Neun Praxen derzeit nicht besetzt

Ein Drittel der Ärzte im Landkreis Kassel ist 60 Jahre und älter

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32 Prozent der Ärzte im Landkreis Kassel sind älter als 60 Jahre, berichtet die Kassenärztliche Vereinigung Hessen – das kann sich langfristig auf die medizinische Versorg ung auswirken.

E Kreis Kassel – 32 Prozent der im Landkreis Kassel tätigen Ärzte und Psychotherapeuten sind 60 Jahre oder älter.

Das geht aus einer Antwort des Hessischen Ministers für Soziales und Integration Kai Klose (Grüne) auf eine Anfrage der SPD-Landtagsabgeordneten Manuela Strube hervor. Klose beruft sich auf Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH).

Laut KVH gibt es im Landkreis Kassel 9 Übernahmepraxen mit 5,75 Arztsitzen. Dabei handele es sich um Praxen, 6 davon hausärztliche, die nicht besetzt sind und sich in Ausschreibung befinden. In jeder Kommune des Landkreises Kassel ist der KVH zufolge mindestens eine hausärztliche Praxis ansässig. Darauf beruft sich Klose in seiner Antwort an Strube.

2030 wäre in sechs Gemeinden des Landkreises Kassel keine hausärztliche Versorgung mehr gegeben, wenn man von einer Praxisabgabe im Alter von 65 Jahren und einer laut Klose „eher unwahrscheinlichen Nachbesetzungsquote von null Prozent“ ausgehe. Betroffen davon wären Espenau, Helsa, Naumburg, Calden, Bad Karlshafen und Wahlsburg. Die Bürger müssten dann die Ärzte in den Nachbargemeinden besuchen. „Dies würde eine Wegstrecke von 7 bis 13 Kilometer bedeuten“, so Klose. Im Landkreis Kassel konnten laut KVH in den vergangenen Jahren im Durchschnitt für 80 Prozent der frei werdenden Arztsitze Nachfolger gefunden werden.

Insgesamt gibt es im Landkreis Kassel 163 tätige Hausärzte, die 151,4 Stellen besetzen (Stand: Dezember 2019), so die KVH. 2014 waren es 149,55 Stellen, von der KVH Versorgungsaufträge genannt – also ähnlich viele. Nach Ansicht der KVH verteilten sich die hausärztlichen Sitze im Kreis Kassel sowohl 2014 als auch 2019 gut, auch wenn eine Vielzahl der Praxen vor allem rund um die Stadt Kassel angesiedelt sei.

Der demografische Wandel, die Zunahme chronischer Erkrankungen sowie der Fachkräftemangel im medizinischen und pflegerischen Bereich stellen Hessen vor wachsende Herausforderungen, so Dr. Daniela Sommer, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion: „Insbesondere die Nachbesetzung von Hausarztsitzen in ländlichen Regionen wird immer schwieriger.“ Die Politik müsse dringend handeln.

Die SPD fordert im Landtag, Bewerber bevorzugt zum Medizinstudium zuzulassen, die sich verpflichten, nach Abschluss der Facharztausbildung für Allgemeinmedizin mindestens zehn Jahre als Hausarzt in einem unterversorgten Gebiet zu arbeiten. Für die sogenannte Landarztquote will die SPD zehn Prozent aller hessischen Medizinstudienplätze reservieren.

Klose berichtet auf Nachfrage von Strube, dass das Land Anreize setze, um die Niederlassung von Ärzten in Gebieten mit besonderem Versorgungsbedarf voranzutreiben. Das stelle der Hessische Gesundheitspakt sicher. Außerdem gebe es Förderungen der KVH wie eine Honorarumsatzgarantie zum Praxisstart, die Übernahme von Umzugs- und Betreuungskosten, die Ansiedlungsförderung und die Förderung von Hospitationen. Die KVH versuche zudem verstärkt, Studenten der Unis in Hessen für die Allgemeinmedizin sowie für den ländlichen Raum zu begeistern, unter anderem mit der Kampagne „Sei Arzt. In Praxis. Leb Hessen.“

Versorgungsgrad gibt Verhältnis von Einwohnern zu Ärzten an

Der Versorgungsgrad gibt an, ob die vom Bund festgelegte Bedarfsplanung eingehalten wird – also ob auf die Anzahl der Einwohner ausreichend Ärzte kommen. Im Landkreis Kassel sind laut Kassenärztlicher Vereinigung Hessen (KVH) die Bereiche Wolfhagen und Kassel-Nord an Hausärzten sogar überversorgt: Der Versorgungsgrad liegt bei 109,7 Prozent (Wolfhagen) und 103,5 Prozent (Kassel-Nord). 

Der Bereich Kassel-Süd hat einen Versorgungsgrad von 98,3 Prozent und noch 9,5 offene Hausarztsitze, der Bereich Hofgeismar liegt bei 92,9 Prozent und hat 4,5 offene Hausarztsitze. Im Landesausschuss gab es am 28. November 2019 einen neuen Beschluss, durch den sich neue Arztsitze ergeben hätten. 

Der Versorgungsgrad an Kinderärzten liegt laut KVH im Landkreis Kassel bei fast 100 Prozent, der der Nervenärzte hingegen bei 82 Prozent –laut KVH gibt es 3 offene Sitze. Der Beschluss des Landesausschusses vom November 2019 befände sich derzeit für die Fachgruppe der Nervenärzte in Korrektur. 

„Innerhalb der Arztgruppen der Orthopäden/Chirurgen, Psychotherapeuten und Urologen konnten nach Angaben der KVH in den letzten Jahren im Landkreis Kassel nicht alle ausgeschriebenen Sitze nachbesetzt werden“, sagt Hessens Sozialminister Kai Klose.

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