Viel Kritik aus Kasseler Umland an Schließungsplänen für Sparkassen-Standorte

Einwohner reagieren verärgert und empört

Künftig keine Möglichkeit mehr, um im Ort Bargeld abzuheben: Im Söhrewälder Ortsteil Wattenbach soll der Selbstbedienungsstandort der Sparkasse zum Ende des Monats geschlossen werden, was Einwohner verärgert.
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Künftig keine Möglichkeit mehr, um im Ort Bargeld abzuheben: Im Söhrewälder Ortsteil Wattenbach soll der Selbstbedienungsstandort der Sparkasse zum Ende des Monats geschlossen werden, was Einwohner verärgert.

Nach der Ankündigung der Kasseler Sparkasse, dass sie zum Ende des Monats 21 Selbstbedienungsstandorte sowie Geldautomaten in Stadt und Kreis abschafft, reagieren die Einwohner in den betroffenen Orten verärgert und empört.

Kreis Kassel – Viele Anwohner können die Entscheidung des Kreditinstituts nicht nachvollziehen. „Das ist ein absolutes Armutszeugnis“, kritisiert Georg Brandau aus Wattenbach. Die einzige Möglichkeit, um Bargeld zu ziehen, werde dem Söhrewälder Ortsteil genommen, was vor allem für ältere Menschen ein Problem sei. „Sie müssen mobil sein, um zum nächsten Geldautomaten zu kommen, und für Überweisungen Onlinebanking nutzen. Ältere Menschen sind dadurch gezwungen, vom Dorf in die Stadt zu ziehen, weil dort alles vorhanden ist, was es auf den Dörfern nicht mehr gibt.“

Auch Maritta Nickel aus Wattenbach glaubt, dass das Leben auf dem Land wegen dem Abbau der Infrastruktur gerade für ältere Menschen zunehmend schwieriger wird. „Nicht jeder ältere Mensch kommt mit Onlinebanking klar. Da zähle ich mich auch zu“, so Nickel. Künftig müsse sie mit dem Bus nach Wellerode fahren, um Bargeld von ihrem Konto abzuheben.

Sparkasse schließt im im Landkreis SB-Filialen

„Wer kein Auto hat, für den wird es künftig schwer“, sagt Manfred Obst aus Helsa-Wickenrode. „Wenn noch der Metzger schließt, haben wir im Ort gar nichts mehr“, sagt Obst. Das führe dazu, dass immer weniger Menschen einen Grund hätten, durch das Dorf zu schlendern, wodurch es mitunter wie verlassen wirke.

Das sieht auch Helsas Bürgermeister Andreas Schönemann ähnlich. „Die Entscheidung der Sparkasse ist geschäftspolitisch vielleicht ein Stück weit nachvollziehbar. Für unsere Gemeinde aber ist es ein harter Einschnitt.“ Er könne gut nachvollziehen, dass der immer weitere Abbau von Infrastruktur auf Unmut in der Bevölkerung trifft. „In Eschenstruth und Wickenrode gibt es keine Lebensmittelmärkte mehr und keine Möglichkeiten, um Bargeld abzuheben. Wir können den Bürgern momentan leider keine Lösung anbieten und müssen schauen, wie wir als Gemeinde helfen können“, so Schönemann.

Landkreis Kassel: Sparkasse schließt SB-Filialen

Auch in Schauenburg-Martinhagen soll der Geldautomat verschwinden. Das sei vor allem für ältere Menschen schlecht, sagt Arno Marpe. Der 51-jährige Martinhagener ist selbst Kunde bei der Sparkasse. „Ich bin mobil, aber Ältere können das nicht mehr“, sagt Marpe zum Hinweis der Sparkasse auf Automaten in Nachbarorten und fügt an: „Das ist das Sterben der Dörfer.“

Auch Inan Bayram argumentiert in die gleiche Richtung. Jetzt müsse man nach Baunatal oder Elgershausen fahren, um Geld ziehen zu können, sagt der 48-Jährige aus Martinhagen. Vor allem Ältere, die sich Bargeld holen, um im benachbarten Edeka-Markt einzukaufen zu gehen, seien betroffen.

Weniger Geldautomaten im Landkreis

Das bestätigt auch Edeka-Betreiber Walter Dernbach. „Das ist ein echtes Problem“, sagt er. Er habe nämlich im Laden kein Kartenlesegerät. „Wie sollen die Leute jetzt einkaufen?“ Schon als der Automat über Wochen ausgefallen war, habe es Schwierigkeiten gegeben, so Dernbach. Dann sei bei ihm an der Kasse die gute alte Anschreibliste wieder zum Einsatz gekommen.

Auch in Fuldatal-Rothwesten wird der SB-Standort geschlossen. „Ich finde das ziemlich bescheiden“, sagt Norbert Frank (73) aus Fuldatal. Er sei mit seinem Auto noch flexibel und könne nach Simmershausen zur Sparkasse fahren. „Aber wie soll das für alte Menschen funktionieren, die nicht mehr so mobil sind?“, ärgert er sich. Online-Banking sei für ihn, wie für viele andere Senioren, keine Option. „Das Problem ist ja nicht nur das Abheben vom Geld, sondern das Beschaffen von Kontoauszügen“, stellt er fest. Überweisungen hätte man in Rothwesten schon lange keine mehr machen können.

Sparkasse schließt zahlreiche SB-Filialen

Auch Pfarrer Jens Haußen findet die Schließung nicht optimal. „Besonders für alte Menschen wird es nun schwierig“, sagt er. Viele brauchen Bargeld, um an der Tür Dinge zu bezahlen. Haußen denkt aber auch an die jungen Menschen. „Für meine Kinder war es zum Beispiel der nächste Schritt zum Erwachsenwerden, ein eigenes Konto zu bekommen und selbst Geld abheben zu können“, das werde kommenden Generationen nun fehlen.

Von Daniel Göbel, Sven Kühling Und Theresa Lippe

Geldautomat fällt künftig weg: Arno Marpe vor der Sparkasse in Schauenburg-Martinhagen.

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