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Demenzstelle Barke sucht Ehrenamtliche

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Von: Michaela Pflug

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Setzen sich für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen ein: Brigitte Malkomes und Martina Buntins auf dem Parkgelände an der Beratungsstelle in Kaufungen.
Setzen sich für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen ein: Brigitte Malkomes und Martina Buntins auf dem Parkgelände an der Beratungsstelle in Kaufungen. © Michaela Pflug

Die Demenzstelle Barke kümmert sich um Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in den Kommunen südlich und östlich von Kassel. Jetzt sucht sie Verstärkung.

Kreis Kassel – Menschen mit Demenz benötigen häufig Betreuung rund um die Uhr und können nicht alleingelassen werden. Für die pflegenden Angehörigen ist das eine große Herausforderung. Es bleibt kaum Zeit für Entspannung, Erholung und Erledigungen. Hier kommen die Helfer der Demenzstelle Barke ins Spiel. Die sucht aktuell im Altkreis Kassel Ehrenamtliche wie Brigitte Malkomes, die Erkrankten Gesellschaft leistet und Angehörige so entlastet.

Die Niestetalerin hörte bei einem Kurs für pflegende Angehörige von der Demenzstelle und ist nun schon seit über fünf Jahren dabei. „Ich gehe zum Beispiel mit der Person spazieren, wenn der Angehörige etwas vorhat“, erklärt Malkomes ihre Aufgabe. Wenn das Gehen nicht mehr funktioniere, dann unternehme man eben eine Spazierfahrt. Es gehe darum, den Menschen zu aktivieren und zu motivieren, zu fördern, was noch da ist.

Daher wird auch viel gespielt – etwa ,Stadt, Land, Fluss’, Memory oder Spiele, die die Demenzstelle stellt. Dabei achtet Malkomes auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Menschen. So mache sie manchmal spezielle Kreuzworträtsel, wo es dann nicht so schlimm ist, wenn es nicht so passe. „Ich habe von einem Bekannten auch schon größere Spielfiguren von ,Mensch ärgere Dich nicht’ herstellen lassen.“ Im Alter lasse schließlich manchmal die Fingerfertigkeit nach. Auch die trainiere sie, hat etwa eine Art Decke zur Hand, die mit Knöpfen und Reißverschluss ausgestattet ist. Manchmal gehe es aber auch nur darum, da zu sein, acht zu geben oder zuzuhören.

„Man lernt von diesen Menschen, hört interessante Geschichten von früher“, erklärt die Niestetalerin. Das Ehrenamt, das sie seit über fünf Jahren ausfüllt, sei für sie eine Bereicherung und sinnstiftend. Es helfe im Moment zu sein, sich auf das Hier und Jetzt zu fokussieren.

Auch zu den Angehörigen, die sie unterstützen, bauen Helfer wie Brigitte Malkomes eine Verbindung auf. Mitunter bleibe der Kontakt sogar über den Tod des Betroffenen bestehen. Manchmal nimmt die Hilfe auch ungewöhnliche Formen an: „Ich habe einmal einen Liebesbrief geschrieben.“ Sie habe sich in die Gedanken des Herren hereinversetzt, den sie betreut, vorformuliert, was er später geschrieben hat. Seine Ehefrau sei sehr berührt gewesen, sie habe die Liebesbekundungen ihres Mannes sehr vermisst.

Menschen mit Demenz verlören ihre Empathie, erklärt Martina Buntins, die die Demenzstelle leitet und auch Beratungen zum Thema Demenz in den neun beteiligten Kommunen anbietet. Buntins hat ein offenes Ohr für ihre aktuell 34 Ehrenamtlichen, vernetzt und organisiert Fortbildungen. „Vorerfahrungen braucht man nicht“, erklärt sie. Ein Ehrenamtlicher etwa sei aus dem Steuerrecht gekommen, auch das habe wunderbar geklappt. „Verantwortungsbewusstsein braucht man, Empathie und die Fähigkeit, zuzuhören.“ Auch mit der Berufstätigkeit lasse sich das Ehrenamt gut verbinden. Etwa zwei bis fünf Stunden betrage der Aufwand pro Woche, für den die Ehrenamtlichen mit acht Euro pro Stunde entschädigt werden.

Vorerfahrungen sind auch nicht wichtig, weil alle Ehrenamtlichen vor ihrem Einsatz geschult werden. Bei acht kostenlosen Schulungsterminen lernen sie mehr über Themen wie das Krankheitsbild, den Umgang mit Demenzkranken und ihren Angehören, Pflegeversicherung und Betreuungsrecht.

Anmeldung: Der nächste Qualifizierungskurs beim Zentrum für Demenz in Kassel beginnt am 7. Oktober. Anmeldung und weitere Informationen bei Martina Buntins, Tel.: 0 56 05/94 53 20.

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