1. Startseite
  2. Lokales
  3. Kreis Kassel

Ein Stück Bulli-Gefühl: Betreiber der Bus-Manufaktur blicken auf den VW-Klassiker und den ID. Buzz

Erstellt:

Von: Sven Kühling

Kommentare

Einer der Ersten: VW-Mitarbeiter Ralf Hüge nahm kürzlich einen ID. Buzz am VW-Werk Kassel in Baunatal entgegen. Das Fahrzeug hat einen Antrieb mit 204 PS.
Einer der Ersten: VW-Mitarbeiter Ralf Hüge nahm kürzlich einen ID. Buzz am VW-Werk Kassel in Baunatal entgegen. Das Fahrzeug hat einen Antrieb mit 204 PS. © Sven Kühling

„Manche Kunden sagen: Ich kaufe mir ein Stück dieses Bulli-Gefühls.“ Lutz Mehlhorn (53) spiegelt mit diesem Satz den Mythos wider, der den VW Bus von 1950 bis heute begleitet. Es ist der Hauch von Freiheit und Abenteuer, entstanden aus einer Mischung von Woodstock-Feeling und ersten Camping-Erfahrungen in Skandinavien.

Kreis Kassel – Der Bulli, wie der VW- Transporter seit 70 Jahren liebevoll genannt wird, wird jetzt elektrisch. Jüngst erst hat das VW-Werk Kassel in Baunatal einen der ersten ID. Buzz an einen Werksangehörigen ausgeliefert (HNA berichtete). Wir fragten bei den Experten der Bus-Manufaktur Kassel in Espenau-Hohenkirchen nach, wie der Neue bei ihnen im Vergleich zum Klassiker abschneidet.

„Wir sagen nie etwas gegen die neuen Modelle“, betonen Lutz und Philipp Mehlhorn von der Busmanufaktur Kassel in Espenau. Sie betreiben die sehr professionell wirkende Schmiede an der Teichstraße in Hohenkirchen als Hobby. Hauptberuflich arbeiten sie im eigenen Geschenkehandel „la vida“ im benachbarten Immenhausen. „Beide Seiten – ob Verbrenner oder Elektrofahrzeug – hätten ihre Existenzberechtigung“, sagt Philipp Mehlhorn zur Transformation bei VW zur Elektromobilität. Dass die Brüder das auch ernst nehmen, zeigen sie etwa, indem sie gemeinsam mit ihrem Mechaniker Thomas Pleger („Er ist der Beste in der Welt“) sogar einen alten T3 auf Elektro umbauen.

Die Werkstatt hat sich in erster Linie auf die Restaurierung von T3-Modellen spezialisiert. Mit eigener Karosseriewerkstatt werden die alten Schätze bis zur letzten Schraube wieder fahrtauglich und schick gemacht. Kaufen und mieten können Kunden aber auch neuere Modelle, bishin zum aktuellen Campingbus T6. Ein aufbereiteter T3 koste zwischen 20 000 und 45 000 Euro, sagt Philipp Mehlhorn. Da sei dann vom Kühlergrill mit modernen LED-Scheinwerfern aus einem südafrikanischen Modell bis zur perfekten Küchenzeile und einer herausziehbaren Camping-Toilette sowie einer Außendusche alles möglich. Er selbst, sagt Philipp Mehlhorn (42,) habe für sich natürlich selbst auch einen Bus aufgebaut – mit 300-PS-Motor.

Schon als 18-Jähriger habe er vor einem T3 Westfalia gestanden, erzählt Bruder Lutz (53). „Irgendwann wollte ich so einen fahren.“ Mit 40 habe er sich diesen Traum erfüllt. „Da konnte ich mir endlich einen kaufen.“

Philipp machte das genauso. Er baute sich einen Bulli zunächst für Fernreisen aus – etwa für Fahrten durch Island und die Südtürkei. Der T3 sei gegenüber den Vorgängermodellen T1 und T2 robuster und schon eher für längere Touren geeignet gewesen. „Er war auch der Erste, der einen Allradantrieb hatte.“

Lutz Mehlhorn beschreibt das so: „Er steht für Emotionen.“ Auch seine 18-jährige Tochter sei inzwischen mit dem Bazillus infiziert, berichtet der Vellmarer. Das Auto mal verkaufen, sage sie, „das geht auf keinen Fall“.

Den Trend zum Elektro-Bus bei Volkswagen sehen die Geschäftsführer der Busmanufaktur nicht kritisch. Im Gegenteil: „Wir haben immer mehr Nachfragen danach.“ So haben sie sich jüngst einen noch gut erhaltenen T3 vorgenommen, den sie mit Batteriezellen und einem starken Elektromotor ausstatten. Das Auto komme voll geladen 300 Kilometer weit.

„Das wird jetzt verstärkt kommen“, betont Philipp Mehlhorn. Aus dem Pilotprojekt solle schließlich ein weiteres Angebot der Busmanufaktur entstehen. „Wir werden Umbauten am T3 zum Elektroauto anbieten.“

Zurück zum ID. Buzz. „Es ist ein gelungenes, schönes Auto“, sagt Lutz Mehlhorn. „Er spricht mich emotional an.“ Privat fahre er bereits einen ID.3. Deshalb könne er sich den ID. Buzz auch als sein Alltagsauto vorstellen.

Nur eines kann der Elektro-Bulli aus Hannover noch nicht: Die Begeisterung fürs Camping befriedigen. Noch, sagen die Mehlhorns, gebe es keinen ID. Buzz als Camper. (Sven Kühling)

Mehr Infos gibt es online unter busmanufaktur.de

Bauen vornehmlich T3-Busse wieder auf: Lutz (links) und Philipp Mehlhorn von der Busmanufaktur aus Espenau. Hier stehen sie an einer Doppelkabine. Der Kühlergrill samt LED-Scheinwerfern stammt von einem südafrikanischen Bulli-Modell.
Bauen vornehmlich T3-Busse wieder auf: Lutz (links) und Philipp Mehlhorn von der Busmanufaktur aus Espenau. Hier stehen sie an einer Doppelkabine. Der Kühlergrill samt LED-Scheinwerfern stammt von einem südafrikanischen Bulli-Modell. © Sven Kühling
Auf Tour durch Island: Philipp Mehlhorn machte mit seinem T3 auch am Fuße eines Wasserfalls nahe der Südküste Station. Gemeinsam mit der Familie nutzt er seinen eigenen Bulli auch weiterhin.
Auf Tour durch Island: Philipp Mehlhorn machte mit seinem T3 auch am Fuße eines Wasserfalls nahe der Südküste Station. Gemeinsam mit der Familie nutzt er seinen eigenen Bulli auch weiterhin. © privat

Auch interessant

Kommentare