Kommunaler Energieversorger sieht sich dennoch gut aufgestellt

EAM drohen Einbußen im Netzgeschäft

Die wichtigste Sparte der EAM ist das Netznutzungsentgelt für Stromleitungen. Weil die Bundesnetzagentur nun die Zinssätze für die Netznutzung herabgesenkt hat, drohen der EAM beträchtliche Einbußen.
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Die wichtigste Sparte der EAM ist das Netznutzungsentgelt für Stromleitungen. Weil die Bundesnetzagentur nun die Zinssätze für die Netznutzung herabgesenkt hat, drohen der EAM beträchtliche Einbußen.

Seit Jahren schon ist die EAM auf Erfolgskurs. Die Geschäftszahlen des kommunalen Energieversorgers im Landkreis Kassel können sich sehen lassen, es wird viel Geld investiert und es werden gute Gewinne eingefahren.

Kreis Kassel – Doch ziehen schon bald graue Wolken am Bilanzhimmel auf. Denn spätestens ab 2024 wird die EAM mit Erlösrückgängen rechnen müssen, und das ausgerechnet im Kerngeschäft – nämlich bei der Vermietung der eigenen Strom- und Gasnetze an andere Energieversorger, die die EAM-Netze nutzen, um eigene Kunden zu versorgen.

Immerhin 880 Millionen Euro erwirtschaftete die EAM 2019 aus diesem sogenannten Netzgeschäft. Gerechnet an den Umsatzerlösen in Höhe von knapp über einer Milliarde Euro im Jahr 2019 sind das immerhin 85 Prozent.

Mitte Oktober hat nun aber die Bundesnetzagentur eine Herabsenkung der Eigenkapitalzinssätze für Strom- und Gasnetzbetreiber beschlossen. Mit anderen Worten: Die EAM bekommt deutlich weniger Geld dafür, dass andere Strom- und Gaslieferanten die EAM-Netze für die Versorgung ihrer Kunden nutzen.

Tatsächlich fällt die Herabsenkung dieser Zinssätze nicht gerade klein aus – für Neunetze von 6,91 auf 5,07 Prozent, für Altnetze von 5,12 auf 3,51 Prozent.

„Das stellt für uns – wie auch für alle anderen Netzbetreiber in Deutschland – in der Tat eine große Herausforderung dar“, teilt EAM-Sprecher Steffen Schulze auf HNA-Anfrage mit. Genaue Zahlen will die EAM nicht nennen. Um aber einen Erlösrückgang ab 2024 zu kompensieren, habe die EAM bereits früh umfassende Gegenmaßnahmen entwickelt, heißt es. So sei auch in den nächsten Jahren mit Jahresüberschüssen auf dem Niveau der Vorjahre zu rechnen. Und das sind mit Blick auf das Jahr 2019 für den EAM-Konzern immerhin 80 Millionen Euro.

Diese Nachricht dürfte wiederum die 225 an der EAM beteiligten Kommunen freuen, denn auch die Ergebnisverteilung an die kommunalen Anteilseigner sei, so Steffen Schulze, damit abgesichert. Für den Landkreis Kassel heißt das, dass er weiterhin mit Jahreseinnahmen von 1,48 Millionen Euro rechnen kann.

„Das Geld fließt in den Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Jugend- und Freizeiteinrichtungen“, sagt Kreis-Sprecher Harald Kühlborn. Es werde dort zur Defizitabdeckung genutzt. Sorge hat indessen die Kreis-CDU, dass wegen sinkender Netzeinnahmen bei der EAM auch die Gewinnausschüttungen an den Kreis spürbar sinken könnten, sagt CDU-Fraktionsmitglied Frank Williges (Helsa). Damit könne auch die Refinanzierung jener Kredite gefährdet sein, die der Landkreis aufnehmen musste, um die Rekommunalisierung der Eon Mitte AG-Netzsparte im Jahr 2013 über den Kauf von Eon-Aktien finanzieren zu können (siehe Hintergrund).

„Kein Grund zur Sorge“, sagt dazu Kühlborn. Denn der Landkreis habe nie Kredite oder Eigenkapital zur Finanzierung der Landkreisanteile aufgenommen. Das sei damals vielmehr über eine eigens gegründete Ankaufs-KG gelaufen.

Statt also Kredite aufzunehmen, sei der Verkaufswert des Aktienanteils des Landkreises an die Ankaufs KG als Darlehen weitergegeben worden. „Deshalb bekommen wir bis heute auch keine Ausschüttung von der EAM, sondern Zinsen von der Ankaufs KG in Höhe von 1,48 Millionen Euro auf das gewährte Darlehen“, erklärt Kühlborn. Mit anderen Worten: Das Risiko sinkender Gewinnausschüttungen trägt also nicht der Landkreis. (Boris Naumann)

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