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Ehemaliger Gertrudenstift-Bewohner findet keine Betreuung

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Von: Daniel Göbel

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Pflegeheim
Weil ein ehemaliger Bewohner des insolventen Baunataler Gertrudenstifts in der neuen Einrichtung nicht klar gekommen ist, wurde er in eine Akutklinik verlegt. Wo er künftig betreut werden soll, ist noch offen. (symbolbild) © dpa

Kassel/Baunatal – Im Zuge der Insolvenz des Baunataler Gertrudenstifts mussten die Bewohner das Pflegeheim verlassen. Wie schwierig sich die Anschlussversorgung der pflegebedürftigen Bewohner gestaltet, zeigt das Beispiel von Klaus W.

Aufgrund der Dringlichkeit und Not und auf Nachfrage der Betreuungs- und Pflegeaufsicht hat sich der Werkhof Am Park Schönfeld in Kassel kurzfristig dazu bereit erklärt, dem schwerst-mehrfach beeinträchtigten Patienten ein Probewohnen in einer Wohngruppe des Werkhofes zu ermöglichen, wie Heimleiter Stefan Pötzsch gegenüber der HNA erklärt.

Dabei sei von Anfang an klar gewesen, dass dies schwierig werden würde. Denn von Klaus W. geht eine starke Eigen- und Fremdgefährdung aus, wie Ursula Gimmler erklärt, die den Mann gesetzlich betreut. „Dennoch haben wir mit dem Werkhof einen Vertrag zum Probewohnen über drei Monate vereinbart“, so Gimmler.

Da Klaus W. der höchsten Hilfebedarfsgruppe angehört, mussten sich zwei Mitarbeiter durchgängig um ihn kümmern. Zusätzlich wurden ehemalige Mitarbeiterinnen aus dem Gertrudenstift für 14 Tage mit ins Boot geholt – was jedoch keinen Erfolg zeigen sollte. Klaus W. findet sich in der neuen Umgebung nicht zurecht. Er versucht mehrfach, aus der Einrichtung zu flüchten, betritt nachts die Zimmer anderer Bewohner und verletzt einen Mitarbeiter der Einrichtung.

Während der Osterfeiertage eskaliert die Situation komplett, erinnert sich Gimmler. Klaus W. schafft es, aus der Einrichtung zu entkommen. Der auch unter Esssucht leidende Mann sucht den nächstgelegenen Edeka-Markt auf, wo es zu mehreren unangenehmen Vorfällen kommt.

Als Konsequenz kommt Klaus W. anschließend in die psychiatrische Abteilung im Ludwig-Noll-Krankenhaus, wo er auch heute noch untergebracht ist. Das Problem dabei: Aufgrund der Vorfälle sieht sich der Werkhof nicht in der Lage, Klaus W. weiterhin zu betreuen. Auch eine medikamentöse Akutbehandlung habe den Abbruch dieses Versuchs nach insgesamt vier Wochen nicht verhindern können, so Pötzsch.

„Wir haben unseren Möglichkeiten nach alles versucht, sind aber auf solch besondere Menschen und Situationen weder räumlich, sächlich noch personell eingerichtet. Darüber hinaus tragen wir die Verantwortung für das Wohl und die Sicherheit unserer anderen Bewohner und Mitarbeiter“, sagt Heimleiter Pötzsch. Er sieht hier grundsätzlich eine Lücke im Versorgungssystem: „Der Betroffene gehört natürlich langfristig nicht in eine Akutklinik. Dennoch ist sein Unterstützungsbedarf so hoch, dass eine offene Wohnform der Behindertenhilfe dies nicht zu leisten vermag. Er ist schwer führbar und benötigt einen Lebensort, der ihm sowohl den individuellen Schutz- als auch den entsprechenden Entfaltungsraum sowie eine sehr enge personelle wie medizinische Begleitung ermöglicht“, verdeutlicht der Heimleiter.

Auch Gimmler zeigt sich frustriert. „Es geht um einen schwerstbehinderten Menschen, der nirgendwo einen Platz findet, wo er entsprechend betreut wird, wie es sein Krankheitsbild fordert“, so Gimmler. „Dies ist eigentlich ein Rauswurf in die Obdachlosigkeit, da die Akutklinik hier keinen Auftrag hat.“

In der Akutklinik kann Klaus W. nicht dauerhaft bleiben, in den Werkhof kann er nicht zurück. Was nun passiert, ist völlig offen. Um eine Lösung zu finden, wollen alle Beteiligten in der kommenden Woche gemeinsam beraten, wie es weiter geht. (Daniel Göbel)

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