Der Tod ist sein Beruf

Baunataler Bestattermeister Wicke benötigt viel Fingerspitzengefühl

Bestattermeister steht mit Urne in den Händen vor einem Altar.
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Arbeitet seit 25 Jahren im Familienbetrieb in Baunatal: Bestattermeister Heiko Wicke hat den Beruf seines Vaters übernommen.

Wie sieht eigentlich der Arbeitsplatz aus? In dieser Serie werfen wir einen Blick hinter die Kulissen und stellen Orte vor, die normalerweise verschlossen sind.

Baunatal – Für die meisten Menschen ist der Tod ein Tabuthema. Nicht so für Heiko Wicke. Der 43-Jährige arbeitet seit 25 Jahren als Bestattermeister im Familienbetrieb in Baunatal und wird täglich mit dem Ende des Lebens konfrontiert. „Ich bin mit dem Thema Tod aufgewachsen“, sagt er.

In seiner Kindheit hätte es in der Familie keine klassische Trennung von Beruf und Privatleben gegeben und so hätte sein Vater – ebenfalls Bestatter – oft beim Essen berufliche Themen besprochen. Heiko Wicke trennt Berufliches und Privates strikt. „Ich habe gelernt, die Arbeit nach dem Dienst nicht mit nach Hause zu nehmen.“

Das Anstrengendste an seinem Beruf sei der Umgang mit den Hinterbliebenen. Im Beratungsgespräch, bei dem alles Organisatorische und die Bestattung mit den Angehörigen besprochen wird, bedürfe es viel Fingerspitzengefühl, berichtet er. „Die einen wollen es ganz pompös, die anderen die günstigste Vari-ante, nur um ihrer Pflicht nachzukommen“, sagt Heiko Wicke. Da gebe es große Unterschiede. Heute gebe es 80 Prozent Feuerbestattungen und alles sei viel anonymer als früher, berichtet er.

Steriler Raum: Hier werden die Verstorben gewaschen und desinfiziert, bevor sie in den Sarg eingebettet werden.

Wenn ein Mensch verstorben ist, wird Heiko Wicke meistens telefonisch von den Angehörigen informiert und mit der Bestattung beauftragt. „Heute sterben die meisten in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen“, sagt er. Nur wenige müssten Zuhause abgeholt werden. Anschließend wird der Leichnam in das Bestattungshaus gebracht, wo er hygienisch versorgt wird. „Bevor ein Verstorbener im Sarg eingebettet wird, wird er gewaschen, desinfiziert und eingekleidet“, erklärt Wicke. Dafür gibt es im Bestattungshaus einen eigenen sterilen Raum.

Das Bestattungshaus Wicke arbeitet eng mit der Polizei zusammen. Mehrere Male im Jahr wird Heiko Wicke zu Tötungsdelikten gerufen, wie er berichtet. „Wenn wir ermordete Menschen abholen, müssen wir anschließend zur Polizei, um unsere DNA abzugeben“, sagt er. Selbst das sei für ihn nichts Ungewöhnliches. Es hätte sogar schon Tötungsdelikte gegeben, bei denen er anschließend vor Gericht angehört wurde, ob ihm bei der Abholung des Getöteten etwas aufgefallen sei.

Das, was für andere Menschen der absolute Horror ist, gehört für Heiko Wicke zu seinem Beruf. „Es gibt nichts, was mich besonders schockiert oder belastet“, sagt er. Dennoch gibt es Situationen, in denen auch Heiko Wicke ins Schwitzen kommt. Kürzlich bei einer Beerdigung in einem Waldstück hätte er eine Stunde zuvor bemerkt, dass das Grab nicht geöffnet war. „Um die Situation zu retten, habe ich einen Spaten organisiert und das Urnengrab selbst ausgehoben.“ Wenn sein Job auch nicht immer einfach ist, so versucht Wicke stets, nicht so viel an sich heranzulassen. Jedes Ereignis, was er sich zu Herzen nehme, sei eine Kerbe in seinem eigenen Leben,“ sagt er.

Von Tina Hartung

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