Kassel nur eine Filiale geschlossen – in Calden-Westuffeln.

Auch die Kasseler Sparkasse stellt eine geringere Nachfrage nach Beratungsleistungen fest, sagt Sprecherin Kathrin Westphal. Daher habe man 2017 36 gering frequentierte Standorte in SB-Stellen umgewandelt. Mit 44 Beratungscentern und 54 SB-Standorten verfügt die Sparkasse in ihrem Geschäftsgebiet aber immer noch über das dichteste Netz aller Geldinstitute.

„Wir sind in jeder Kommune mit einem personenbesetzten Beratungscenter vertreten und haben das Beratungsangebot sogar ausgebaut“, so Westphal. Schließungen seien nicht geplant. (Michaela Pflug Und Moritz Gorny)

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