1970 schlossen sich fünf selbstständige Orte zu einer neuen Großgemeinde zusammen - Wirgefühl wächst

Dörfliche Planspiele im Fuldatal

Fuldatal. In Knickhagen wurde die Gemeinde Fuldatal aus der Taufe gehoben. Dort vollzogen am Neujahrstag 1970 die bis dahin selbstständigen Gemeinden Ihringshausen, Knickhagen, Simmershausen, Wahnhausen und Wilhelmshausen in einem feierlichen Akt ihren freiwilligen Zusammenschluss.

In Knickhagen deshalb, „weil der Ort ein Dorfgemeinschaftshaus hatte und damit den einzigen Versammlungsraum in kommunalem Besitz“, sagt Klaus Hobein. Der 69-jährige Sozialdemokrat war Mann der ersten Stunde, gehörte anschließend bis 2006 dem Gemeindevorstand oder der Gemeindevertretung von Fuldatal an.

Finanzieller Anreiz

Im Vorfeld hatte es verschiedenen Planspiele und Verhandlungen gegeben. Denn die Verwaltungsreform war Ende der 60er-Jahre in aller Munde, und die Hessische Landesregierung schuf einen zusätzlichen, finanziellen Anreiz. Bei freiwilligen Zusammenschlüssen erhielten die neuen Großgemeinden zehn Jahre lang höhere Schlüsselzuweisungen.

Zunächst hatte Josef Köcher, Landrat des Altkreises Kassel, einen Zusammenschluss von Knickhagen, Rothwesten, Simmershausen Wahnhausen und Wilhelmshausen angeregt.

Die Rothwestener hatten aber andere Vorstellungen, sagt Hobein. Sie gingen davon aus, dass Ihringshausen und Simmershausen der Stadt Kassel zugeschlagen werden, und wollten lieber mit Holzhausen zusammengehen. Dies scheiterte an der bestehenden Kreisgrenze zwischen Kassel und Hofgeismar.

Sander 1. Verwaltungschef

Klaus Hobein

Um die Verwaltungskraft des neuen Fuldatal sicherzustellen, entschied sich Ihringshausen statt Rothwesten mitzumachen. Ihringshausens Bürgermeister Fritz Sander wurde der erste Verwaltungschef von Fuldatal.

Per Gesetz wurde schließlich Rothwesten 1972 der Großgemeinde zugeschlagen. Ihringshausen und Simmershausen blieben auch im Verbund der dann sechs Ortsteile. Denn der einflussreiche Landrat Köcher, der auch im Landtag saß, verhinderte, dass die Orte von Kassel einverleibt wurden.

„Fuldatal war und ist eine finanzschwache Gemeinde“, sagt Hobein. Und durch die geografische Lage mit weit auseinanderliegenden Ortsteilen stärker finanziell belastet. Dennoch sei es gelungen, die Infrastruktur in allen sechs Ortsteilen aufzubauen und sicherzustellen.

Wie die Wasserversorgung mit den Tiefbrunnen in Wilhelmshausen und an der Kragenhöfer Brücke und zwei Hochbehältern. Oder die Abwasserentsorgung mit den Kläranlagen in Simmershausen, Wilhelmshausen und Ihringshausen.

Animositäten

In den 40 Jahren des Bestehens habe es politisch einvernehmliche Lösungen gegeben über alle Ortsteile hinweg.

Animositäten, wie sie vielleicht manchmal noch aufkämen, weichen laut Hobein zunehmend einem Wirgefühl. „Wesentlichen Anteil daran hat das in allen Ortsteilen intakte Vereinsleben.“

Von Michael Schräer

Querschläger, Kunterbänd und die Betty-Ford-Band

Das Jubiläum „40 Jahre Fuldatal“ wird drei Tage lang gefeiert – FuldaTalerForum offen – Kinder- und Seniorentag

Drei Tage, von Freitag, 25. Juni, bis Sonntag, 27. Juni, stehen ganz im Zeichen des 40-jährigen Bestehens der Gemeinde Fuldatal.

So wurde die offizielle Einweihung des Bürgersaals im FuldaTalerForum bewusst auf den Freitag gelegt. Ab 14 Uhr soll der neue Veranstaltungsraum nach eineinhalbjähriger Bauzeit offiziell seiner Bestimmung übergeben werden.

Am Abend dann, ab 19.30 Uhr, findet im Bürgersaal der Festkommers zu 40 Jahren Fuldatal statt. Die Festrede hält Landrat Uwe Schmidt.

Am Samstag beginnen die Feierlichkeiten um 13 Uhr. Im FuldaTalerForum ist bis 18 Uhr Tag der offenen Tür. Der Bürgersaal im Obergeschoss kann in Augenschein genommen werden, und auch die Filiale der Kasseler Bank im Erdgeschoss steht Besuchern offen. Außerdem bietet das Geldinstitut verschiedene Aktionen an, mit dabei ist die Samba-Gruppe „Querschläger“ aus Paderborn.

Um 14 Uhr startet das Brunnenfest, das im Rathaus und auf dem überdachten Marktplatz vor dem Verwaltungssitz ganz auf die Feierlichkeiten abgestimmt wurde. Kinder bemalen T-Shirts Während des Kindernachmittags spielt ab 15 und 16 Uhr das Theater am Märchenlandweg im Rathaus. Gleichzeitig ist die Jugendarbeit der Gemeinde auf dem Festplatz und bemalt mit den Kindern unter anderem T-Shirts. Von 15.30 Uhr bis 17 Uhr spielen Bernd Meyerholz und Kunterbänd und laden zum Mitmachen ein. Ein Kinderkarussell ist auf dem Festplatz aufgebaut, und am Wassermobil können die jungen Besucher mit Wasser und Matsch spielen. Ab 19.30 Uhr bis nach Mitternacht sind Tanz und Musik angesagt.

Es spielt die Showband Betty Ford, und es gibt die „Deutsche-Rock-Legenden“-Cover-Show. Besinnlich starten am Sonntag die Feierlichkeiten auf dem Marktplatz um 11 Uhr mit einem Gottesdienst. Ab 12 Uhr ist Frühschoppen. Zwei Stunden später, um 14 Uhr, beginnt auf dem Festgelände der Senioren- und Familientag. Für die musikalische Unterhaltung sorgen das Orchester Lohfelden und der Chor der Florianfreunde Wickenrode.

 Für die Festlichkeiten wird die Straße „Am Rathaus“ von Freitag bis Sonntag für den Verkehr gesperrt. (mic)

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