Dürre weiterhin ein Problem

Der Wald im Landkreis Kassel braucht weiter Regen

Einzelne Lärchen, junge Bäume und ganz viel kahle Fläche: So sieht es im Söhrewald derzeit aus. Das gibt laut Petra Westphal vom Forstamt Melsungen ganz gut den aktuellen Zustand des Waldes wieder. Die früheren Fichten sind dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. 
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Einzelne Lärchen, junge Bäume und ganz viel kahle Fläche: So sieht es im Söhrewald derzeit aus. Das gibt laut Petra Westphal vom Forstamt Melsungen ganz gut den aktuellen Zustand des Waldes wieder. Die früheren Fichten sind dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen.

Im Herbst zeigt sich der Wald von einer seiner schönsten Seiten. Doch in den vergangenen drei Jahren hat er extrem gelitten. Wir fragen nach, was der verregnete Sommer gebracht hat.

Kreis Kassel – Die Folgen von Dürre prägen das Waldbild: Abgestorbene Baumkronen und einzelne Lärchen ragen aus riesigen Kahlflächen in den Herbsthimmel.

Nach drei Jahren Trockenheit gab es in diesem Jahr endlich wieder mehr Niederschläge. Doch was haben die den Wäldern in der Region gebracht? Wir fragten nach, wie es dem Reinhardswald, Kaufunger Wald, der Söhre und dem Habichtswald geht.

Was hat der verregnete Sommer dem Wald gebracht?

Für die Bäume sei das Regenwasser aus dem Sommer ein echter Segen. Uwe Zindel vom Forstamt Wolfhagen relativiert das aber gleich: Die Niederschlagswerte entsprächen lediglich dem langjährigen Mittelwert. „Das ist der Stand, den wir seit 40 Jahren gewohnt sind.“ Allerdings habe es 2018 und 2019 ein Drittel weniger Niederschlag gegeben. Die Oberflächen bis 50 Zentimeter tief seien zwar durchnässt, aber in den tieferen Bodenschichten fehle noch immer Wasser. In Tälern gelangten Wurzeln bis zu eineinhalb Meter tief in die Erde, und da sei der Boden noch trocken, so Zindel.

„Wir haben immer noch ein enormes Wasserdefizit“, sagt auch Petra Westphal vom Forstamt Melsungen, das für den Söhrewald zuständig ist. Außerdem sei auch der September wieder sehr trocken gewesen.

Welche Arten sind besonders betroffen?

Besonders hart trifft es die Fichten. „Wir haben in den letzten drei Jahren fast den gesamten Fichtenbestand verloren“, sagt Klemens Kahle vom Forstamt Reinhardshagen. Von 6000 Hektar seien schätzungsweise nur noch 1000 übrig. Der Rest sei Kahlfläche. Im Kaufunger Wald leiden laut Raphael Wulf vom Forstamt Hessisch Lichtenau auch alte Buchen. Sie gewöhnten sich schwer an Wetterextreme.

Auch der Borkenkäfer hat Wald zerstört. Was bedeutet das feuchte, kühle Wetter für ihn?

Schäden durch den Borkenkäfer gab es zwar auch in diesem Jahr, eine vernichtende Welle blieb aber aus. Besonders Fichten hatten dadurch eine Erholungspause.

In der vergangenen Saison gab es im Kaufunger Wald bis zu vier Käfergenerationen, allein ein Käferpaar lege bis zu 1000 Eier, erklärt Wulf.

Was bedeuten die zunehmenden Starkregenfälle? Können die das nötige Wasser liefern?

Nein, das Wasser der Starkregenfälle rauscht quasi über die Bäche ab. Wasser helfe nur, wenn der Boden aufnahmefähig ist. Bei Starkregenfällen quillt aber nur die obere Fläche auf und bildet eine Sperrschicht, erklärt Zindel.

Was wird gegen das Baumsterben getan?

Die Forstämter versuchen, Teile der Kahlflächen wieder aufzuforsten. Im Reinhardswald sind laut Klemens Kahle 400 Hektar geschafft – ein Bruchteil der 5000 Hektar großen Kahlflächen. Ziel sei es, pro Jahr 100 Hektar aufzuforsten. Das sei enorm zeit- und arbeitsaufwendig, heißt es aus den Forstämtern. Immerhin habe der Regen im Sommer den jungen Bäumen geholfen, gut anzuwachsen.

Reicht das, um den Wald wieder herzustellen?

Neben der Aufforstung setzen die Forstämter auch darauf, dass sich Bäume selbst aussäen und verjüngen, wie es im Fachjargon heißt. Momentan gehen sie davon aus, dass sich die Lücken wieder füllen werden. „Aber wir und auch unsere Kinder werden das nicht mehr erleben“, sagt Klemens Kahle.

Was braucht der Wald jetzt?

Regelmäßig hohe Niederschläge. „Wir bräuchten drei Wochen am Stück Landregen“, sagt Uwe Zindel.

Wieso sind Regen und Schnee im Winter wichtig?

Um die Wasserspeicher wieder aufzufüllen, ist laut Westphal der Niederschlag im Winter entscheidend. Im Sommer verdunste viel Wasser und gelange nicht in den Boden.

Etwa die Hälfte der benötigten Niederschläge über das Jahr sollten daher optimalerweise im Winter fallen, erklärt Forstamtsleiter Zindel – am besten als Schnee. Denn so gelange das geschmolzene Wasser langsam in alle Bodenschichten. Diesen Puffer brauchen die Bäume im Frühling ab April zum Austreiben, so Zindel. Wenn der kommende Winter trocken werde, sei der Effekt aus dem Sommer verpufft.

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