Digitales Signal für Warnton kommt nicht an

In der Region bleiben viele Sirenen still: Stadt Kassel äußert sich zu Problemen

Bleibt heute trotz Warntag stumm: Unser Bild zeigt eine Sirene neben der Naumburger Stadtkirche.
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Bleibt heute trotz Warntag stumm: Unser Bild zeigt eine Sirene neben der Naumburger Stadtkirche.

Pünktlich um 11 Uhr sollten am 10.09.2020 in ganz Deutschland die Sirenen für einen Probealarm ausgelöst werden - das hat jedoch nicht überall geklappt.

Update vom Donnerstag, 10.09.2020, 19.14 Uhr: Die Sirenen sollten in der Stadt Kassel – anders als im Kreis Kassel – heulen. Anlass war der bundesweite Warntag, um sicherzustellen, dass die Bevölkerung im Notfall auf diese Weise vor Katastrophen und Großschadensereignissen gewarnt werden kann. Das Problem: An manchen Orten in der Stadt war nichts zu hören, an manchen Orten war die Sirene nur sehr leise zu hören, und an manchen Orten ging sie erst ein paar Minuten nach dem angekündigten Beginn um 11 Uhr los.

Viele Leser meldeten sich daraufhin und brachten ihre Verwunderung zum Ausdruck: über die geringe Lautstärke in Wolfsanger, in Kirchditmold, in Harleshausen und der Stadtmitte und über die Stille in Wehlheiden. Auch bei der Kasseler Feuerwehr gingen viele Rückmeldungen ein.

Die Stadt Kassel bestätigte am späten Nachmittag, dass längst nicht alles glatt gelaufen ist bei diesem Probealarm. In einer Pressemitteilung heißt es: „Trotz der jährlichen Prüfung der Sirenenanlagen durch eine Fachfirma funktionierten einige Sirenen nicht wie gewünscht.“ Eine genaue Auswertung der Funktion der einzelnen Sirenen könne aber erst nach Eingang aller Rückmeldungen der eingesetzten Horchposten im Stadtgebiet erfolgen.

Dass manche der insgesamt 24 Sirenen im Stadtgebiet erst nach 11 Uhr und so vermeintlich mit Verspätung ertönten, war allerdings keine Panne. Die Stadt erklärt dies damit, dass die Auslösung in zehn Warngruppen nacheinander erfolgt sei. Deshalb seien nicht alle Sirenen gleichzeitig angelaufen.

Probleme gab es hingegen auch bei jenem Signal, das Entwarung bedeutet. Es sollte bei allen Sirenen ab 11.20 Uhr ertönen. Allerdings, so heißt es von der Stadt: „Technisch bedingt konnte dieses Signal nicht von der Leitstelle ausgelöst oder von den Sirenen nicht empfangen werden. Fachkräfte analysieren zurzeit die Ursache hierfür. Durch die Leitstelle wurde – schnell entschlossen – ein Probealarm ausgelöst, wodurch die Sirenen für zehn Sekunden im Dauerton heulten.“

Aber nicht nur Kassel meldete Schwierigkeiten bei diesem bundesweiten Warntag. So kam es etwa laut zuständigem Bundesamt auch beim Auslösen von unterschiedlichen Warnapps zu zeitlichen Verzögerungen. (ali/hag)

Erstmeldung vom 10.09.2020: Kreis Kassel - Doch im Regierungsbezirk Kassel blieben die Sirenen heute still – außer in der Stadt Kassel. „Hier im Regierungsbezirk, also in ganz Nord- und Osthessen, sind die Sirenen analog geschaltet“, erklärt Niklas Gries, stellvertretender Pressesprecher im Regierungspräsidium Kassel. Das digitale Signal kommt dort nicht an.

Die Sirenen sind in der Regel an den Feuerwehrgerätehäusern angebracht und werden von den Leitstellen betrieben. Für die Stadt und den Landkreis Kassel betreibt die Berufsfeuerwehr Kassel die gemeinsame Leitfunkstelle. Das Problem: An den meisten Sirenen fehlt das Sirenensteuergerät, das die Verbindung zum digitalen Tetra-Netz in der Leitstelle herstellt. „Das ist wie ein Empfangsgerät“, sagt Thomas Finis, Brandschutzdezernent im Regierungspräsidium Kassel (RP). Vielen Feuerwehren fehlt dieses digitale Empfangsgerät noch. „Das ist noch in der Umstellung“, sagt Finis.

Zwar hätte man das Signal auch analog auslösen können, erklärt Marc Schölzel, Fachdienstleiter Zivil- und Katastrophenschutz beim Landkreis Kassel. Doch dann wäre statt des Warnsignals in den Kommunen der Feueralarm ausgelöst worden. „Das würde am Ziel vorbeigehen und wäre möglicherweise sogar kontraproduktiv“, sagt Schölzel. Schließlich sei der Warntag dafür da, die Bevölkerung für das Warnsignal zu sensibilisieren. „Der Feueralarm hat eine andere Tonfolge als die Sirene“, erklärt Thomas Finis.

Deshalb hat man sich im Regierungsbezirk Kassel – zu dem neben der Stadt Kassel die Landkreise Kassel, Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder, der Werra-Meißner-Kreis, Hersfeld-Rotenburg und Fulda gehören – in Absprache mit dem Hessischen Innenministerium und dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) dazu entschieden, die Sirenen am Donnerstag (10.09.2020) nicht analog auszulösen. Nur wer die gängigen Warn-Apps auf seinem Handy installiert hat, hat von der Alarmierung erfahren. Denn auch die Warn-Apps KatWarn, HessenWarn, NINA und BIWAPP wurden um 11 Uhr zentral ausgelöst.

Alle Städte und Gemeinden im Landkreis sowie die Feuerwehren wurden durch den Kreisbrandinspektor darüber informiert, dass der Alarm nicht analog ausgelöst wird. „Auch hat das BBK zugesagt auf den bundesweiten Flickenteppich bei den Sirenen hinzuweisen, sodass es nicht zu Missverständnissen in der Bevölkerung oder Irritationen kommt“, erklärt der Pressesprecher des Landkreises Kassel, Andreas Bernhard.

Denn natürlich besteht das technische Problem nicht nur im Regierungsbezirk Kassel, sondern in vielen Regionen in Deutschland. Im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern ist Hessen beim Ausbau der digitalen Infrastruktur sogar schon relativ weit, erklärt Schölzel. „Das Land Hessen hat eines der leistungsfähigsten Digitalfunknetze in Deutschland“, sagt Schölzel.

Beim Sprechfunk wird schon fast flächendeckend die digitale Technik benutzt, erklärt Finis. Dafür habe der Bund das sogenannte Tetra-Netz aufgebaut, einen Standard für digitalen Bündelfunk. Damit können sich die Einsatzkräfte zum Beispiel digital am Einsatzort oder mit den Leitstellen verständigen. „Auch die Leitstellen in Hessen werden sukzessive auf digitale Technik umgestellt“, sagt Finis.

In den kommenden zwei bis drei Jahren sollen auch die Sirenen an das Digitalfunknetz angeschlossen werden. Beim nächsten bundesweiten Warntag wird es dann auch im Landkreis laut werden. (Amira Sayed El Ahl)

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