10.000 Tonnen Müll im Jahr 2018

Tüten voll Kot, Spritzen und Urinflaschen: Straßenwärter an der A7 im Einsatz

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Werner Henkel aus Gudensberg ist seit 24 Jahren Straßenwärter bei Hessen Mobil. Wir haben ihn beim Einsammeln von Müll an der Anschlussstelle Kreuz Kassel-Mitte begleitet.

Sie sammeln den letzten Dreck: Straßenwärter von Hessen Mobil sammeln täglich zig Säcke Müll an den Autobahnen in der Region ein. Wir haben sie begleitet.

Leere Flaschen, Pommestüten, Zigarettenschachteln. Bauschutt, Kühlschränke und Fernseher. Es gibt nichts, was an deutschen Autobahnen nicht entsorgt wird. Rund 10.000 Tonnen Müll hat Hessen Mobil im vergangenen Jahr an Straßen und Rastplätzen in ganz Hessen gesammelt und dafür etwa 3,6 Millionen Euro ausgegeben (wir berichteten). Besonders in der Ferienzeit steigt die Müllmenge. Den illegal entsorgten Müll zu beseitigen, das ist Job der Straßenwärter. Wir haben sie während eines Einsatzes an der Anschlussstelle Kreuz Kassel-Mitte zwischen der A7 und der A49 begleitet.

Kai Le-Maire hebt mit seiner Greifzange eine gelbe Plastiktüte in den schwarzen Müllsack. Sie wird zu der angenehmeren Sorte Abfall gehören, die der Hofgeismarer mit dem klangvollen Nachnamen – seit 27 Jahren bei Hessen Mobil – an diesem Tag von dem Stück Wiese am Kreuz Kassel-Mitte aufsammeln wird. „Es sind meistens die Lkw“, sagt Le-Maire. Zwar würde auch aus Pkw-Fenstern Müll entsorgt, aber er könne sich nur schwer vorstellen, dass sich eine Familie auf dem Weg in den Urlaub an der Autobahn ihrer Papiertüten voll Kot oder Plastikflaschen mit Urin entledige. Solche Funde gehörten beinahe täglich zu seiner Arbeit, sagt Le-Maire.

Straßenwärter Kai Le-Maire bei der Arbeit.

Besonders unangenehm sei, wenn er mit dem „Aebi“, einem Aufsitzmäher, über Fäkalien oder Urinflaschen fahre. „Wenn Flaschen mit Urin sechs Wochen in der prallen Sonne liegen, dann ist da Druck drauf“, sagt Le-Maire. „Das fliegt mir dann alles um die Ohren.“

Auch Werner Henkel aus Gudensberg kennt die kuriosen Hinterlassenschaften an den Autobahnen der Region. Er ist seit 24 Jahren als Straßenwärter für Hessen Mobil im Einsatz. Grills und Gefrierschränke, aber auch Windeln und Spritzen habe er schon auf- und eingesammelt. „In der Ferienzeit ist der Müll immer mehr.“ Gerade Spritzen, Urin, Fäkalien und scharfkantige Gegenstände stellten ein hohes Gesundheitsrisiko für die Straßenwärter dar.

Ein abgestellter Lkw-Hänger steht seit knapp einem Jahr an der A 7 Tank + Rast Kassel. Demnächst wird er auf Kosten von Hessen Mobil abgeschleppt.

Doch es gibt auch Müll, der weder mit der Zange noch mit einem einfachen Müllwagen beseitigt werden kann: Vor knapp einem Jahr wurde an der A7-Tank- und Rastanlage Kassel Ost bei Lohfelden ein Lkw-Anhänger ohne Nummernschilder abgestellt. Nach langer Recherche konnte der Eigentümer in der Türkei ermittelt werden, sagt Markus Wurmnest, Leiter der Autobahnmeisterei Baunatal. Der habe zwar zugesichert, das Fahrzeug abzuholen, „das ist aber bisher nicht passiert, und das wird es wohl auch nicht mehr“. Nun lässt Hessen Mobil den Lkw-Anhänger abschleppen und entsorgen. Auf eigene Kosten, für etwa 10.000 Euro.

Lesen Sie dazu: Illegale Müllentsorgung im Kreis Kassel nimmt in den Ferien zu

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