Bundestagsabgeordneter

SPD-Politiker erhält Hass-Mail: „...dann geht es ins Arbeitslager“

SPD-Bundestagsabgeordneter Timon Gremmels steht vor dem Deutschen Bundestag in Berlin.
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SPD-Bundestagsabgeordneter Timon Gremmels

Von Verunglimpfungen bis Morddrohungen – Auch Timon Gremmels aus Niestetal, der für die SPD seit drei Jahren im Bundestag sitzt, hat bereits Hassmails erhalten.

Kreis Kassel - laut dem ARD-Magazin Kontraste sind Bundestagsabgeordnete immer häufiger Hassbotschaften ausgesetzt. Auch der heimische Bundestagsabgeordnete Timin Gremmels (SPD) ist betroffen. Kürzlich erhielt er eine E-Mail, die für ihn alles bisher Erlebte in den Schatten stellt. Wir sprachen im Interview mit ihm darüber.

Herr Gremmels, man hört immer wieder von Anfeindungen gegenüber Politikern. Wie sind Ihre Erfahrungen?
Ich war im hessischen Landtag und bin seit 2017 im Bundestag und habe immer mal wieder Mails bekommen, die im Ton rauer oder unfreundlich waren. Manchmal war es auch in persönlichen Diskussionen lauter und engagierter. Das war aber alles noch im Rahmen. Schließlich bin ich nicht aus Zucker, das halte ich aus.
Nun haben Sie allerdings wegen einer E-Mail Ihren Anwalt eingeschaltet. Was ist passiert?
Für einen HNA-Artikel wurde ich zur Corona-Demo in Berlin befragt und habe daraufhin meine Meinung gesagt. Einen Tag nach Veröffentlichung des Artikels bekam ich eine E-Mail. Darin standen Dinge wie ,Sie klaffendes Arschloch‘ oder folgender Satz: ,Irgendwann stehen wir mit Forken und Knüppeln vor dem Reichstag und dann geht es ins Arbeitslager. Und sie Froschvotze sind auch innerhalb des Zaunes.‘
Gibt es Regelungen innerhalb des Bundestages, wie Sie als Abgeordneter mit solchen Anfeindungen umgehen sollen?
Solche „Hasssprache“ per Mail oder in den sozialen Medien sollte zur Anzeige gebracht werden. Das habe ich getan. Es wird aber empfohlen, damit nicht an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Befürchtung ist, dass es Nachahmer geben könnte.
Warum gehen Sie dennoch damit an die Öffentlichkeit?
Ich finde, dass mit dieser Art von Beleidigungen und Drohungen eine Grenze überschritten wird. Manche Bundestagskollegen haben schon häufiger mit so etwas zu tun gehabt, bis hin zu offenen Morddrohungen auch gegen Familienangehörige. Wir müssen zeigen, dass wir das nicht mit uns machen lassen.
Haben Sie den Eindruck, dass der Hass gegenüber Politikern seit Beginn der Corona-Pandemie gewachsen ist?
Das ist kein so neues Phänomen. Es tritt eigentlich seit der Flüchtlingsbewegung 2015 verstärkt auf und wird auch durch die sozialen Medien erleichtert. Was mich aber überrascht ist, dass Beleidigungen und Verunglimpfungen dieser Art verstärkt mit dem echten Namen unterzeichnet werden.
Was bedeutet es aus Ihrer Sicht, wenn die Menschen mit Klarnamen unterschreiben?
Es scheint gesellschaftlich anerkannter zu sein, Menschen zu beleidigen. Natürlich kann es sich bei den Klarnamen auch um gefälschte Namen handeln, mit falschen E-Mail-Adressen und entsprechenden Profilen in den sozialen Netzwerken. Gleichzeitig glaube ich, dass die Hemmschwellen gesunken sind.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich wünsche mir weiterhin Diskussionen bis hin zum politischen Streit. Das darf auch ruhig mal lauter werden. Dabei muss es aber immer um Argumente gehen. Persönliche Angriffe und Drohungen haben hier absolut nichts zu suchen.

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