Regionalversammlung tagte in Kasseler Regierungspräsidium

Zukunft des Einzelhandels: Mittelzentren sind Verlierer

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Blick auf den Baunataler Marktplatz: Die Geschäfte in Mittelzentren wie Baunatal leiden unter dem Onlinehandel und deshalb wechseln dort häufig die Inhaber. 

Kreis Kassel. Wie steht es um den Einzelhandel in der Region? Und vor allem: Was wird aus ihm? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Haupt- und Planungsausschuss der Regionalversammlung Nord- und Osthessen in seiner Sitzung am Montag im Kasseler Regierungspräsidium.

Experten aus den Bereichen Markt- und Absatzforschung, Unternehmens- und Kommunalberatung und Stadtplanung erläuterten den Zustand des Einzelhandels in Nordhessen, prognostizierten dessen Entwicklung und lieferten Lösungsansätze für akute und sich abzeichnende Probleme.

Die Probleme

Der Onlinehandel bereitet dem Einzelhandel Probleme – vor allem in den Innenstädten und gerade in den Sparten Bücher, Schuhe, Bekleidung und Elektrogeräte. Das ist soweit nichts Neues. In Großstädten werde dies auf lange Sicht jedoch nicht zu einem Einbruch beim Einzelhandelsumsatz führen. Das geht aus Prognosen von Dr. Lademann & Partner, einer Unternehmens- und Kommunalberatung mit Sitz in Hamburg, hervor.

Verlierer sind Mittelzentren, deren Einwohnerzahl deutlich zurückgeht oder die zu nah an sich gut entwickelnden Oberzentren liegen, sagt Diplom-Geographin Sandra Emmerling, geschäftsführende Gesellschafterin von Dr. Lademann & Partner.

Probleme seien unter anderem der demografische Wandel und die damit verbundene Frage nach der Altersnachfolge sowie die starre Haltung der Immobilieneigentümer hinsichtlich des Mietniveaus. Dadurch würden viele Mittelzentren bis 2024 rund ein Viertel des Umsatzes verlieren. Liegt eine kleinere Stadt dann noch in unmittelbarer Nähe zu einer Großstadt – wie etwa Kassel – sieht die Prognose noch schlechter aus. Baunatal und Vellmar gelten daher als weniger zukunftsfähig als Schwalmstadt, Frankenberg, Eschwege, Korbach oder Bad Hersfeld. „Solche Städte (wie Baunatal oder Vellmar) sind stabil, werden sich aber nicht weiterentwickeln lassen“, sagt Emmerling.

Die Lösungsansätze

Die gute Nachricht vorweg: Die Grundversorgung – also der Lebensmittelhandel – ist noch ein gutes Stück entfernt davon, flächendeckend online gewährleistet zu werden. Trotzdem: Eine Stagnation des Onlinehandels ist nicht in Sicht. Deshalb müsse Innenstadt neu definiert werden, sagte Dr. Stefan Holl, Geschäftsführer der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung in Ludwigsburg. Eine Gemeinde müsse neben dem Einzelhandel „mehrere Eisen im Feuer haben“, um zukunftsfähig zu bleiben. Demnach sollten auch Gastronomie, Dienstleistungen, Wohnen, Tourismus, die Aufenthaltsqualität, Wochenmärkte sowie Orte für Feste und Veranstaltungen gefördert werden.

Außerdem müssten der Einzelhandel digitalisiert und visionäre Konzepte entwickelt werden, um Umsatzeinbrüche in kleineren Städten zu verhindern, sagt Emmerling. „Eine Trennung in stationär und online ist nicht zielführend, da der Kunde nicht in Kanälen denkt.“

Die Bedürfnisse

Was zieht Menschen in Innenstädte? Neben einem vielfältigen Angebotsmix aus Gastronomie, Unterhaltung und Waren spiele die Aufenthaltsqualität eine große Rolle, sagt Emmerling. Städte mit historischem Stadtkern – wie Bad Hersfeld – könnten deshalb beim sogenannten „Erlebnisshopping“ punkten. Boden gut machen könnte der Einzelhandel darüber hinaus in Bereichen, in denen Beratung und Service eine Rolle spielt.

Was ist die Regionalversammlung?

Die Regionalversammlung Nordhessen ist das Bindeglied zwischen der kommunalen Ebene und der Landesplanung. Ihre Mitglieder werden von den Kreistagen und kreisfreien Städten gewählt. In der Regionalversammlung sitzen Vertreter der Landkreise Kassel, Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg, Werra-Meißner und Fulda sowie der Stadt Kassel. 

Organe sind der Haupt- und Planungsausschuss, der die Beschlüsse der Versammlung vorbereitet, der Zentralausschuss, der unter anderem Stellung zu Fachplanungen bezieht, und das Präsidium. An der Spitze der Regionalversammlung steht Horst Hannich, Vorsitzender des Kreistags Hersfeld-Rotenburg.

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