Sternschnuppe: Riesenandrang der Generation 50 plus beim Sprachunterricht

Englisch für Großeltern

Marion Ludwig

Vellmar. Wolfgang Maaß steigt in den USA aus dem Flieger, seine Riesenfreude auf den bevorstehenden Nordamerika-Urlaub trübt plötzlich ein herablassender Zollbeamter. Der Reisende aus Vellmar ärgert sich, dass er den Mann nicht versteht und ihm nichts entgegnen kann. So was soll ihm nicht wieder passieren, denkt Maaß.

Das Ereignis liegt einige Zeit zurück. Jetzt kommt dem 62-Jährigen ein brandneues Angebot der Vellmarer Familienbildungsstätte Die Sternschnuppe äußerst gelegen. Maaß lernt (wieder) Englisch. So wie ein Dutzend weiterer älterer Semester auch.

Sie sind von knapp 50 bis fast 90 Jahre alt und wollen’s noch mal oder endlich wissen. Einige sprechen ihre allerersten englischen Vokabeln. Andere in der Gruppe fangen von vorne an, weil die wenigen vor Jahrzehnten in der Schule oder in Volkshochschulkursen erlernten Brocken dem Gedächtnis längst entfleucht sind. „Da ist leider nicht viel hängen geblieben“, bedauert Maaß und paukt jetzt mit Leidenschaft. Wie auch seine Mitschüler im Großelternalter.

„Es ist total beeindruckend, wie motiviert die Teilnehmer sind.“

elke weckermann

„Englisch für Senioren“, das einmal wöchentlich pro Kurs in den Räumen der Kita Vellmar-West angeboten wird, hat sich schnell als Renner entpuppt. Sternschnuppen-Leiterin Marga Stietz-Krüger ist vom Ansturm überwältigt. Der erste Kurs läuft knapp einen Monat, in diesen Tagen kommt ein zweiter hinzu, und noch immer stehen Interessierte auf einer Warteliste.

Die Idee, auch in Vellmar Senioren fit zu machen in der Nummer eins unter den Sprachen der Welt, stammt von Elke Weckermann aus Kassel. Sie hat Anglistik studiert und arbeitet heute freiberuflich zum einen als Legasthenietherapeutin, zum anderen als Englischlehrerin für die Generation 50 plus.

Über ihre Vellmarer Schüler, von denen einige mehr als doppelt so alt sind wie sie selbst, schwärmt die 41-Jährige. Elke Weckermann: „Es ist total beeindruckend, wie motiviert die Teilnehmer sind und wie eifrig.“ Sie selbst sorgt für eine lockere und humorvolle Lernatmosphäre. Das kommt gut an.

Aus zweifachem Grund hat sich Marion Ludwig der Gruppe angeschlossen. Ihr Enkel kommt bald aufs Gymnasium, und dann will sie ihn bei den Hausaufgaben unterstützten können, erzählt sie. Und außerdem träumt die 62-Jährige von einer Südafrikareise – mit der Möglichkeit, sich auf Englisch mitteilen zu können.

Ruth Brosche aus Ahnatal will im Sommer zusammen mit einer Freundin in ihrem kleinen Sportflitzer durch Cornwall touren. Zu Schulzeiten, erinnert sie sich, mochte sie im Englischunterricht nicht den Mund aufmachen. „Hier aber habe ich wirklich Mut zu sprechen“, sagt die 64-Jährige über den Kurs.

Nicht länger sprachlos

Herbert Hempel und seine Frau reisen gern und viel. Der Vellmarer (83) stammt aus dem Sudetenland und hat in der Schule nie Englisch gelernt. Nun will er nicht länger im Ausland sprachlos sein. Seine Devise: „Es kommt nicht darauf an, dass man perfekt ist, sondern dass man sich verständigen kann.“

Info: Ein dritter Sternschnuppen-Kurs „Englisch für Senioren“ startet nach den Sommerferien. Anmeldung und Informationen im Büro der Sternschnuppe und unter Telefon 05 61/82 59 29.

Von Dorina Binienda-Beer

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