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So gehen Thermen, Fitnessstudios und Bäder im Kreis mit der Energiekrise um

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Von: Daria Neu, Alia Diana Shuhaiber, Monika Wüllner, Amira Sayed El Ahl

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Bereitet einen Aufguss in der Eukalyptus-Sauna vor, die auch im kommenden Herbst und Winter betrieben werden soll. Lars Kuphal ist Meister für Bäderbetriebe in der Weser-Therme in Bad Karlshafen.
Bereitet einen Aufguss in der Eukalyptus-Sauna vor, die auch im kommenden Herbst und Winter betrieben werden soll. Lars Kuphal ist Meister für Bäderbetriebe in der Weser-Therme in Bad Karlshafen. © Daria Neu

Im Kasseler Auebad ist der Saunabetrieb seit Anfang August geschlossen, um Energie zu sparen. Auch Thermen, Fitnessklubs und Bäder im Kreis Kassel bereiten sich angesichts der unsicheren Versorgungslage bei Gas und Strom auf Einschnitte vor.

Kreis Kassel – Die Energiekrise bereitet den Menschen im Kreis Kassel große Sorgen – und das nicht nur im privaten Haushalt. Die Preise für Strom und Gas explodieren. Mit Blick auf Herbst und Winter sind auch die Thermen, Fitnessstudios und Schwimmbäder auf Lösungssuche. Bleiben die Saunen heiß und das Wasser warm? Wir haben uns umgehört.

Bad Karlshafen

Martina Abel, Geschäftsführerin der Bad Karlshafen GmbH, hat einen Plan. Sie und ihr Team wollen den Betrieb der Weser-Therme in Bad Karlshafen aufrecht erhalten, solange es möglich ist. „Natürlich haben wir mitbekommen, dass zum Beispiel die Saunen im Auebad in Kassel ausgeschaltet werden.“ Allerdings sehe sie diesen Schritt in Bad Karlshafen, das für seinen Tourismusmagneten Therme bekannt ist, nicht. Seit 2016 produziere die Therme Strom über ein Blockheizkraftwerk. Außerdem würde alle vier Jahre ein Energieaudit durchgeführt, das die Verbräuche analysiere. „Dass erneuerbare Energien die Zukunft sind, ist uns schon lange bewusst.“ In der Weser-Therme gebe es Beleuchtung über LED-Lampen, effiziente Pumpen, zudem sei eine Fotovoltaikanlage fürs Dach gerade in Planung. „Eine Idee ist es auch, die Sole, die mit 46 Grad aus der Erde kommt, energetisch zu nutzen“, sagt Abel.

Die Coronakrise habe das Team der Weser-Therme enorm belastet. „Jetzt haben unsere Mitarbeiter wieder Sorgen um ihren Job“, sagt Abel. Auch deshalb wolle sie so viel Sicherheit wie möglich geben. „Zahlreiche Kunden fragen uns täglich: Wann schließen Sie?“ Das sei belastend. „Wir wollen das leisten, wofür es uns gibt – für die Gesundheitsfürsorge.“

Ahnatal

Holger Weber hatte erst im vergangenen Jahr eine neue Sauna einbauen lassen. 30 Personen passen rein, Raumhöhe 2,50 Meter. Zwar werden die drei Saunen im Deltha Fitness Club in Ahnatal mit Strom geheizt. Trotzdem denkt er darüber nach, eine Sauna zu schließen oder verkürzte Sauna-Tage anzubieten. Aber solange es geht, will er auflassen. „Wir sind schon aufgrund von Corona genug gebeutelt.“

