Der Wahlkampf ist eingeläutet

Drei Kandidaten wollen am 14. März Landrat im Landkreis Kassel werden

Sie wollen Landrat des Landkreises Kassel werden: Andreas Mock (von links) geht für die CDU ins Rennen. Der derzeitige Vize-Landrat Andreas Siebert tritt für die SPD an und die Linken haben den Parteilosen Jürgen Kehr als Kandidaten aufgestellt.
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Sie wollen Landrat des Landkreises Kassel werden: Andreas Mock (von links) geht für die CDU ins Rennen. Der derzeitige Vize-Landrat Andreas Siebert tritt für die SPD an und die Linken haben den Parteilosen Jürgen Kehr als Kandidaten aufgestellt.

Der Kampf um den Posten des Landrats im Landkreis Kassel hat begonnen. Und die Wähler haben am 14. März eine echte Wahl: Bereits drei Kandidaten haben ihren Hut in den Ring geworfen.

Kreis Kassel – Neben Andreas Mock (CDU) und Andreas Siebert (SPD) schickt die Partei Die Linke mit Jürgen Kehr erstmals einen eigenen Kandidaten ins Rennen. Der amtierende Landrat Uwe Schmidt (SPD) steht nicht für eine weitere Amtszeit bereit.

Seit 1997 haben die Wähler die Möglichkeit, den Landrat direkt zu wählen. Damit sind über 190.000 Männer und Frauen in den 28 Kommunen des Landkreises am 14. März dazu aufgerufen, ihrem Favoriten eine Stimme zu geben. Bei der Landratswahl vor sechs Jahren lag die Wahlbeteiligung bei nur 26,3 Prozent. Lediglich 50.540 Wähler traten an die Urnen.

Dieses Mal könnte die Beteiligung wegen der zeitgleichen Kommunalwahl allerdings deutlich höher ausfallen. Denn die Landratswahl allein – das hat die Vergangenheit gezeigt – ist für viele Wähler wenig interessant. Das mag auch daran liegen, dass die Arbeit der Kreisverwaltung auf der mittleren Ebene für viele Menschen zu weit von ihrem Alltag entfernt ist.

Landrat Uwe Schmidt hatte einmal gesagt: „Aus Sicht der Bürger sind wir eher mit dem Regierungspräsidium als mit einer Kommune vergleichbar.“ Dabei hat der Landkreis vielfältige Aufgaben. Er ist zum Beispiel Schulträger und als solcher verantwortlich für die Ausstattung und den Unterhalt der Schulgebäude.

So werden die Kandidaten in ihrem Wahlkampf sicherlich auch einen Fokus auf Bildung und Digitalisierung legen. Das zumindest haben Siebert und Mock bereits kundgetan. Punkten wollen die Kandidaten bei den Wählern auch mit ihren Positionen zur Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum, dem Nahverkehr, dem Sozialen Wohnungsbau und dem Klima- und Naturschutz.

Wichtig wird für den künftigen Landrat auch sein, wie sich die Sitze nach der Kommunalwahl im Kreistag verteilen. Derzeit ist die SPD vor der CDU die größte Fraktion.

Das sind die Kandidaten

Nordhessen ist seit jeher eine SPD-Hochburg. Auch der Landrat wurde bisher immer von den Sozialdemokraten gestellt. Das soll sich ändern, finden zumindest die Herausforderer von der CDU und den Linken. Wir stellen die drei Kandidaten vor.

Andreas Siebert, SPD

Der Vizelandrat und ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Niestetal, Andreas Siebert, will den amtierenden Landrat und seinen Parteifreund Uwe Schmidt beerben. Für den 50-Jährigen ist Bildung der Schlüssel zum Erfolg, deshalb will er weiter in die Schulstandorte investieren. Einen Schwerpunkt legt er dabei auf die Digitalisierung. Ebenfalls auf der Agenda steht der Breitbandausbau in den Kommunen, um „eine flächendeckende Vernetzung hinzubekommen“.

Beim Klima- und Naturschutz setzt Siebert auf den kontinuierlichen Ausbau der Erneuerbaren Energien. Dabei will er die Menschen mitnehmen, statt sie gegeneinander auszuspielen. „Die erforderlichen Transformationsprozesse dürfen nicht auf dem Rücken der Arbeitnehmer stattfinden.“

Ebenso will er sich für den sozialen Wohnungsbau stark machen und dabei die unterschiedlichen Auswirkungen des demografischen Wandels im Blick behalten. Die größte Herausforderung ist und bleibt aber die Corona-Pandemie. „Wir lassen keinen im Stich, wir kämpfen für jede soziale Einrichtung, um jeden Arbeitsplatz, der gefährdet ist“, verspricht Siebert, dem die Soziale Gerechtigkeit besonders wichtig ist.

Andreas Mock, CDU

Der gebürtige Kasseler Andreas Mock ist ein alter Hase im Polit-Geschäft. Zwei Mal hat er sich in Baunatal ums Bürgermeisteramt beworben, dort ist er Stadtrat. Seit zehn Jahren sitzt er zudem für die CDU im Kreistag und ist seit zwei Jahren auch deren Fraktionsvorsitzender.

Gerade Schulthemen liegen dem Justiziar beim Schulamt in Kassel am Herzen. Seit Jahren fordert die CDU ein zweites Gymnasium im Landkreis, und an dieser „Maximalforderung“ will er auch als Landrat festhalten. „Es ist uns wichtig, den Elternwunsch zu berücksichtigen“, sagt der 48-Jährige. Bei den Gesamtschulen sei der Landkreis zwar sehr gut aufgestellt, aber „gerade die Grund- und Förderschulen muss man mehr in den Fokus nehmen.“

Auch das Thema Verkehr wird immer wichtiger werden, gerade im Hinblick auf die geplante Güterzugtrasse „Kurve Kassel“. „Wenn man über die Verkehrswende redet, geht es nicht ohne die Bahn.“ Aber auch Fahrrad-Autobahnen und der Ausbau des ÖPNV stehen auf seiner Agenda. Als Herausforderer will er seine Chance nutzen. „Wir haben auf jeden Fall Rückenwind“, sagt Mock, „und manchmal laufen die Dinge anders als gewohnt.“

Jürgen Kehr, Die Linke

Es hatten wohl die wenigsten damit gerechnet, dass Die Linke einen Kandidaten präsentiert – und dieser Überraschungsmoment war durchaus gewollt, sagt Jürgen Kehr. „Wir haben uns das gut überlegt.“ Der 61-Jährige aus Dörnberg ist ein Politik-Neuling und geht als Parteiloser ins Rennen. Dass er nur Außenseiter-Chancen hat, weiß er. Trotzdem sei es ihm und der Partei wichtig, mit einem Landrats-Kandidaten in den Wahlkampf zu ziehen, um die eigenen Positionen deutlich zu machen.

Dabei geht es dem Mathematiker vor allem um drei große Themen: Soziale Gerechtigkeit, die Gesundheitsversorgung und Klimagerechtigkeit. Vieles greife bei diesen Themen ineinander, sagt Kehr. Die Übernahme der Kreisklinik sei richtig gewesen, aber bei der Kinderkrankenversorgung sehe es gar nicht gut aus. Die Entfernung zu Kinderärzten auf dem Land betrage im Schnitt zwölf Kilometer. Deshalb müsse auch der ÖPNV massiv ausgebaut werden. (Amira Sayed El Ahl und Alia Shuhaiber)

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