Welleröder hält seltenen Nager mit der Kamera im Bild fest

Der Gartenschläfer ist zurück in Nordhessen

Der Gartenschläfer auf einem Moosbett.
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Der Gartenschläfer ist ein kleiner Verwandter des Siebenschläfers. Seine Bestände gehen stark zurück. In Nordhessen galt er als ausgestorben.

Einen ganz seltenen Gast durfte vor kurzem Guido Föbus auf seinem Balkon begrüßen: einen Gartenschläfer. Laut BUND Hessen ist es der erste gesicherte Nachweis in der Region seit Jahrzehnten. Die Aufnahme des gefährdeten Nagetiers gelang dem Welleröder mit einer Wildtierkamera.

„Er ist schon seit 2019 bei uns“, ist sich Föbus sicher. Immer mal wieder hatte er ein unbekanntes kleines Tier am Haus und auf den Balkonen gesichtet und ungewöhnliche Geräusche gehört. Er hielt es zuerst für eine Maus. „Ich habe mir dann eine Wildkamera zugelegt, um herauszufinden, was da bei uns herumläuft.“ Zuerst stellte er die Kamera im Garten auf und hielt so einige nächtliche Besucher fest. „Da waren Marder dabei, Katzen, Igel und Waschbären unterwegs.“ Den unbekannten kleinen Besucher allerdings sichtete er erst, als die Kamera auf dem höchsten Balkon am Haus stationiert wurde.

Nun gab es also Fotos von einem etwa 15 Zentimeter großen Tier mit auffälliger schwarzer Gesichtszeichnung und buschigem Schwanz. Viel weiter bei der Identifikation half das aber erst einmal nicht. Föbus’ Mutter brachte ihn dann auf die Idee, es könnte ein Siebenschläfer sein, aber auch der sieht anders aus. „Irgendwann ist mir eingefallen, dass ich die umgekehrte Bildersuche von Google nutzen könnte.“ Und tatsächlich: Treffer.

So sieht man ihn selten: Eigentlich ist der Gartenschläfer nachtaktiv.

Dann war es nur noch ein kurzer Weg zur Internetseite gartenschlaefer.de. Sein Hinweis inklusive Bildmaterial ermöglichte den Fachleuten des Projekts „Spurensuche Gartenschläfer“ die eindeutige Identifizierung der gefährdeten Art. „Wir staunten nicht schlecht“, sagt Susanne Steib vom BUND Hessen. „Zwar gibt es für den Kaufunger Wald Nachweise, diese sind allerdings Jahrzehnte alt. Bis dato galt die Art in der Region als verschwunden.“ In Hessen lebe der Gartenschläfer vor allem im Rhein-Main-Gebiet. Nun soll nachgeforscht werden, ob es auch in Nordhessen eine kleine Population gibt oder es sich um ein einzelnes Tier handelt, das zum Beispiel als blinder Passagier in einem Fahrzeug mitgereist ist. Susanne Steib erklärt: „Diesen Fall konnten wir bereits öfter dokumentieren. Die Tiere steigen ein, verkriechen sich im Fahrzeug oder dessen Ladung und werden mitunter viele hundert Kilometer transportiert.“

Der BUND bittet die Bürger in Söhre und Kaufunger Wald um Mithilfe. „Wer hat den Gartenschläfer bereits sichten können? Gibt es vielleicht einen ‚Mitbewohner‘ unter dem Dach, der ab und an Lärm macht oder Geräusche von Tieren, die sich nicht zuordnen lassen? Gibt es ungewöhnliche Fraßspuren an Obst? All dies können Anzeichen für die Anwesenheit von Gartenschläfern sein“, sagt Steib. Auch in Kassel habe es vor kurzem einen Verdachtsfall gegeben, allerdings noch keinen Nachweis. Dort sollen jetzt ebenfalls Kameras aufgestellt werden.

Das Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“ setzt auf Freiwillige 

Der Gartenschläfer (Eliomys quercinus) ist der kleine Verwandte des bekannteren Siebenschläfers. Er ist nachtaktiv und hält von Oktober bis April Winterschlaf. Diese Zeit verbringen Gartenschläfer in kugelförmigen Nestern, die sie in Baum- und Felshöhlen, Nistkästen aber auch im Gebüsch anlegen. Der Allesfresser ernährt sich von Insekten, Spinnen, Würmern, Schnecken und Eiern, aber auch Früchte, Samen und Knospen stehen auf dem Speiseplan.

Die Bestände gehen laut BUND europaweit seit Jahren stark zurück, und auch in Deutschland ist der Bilch gefährdet. Warum, das ist bislang noch unklar. Deshalb startete 2018 das Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“. Das Forschungsprojekt betreiben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung gemeinsam mit Mitteln des Bundesumweltministeriums. Ziel ist es, Ursachen für den Bestandsrückgang zu finden und daraus wirksame Schutzmethoden für die Tiere zu entwickeln.

Bei der Datenerhebung setzt das Projektteam auch auf Freiwillige. Auf gartenschlaefer.de können Bilder und Videos hochgeladen werden, aber auch Verdachtsfälle und Totfunde gemeldet werden.

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