Der Klub hat 1250 Quadratmeter Innenfläche „und muss beheizt werden, sonst friert alles ein“. Das Schwimmbad, die Heizungen und die Klimaanlage werden mit Gas geheizt, die Kosten liegen im Schnitt bei 3500 Euro im Monat. Das Gas kommt von den Städtischen Werken. Die Raum- und Wassertemperaturen müssen laut Weber gleich bleiben, sonst würden die Fensterscheiben beschlagen. Die Wassertemperatur liegt bei 26 Grad, die Raumtemperatur bei 27 Grad. „Im Schwimmbadbereich wird klimatisiert, die Luft also entweder entfeuchtet und beheizt, oder entfeuchtet und gekühlt“, erklärt der Klub-Inhaber. Er will so lange wie möglich durchhalten und alles offenlassen. „Irgendwie kriegen wir das hin.“

Baunatal

Die Sauna im Baunataler Aqua-Park ist bis Ende August geschlossen. Wie es dann weitergeht, wird ein Energiekrisenstab entscheiden, der jede Woche tagt und die Situation bewertet, wie Stadtsprecher Lars Koch erklärt. Zudem sei man in stetiger Abstimmung mit anderen Kommunen. Die Bürgermeister-Kreisversammlung habe die Bäder auf der Tagesordnung, um zum Beispiel bei Temperaturabsenkungen gemeinsam zu handeln.

Derzeit muss das Wasser im Freizeit- und im Sportbad laut Koch nicht beheizt werden, der Lichteinfall durch die großen Fensterfronten und die Folienkissen reichten aus. Zum Heizen der Räume und des Wassers wird Fernwärme aus dem VW-Kraftwerk (Brennstoff Erdgas) und Wärme aus dem Blockheizkraftwerk der EAM Energie Plus (Bio-Erdgas) verwandt.

Um Energie zu sparen, werden die Lichtanlagen auf LED umgerüstet. „Die Unterwasserscheinwerfer werden derzeit noch umgebaut und nur bei Bedarf eingeschaltet“, sagt Koch. Auch die Duschintervallzeiten sind kürzer getaktet.

Niestetal

Das im Bau befindliche, neue Wichtelbrunnenbad wird mit Fernwärme beheizt, die von den Städtischen Werke bereitgestellt wird. Die Leitungen sind laut Sprecher Alexandros Souris bereits verlegt. Zudem soll das Bad durch Solarstrom betrieben werden. Eine Sauna wird es auch im neuen Bad nicht geben. Dort wurde die Wassertemperatur von 30 auf 28 Grad gesenkt, um Energie zu sparen. Davon unberührt bleiben das Attraktions- und das Kinderplanschbecken.

Breuna

Die Märchenlandtherme in Breuna ist während der Sommerferien geschlossen. Die Wassertemperatur wurde vorher schon um ein auf 29 Grad Celsius gesenkt, erklärt Bürgermeister Jens Wiegand. Jetzt überlegt der Gemeindevorstand, ob das Bad mit Saunalandschaft auch über die technische Überprüfung während der Ferienzeit hinaus geschlossen bleibt. Die Energiezufuhr soll künftig nicht mehr über das Blockheizkraftwerk der Therme kommen, sondern von der Hackschnitzelanlage der benachbarten Braunsbergschule. „Grundsätzlich wollen wir die Märchenlandtherme geöffnet lassen“, so Wiegand.

Vellmar

Das Vellmarer Hallenbad wird gemeinsam mit der Ahnatalschule über ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk beheizt. Nach aktuellem Stand soll das Bad regulär ab 4. September öffnen. „Wir warten aber noch auf die Empfehlungen des Landes Hessen und des Landkreises“, sagt Stadtsprecherin Astrid Kneuer. Darüber hinaus beschäftige sich ein städtischer Arbeitskreis mit möglichen Einsparpotenzialen in Vellmar. Die Sauna im Hallenbad gehöre zwar der Stadt, sei aber verpachtet und momentan nicht im Betrieb. Es liege in der Verantwortung der Betreiberin, ob die Sauna im Herbst öffnet. Die Energiekosten würden nicht von der Stadt getragen. (Amira El Ahl, Alia Shuhaiber, Daria Neu und Monika Wüllner)

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