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DLRG und Aquapädagogen kritisieren Absenkung der Temperatur im Auebad

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Von: Theresa Novak

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Wegen der Energiekrise wird in den Bädern in der Region die Wassertemperatur heruntergeschraubt, darunter leidet auch die Schwimmausbildung.
Wegen der Energiekrise wird in den Bädern in der Region die Wassertemperatur heruntergeschraubt, darunter leidet auch die Schwimmausbildung. © Julian Stratenschulte/dpa

Schwimmlehrer kritisieren die Absenkung der Temperaturen in Bädern - auch im Kasseler Auebad.

Kreis Kassel – Wegen Corona sind in der Vergangenheit viele Schwimm- und Wassergewöhnungskurse für Babys und Kleinkinder ausgefallen. Seit einiger Zeit gibt es zwar wieder Angebote, doch nun werden erneut Kurse abgesagt.

Denn: Für kleine Kinder ist zum Beispiel das Wasser im Freizeitbecken im Auebad, wo aus Kapazitätsgründen zurzeit viele Kurse stattfinden, zu kalt. Das sagen Kursleiter aus dem Landkreis, die unter anderem in dem Kasseler Schwimmbad arbeiten. Statt 30 herrschen im Freizeitbecken jetzt nur noch 28 Grad. Im Plansch- und Lehrschwimmbecken ist dagegen nichts verändert worden, die Wassertemperatur beträgt weiter 29 Grad.

Die Kurse können allerdings laut Baby- und Kleinkinderschwimm-Therapeutin Susanna Eckhardt zurzeit nicht in dem wärmeren Becken stattfinden. Dieses sei durch die Schwimmkurse, in denen Kinder zum Beispiel das Seepferdchen machen, „total ausgebucht“.

Auf Nachfrage unserer Zeitung verweisen Stadt Kassel und Städtische Werke lediglich darauf, dass die Stadt die Entscheidung zur Absenkung im Freizeitbecken getroffen habe, um Energie zu sparen. Eine Reduzierung um zwei Grad ermögliche eine Einsparung um etwa zwölf Prozent Energiekosten.

Für viele Betroffene ist das „sparen an der falschen Stelle“. Aquapädagogin Irmtraud Wallbach aus Kaufungen sagt etwa: „Je jünger die Kinder, desto weniger gut sind sie in der Lage, Temperaturen mit ihrem Körper auszugleichen. Babys können das erst recht noch nicht.“ Zwei Grad hörten sich nicht viel an. Doch der Unterschied sei enorm.

Susanna Eckhardt gibt Babyschwimm- und Wassergewöhnungskurse in Niestetal und Kassel. Ihren aktuellen Kurs im Auebad will sie noch regulär beenden, doch den nächsten hat sie abgesagt. „Ich hätte am 31. Oktober wieder gestartet, aber ich habe jetzt allen Eltern gesagt, dass es im Wasser zu kalt ist und ich das nicht verantworten kann. Die frierenden Kinder tun mir leid, da hat dann niemand Spaß mehr.“ 60 Familien seien von der Absage betroffen.

Kolleginnen von Eckhardt sind bereits mit ihren Kursen in die Kasseler Therme ausgewichen, wo die Wassertemperatur weiterhin 31 Grad im Innenbecken beträgt. Allerdings: „Der Eintritt ist dort teurer, es ist für die meisten ein weiterer Anfahrtsweg und nicht alle Kurse können aus Kapazitätsgründen dorthin verlegt werden.“

Gunnar Ranft, Vorsitzender der DLRG Baunatal und der Schwimmschule Baunatal findet 28 Grad Wassertemperatur für kleine Kinder, „die sich noch nicht intensiv im Wasser bewegen“, ebenfalls zu kalt. „Die Kleinen kühlen schnell aus, Babys sowieso. Nach 15 Minuten spätestens haben die Kinder bei solchen Temperaturen blaue Lippen und schlottern nur noch. Damit nimmt man ihnen den ganzen Spaß.“

In seinem Heimschwimmbad in Baunatal ist die Wassertemperatur nicht abgesenkt worden. Im Erlebnisbecken sind es 29 bis 30 Grad, im Schwimmerbecken 28. „Die Schwimmer kommen mit den Temperaturen natürlich zurecht“, sagt Ranft. „Die bewegen sich aber auch intensiv.“ Für das spätere Schwimmen lernen sei es wichtig, dass kleine Kinder an Wasser gewöhnt sind. „Das erleichtert vieles“, sagt Gunnar Ranft. „Sie wissen einfach, mit Wasser umzugehen. Das sind optimale Voraussetzungen für die richtigen Schwimmkurse.“

Susanna Eckhardt befürchtet neben den betroffenen Kleinkindern und Babys auch eine Verschlechterung der Situation bei Kindern, die gerade ihr Seepferdchen gemacht haben. „Das Erlernte muss danach unbedingt gefestigt werden.“ Wenn die Kinder wegen des kalten Wassers nach dem Seepferdchenkurs erst mal ewig in kein Schwimmbad gehen, können sich die neuen Fähigkeiten nicht verankern.“

Im Hallenbad in Vellmar wurden die Wassertemperaturen wie auch im Auebad gesenkt – im Lehrschwimmbecken und im Babyplanschbecken auf jeweils 29 Grad. Für Aquapädagogin Wallbach ist das auch nicht warm. ArchivFoto: DLRG Baunatal

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